Altes Handwerk

Gengenbach: Evelyn Schlüter verarbeitet Material der Kaiser und Könige

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24. August 2021
Eyelyn Schlüter, Goldschmiedin aus Gengenbach, arbeitet seit 1968 in ihrem Beruf. Schon als Kind war ihr klar, dass sie ein Handwerk erlernen möchte. Edelmetalle und bunte Edelsteine üben auf sie eine große Faszination aus.

(Bild 1/4) Eyelyn Schlüter, Goldschmiedin aus Gengenbach, arbeitet seit 1968 in ihrem Beruf. Schon als Kind war ihr klar, dass sie ein Handwerk erlernen möchte. Edelmetalle und bunte Edelsteine üben auf sie eine große Faszination aus. ©Thomas Reizel

OT-Serie „Altes Handwerk“ (28): Es gibt sie auch heute noch, die alten Handwerksberufe mit langer Tradition – und Menschen, die sie ausüben oder sich damit auskennen. Heute: Ein Besuch bei Goldschmiedin Evelyn Schlüter aus Gengenbach.

Gold übt seit jeher eine Faszination auf die Menschen aus. Es ist Wertanlage, Schmuck, ein Symbol für Macht und Reichtum, aber auch der Wertschätzung. Für Edelsteine gilt dasselbe. „Die größten Häupter der Geschichte wurden mit Gold und Edelsteinen gekrönt. Dieses Metall ist so faszinierend, nicht nur wegen seiner Farbe. Es lässt sich schmelzen, schleifen und in jede Form bringen, die man sich nur vorstellen kann“, erzählt Evelyn Schlüter, Goldschmiedin in Gengenbach. Die Goldschmiedekunst sei das zweitälteste Gewerbe der Welt, sagt sie und schmunzelt dabei.

Schon als Kind war ihr klar, dass sie nach der Schule etwas Handwerkliches lernen möchte. Da fügte es sich gut, dass die heute 69-Jährige in Hamburg im Jahr 1968 ein Praktikum und danach eine Lehrstelle bei einem hochangesehenen Goldschmied und Juwelier bekam. Bereits 1980 legte sie die Meisterprüfung ab.

Seit 1995 in Gengenbach

Evelyn Schlüter ist Neuem stets aufgeschlossen und entdeckungsfreudig. Sie arbeitete in ihrem erlernten Beruf in Düsseldorf, München, Wiesbaden und Offenburg, bevor sie sich 1995 in Gengenbach selbstständig machte.

Obwohl sie auch viel Erfahrung und Wissen in der hohen Juwelierkunst besitzt, sieht sich Evelyn Schlüter eher in der dezenten Kunst. Sie liebt das Understatement, also nicht die zur Schau gestellte Klunkerwelt: „Es reicht zu wissen, dass es Platin ist.“

Ein Lieblingsmetall hat sie dennoch nicht. Vielmehr schildert die Goldschmiedin die Vorzüge jedes einzelnen: „Silber ist ganz weich und glänzt weiß, pures Gold hat einen so schönen warmen Farbton, Weißgold ist etwas fester und nüchterner im Ausdruck, Platin eines der edelsten und widerstandsfähigsten Edelmetalle überhaupt. Aus allen kannst du so viel machen.“

Das Rohmaterial bezieht sie in streichholzschachtelgroßen, aber viel flacheren Platten oder in Stangen, die vom Format her an eine Zigarette erinnern. Ein wichtiger Punkt ist das Schmelzen des Materials. Je nach Bedarf walzt Evelyn Schlüter das Material an einer Maschine, die sie noch mit einer Handkurbel bedient.

Evelyn Schlüter muss bei ihrer Arbeit löten, feilen, sägen und sich mit synthetischer Säure auskennen, denn in einem solchen Bad werden die Schmuckstücke, die nach dem Löten schwarz geworden sind, gereinigt. Die angefallenen Sägespäne fängt sie auf und schickt diese in eine Scheideanstalt. Dort werden diese wieder zu Goldplatten und -stangen verarbeitet.

„Das Wichtigste aber ist, dass ich vor dem Schmelzen des Materials jeden Schritt der Verarbeitung weiß. Denn ich kann nicht mal eben ein misslungenes Schmuckstück wieder einschmelzen und neu verarbeiten“, erklärt Evelyn Schlüter.

