Offenburg

Gedenkfeier erinnerte an Leiden der Sinti und Roma

Autor: 
Ursula Groß
Lesezeit 3 Minuten
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29. September 2015
»Knochen und Asche liegen zerstreut in der Erde«: Mit Lesungen von Zeitzeugenberichten der Vernichtungszeit ließen Jugendliche am Sonntag im Salmen die Greueltaten an den Sinti und Roma noch einmal deutlich werden.

»Knochen und Asche liegen zerstreut in der Erde«: Mit Lesungen von Zeitzeugenberichten der Vernichtungszeit ließen Jugendliche am Sonntag im Salmen die Greueltaten an den Sinti und Roma noch einmal deutlich werden. ©Ulrich Marx

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe »70 Jahre Befreiung vom Faschismus« fand am Sonntag eine Gedenkveranstaltung im Salmen statt. Sie erinnerte an die Ermordung von Sinti und Roma durch die Nationalsozialisten.

Eine derart bewegende und traurig machende Veranstaltung hat der Salmensaal seit vielen Jahren kaum gesehen. Vor nur etwa 50 Gästen fand das »Gedenken an die ermordeten Sinti und Roma« in der Veranstaltungsreihe »70 Jahre Befreiung vom Faschismus« statt. Beklemmend die Fakten, die zur Auslöschung von europaweit zwölf Millionen Menschen dieser Bevölkerungsgruppen durch die Nationalsozialisten führten.  Beunruhigend der aktuelle Blick auf die »ethnischen Minderheiten«, wie es so oft heißt, in Zeiten der Flüchtlingskrise. Und noch mehr enttäuschend, dass Sinti und Roma bis heute mit einem Stigma der Vorurteile belegt werden.

»Erinnern heißt handeln«

Als im März 1943 der Sonderzug ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau am Bahnhof Offenburg Halt machte, war auch das Schicksal der hiesigen Sinti und Roma besiegelt. Nur Wenige überlebten. Jane Simon von der »Internationalen christlichen Bildungs- und Sozialen Initiative für Sinti und Roma« blickte mithilfe von Fragmenten der wenigen Zeitzeugen zurück. »Erinnerung heißt Handeln«, zitierte Redner Paul Bauer (Verein Verfolgter des Nationalsozialismus Ortenau) die verstorbene Offenburgerin Dorothea Siegler-Wiegand. Vorurteilen entgegenzutreten, Entschädigung zu gewähren, die neue Situation in Europa kritisch zu begleiten, das seien die Mittel. Diskriminierung wegen Herkunft sei auch nach 70 Jahren noch auf vielen Ebenen in der Bevölkerung ein Thema. »Die Vorurteile haben die Nazizeit überlebt«, hatte Jane Simon in ihrem Vortrag befürchtet.

Bei ihrer Lesung aus Zeitzeugenberichten der Vernichtungszeit ließen Yannik Hinzmann, Jane Simon, Emma, Fionn und Tristan Stacey das Grauen der Lager deutlich werden. »Knochen und Asche liegen zerstreut in der Erde«, trug Jane Simon im Gedicht vor.

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Schirmherrin Oberbürgermeisterin Edith Schreiner bekannte sich mit einem mutigen Statement dazu, »dass die Stadt Offenburg sich mit ihrer Geschichte auseinandersetzt«. Und »wir finden es bedenklich, dass sich Klischees in Europa immer noch halten«. Kulturelle Vielfalt sei eine Bereicherung, und gerade eine solche Gedenkveranstaltung trage dazu bei, Vorurteile abzubauen. »Die Würde des Menschen ist unantastbar«, sprach sie das Grundgesetz an.

Fabienne Vesper überbrachte die Grußworte der SPD-Bundestagsabgeordneten Elvira Drobinski-Weiß: »Rassismus ist zu bekämpfen, auch und gerade in Zeiten großer Fluchtbewegungen.« Begleitet wurde die Gedenkveranstaltung vom Ismael-Reinhard-Duo aus Freiburg.

Nachdenkliche Gesichter

Sehr nachdenkliche Gesichter gab es bei den Gedenkfeier-Gästen. Ja, sie sind unter uns, in Offenburg, in Deutschland, in Europa, die Überlebenden eines rassistischen Völkermordes. Doch »700 Jahre – und noch immer bist du kein Deutscher« hatte es in der Lesung geheißen.

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