Während sie das alles erzählt, arbeitet sie an einem Ehering, den sie verkleinern muss. „Der Mann hat abgenommen“, sagt Evelyn Schlüter. Also sägt sie ein Stück heraus und nimmt Maß. Erst wenn das hundertprozentig stimmt, lötet sie den Ring wieder zusammen und verarbeitet ihn, bis er wieder glänzt.

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Steine aus Idar-Oberstein

Ihre wahre Leidenschaft sind jedoch bunte Edelsteine. Zwar schleift sie diese nicht selbst, sondern bezieht sie von Lieferanten in Deutschlands Edelsteinzentrum, dem rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein, doch kann sich Evelyn Schlüter darin regelrecht verlieren. „Die Natur gibt davon so viel her“, gerät sie schier ins Schwärmen. Deshalb bezieht sie ihre Inspiration auch häufig auf Spaziergängen, in Entspannungsphasen oder im Urlaub wie in Südafrika. „Ich experimentierte gerade mit Fossilien, die ich dort entdeckt habe“, erzählt Evelyn Schlüter.

Als besonders interessant und herausfordernd sieht die Goldschmiedin, wenn es darum geht, alte Erbstücke so umzugestalten, dass diese ihren Charme behalten, aber dennoch zeitgemäß sind. Auch kommt es manchmal vor, dass ein Stück anhand einer Bleistiftzeichnung (siehe Foto rechts unten) entsteht. Eine solche liegt Evelyn Schlüter vor. Sie erwägt, es mit einem grünen und einem blauen Edelstein anzufertigen.

Stoff für viele Filme

Diese Steine haben es ihr also angetan. Das zeigt sich nicht nur daran, dass sie diese verarbeitet, sondern wenn sie davon erzählt: „Für Kronen oder Zepter wurden die größten Edelsteine nicht nur gestohlen, dafür wurde sogar gemordet.“ Die Faszination für Edelstein ist bekanntlich Gegenstand zahlreicher Filme. 2013 gab es in Antwerpen den größten Juwelenraub in der Geschichte.

Zeugnisse der Goldschmiedekunst gibt es in Europa seit dem fünften Jahrtausend vor Christus. Auch aus der Zeit der Etrusker in Italien oder der Thraker im geographisch weitgefassten Gebiet des Balkan sind Funde belegt.

In der Bronzezeit wurden Goldschmuck, Prunkwaffen und Kultgeräte mit der gleichen Technik hergestellt wie Gegenstände aus Bronze. Kelten und Germanen hinterließen erstaunliche Goldschmiedearbeiten, die oft im Zusammenhang mit ihren kultischen Gebräuchen und der Astronomie standen.

Hervorragende Zeugnisse der außereuropäischen Goldschmiedekunst sind erhalten aus dem Neuen Reich Ägyptens, zum Beispiel die reichen Schmuckbeigaben im Grab Tut-
anchamuns, oder aus den Andenkulturen mit ihrem sagenhaften „Eldorado“. Seit jeher verfielen Menschen dem sogenannten Goldrausch.

Evelyn Schlüter ist davor natürlich gefeit, auch wenn sie sehr gerne mit Edelmetallen arbeitet. Als solche werden übrigens reine Metalle bezeichnet, die korrosionsbeständig sind, das heißt, die in natürlicher Umgebung unter Einwirkung von Luft und Wasser dauerhaft chemisch stabil sind.

Aufgrund dieser Stabilität sind Gold und Silber seit dem Altertum zur Herstellung von Schmuck und Münzen in Gebrauch. In den vergangenen vier Jahrhunderten wurden zusätzlich die Platinmetalle entdeckt, die ähnlich korrosionsbeständig sind wie Gold. Evelyn Schlüter arbeitet auch aufgrund dieser Geschichten ausgesprochen gerne mit den Edelmetallen. Davon hat sie übrigens kein großes Lager, sondern bezieht es nach Bedarf. Dasselbe gilt für die Edelsteine.

Ein echtes Schmuckstück ist für sie immer ein Zeichen besonderer Wertschätzung, wenngleich sie sagt, dass diese auch ein Edelstahlring ausdrücken kann. Wie dem auch sei: Es darf für Evelyn Schlüter nicht protzig sein. Denn wie sagte sie schon eingangs so schön: „Es reicht zu wissen, dass es Platin ist.“

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