Ruhestand der Morloks

Gengenbacher Traditionsreinigung schließt

Autor: 
Florence-Anne Kälble
Lesezeit 3 Minuten
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13. Juni 2018

(Bild 1/3) Christa und Bernhard Morlok nehmen Abschied von ihrer Wirkungsstätte – sie schließen die Reinigung zum 1. Juli. ©Florence-Anne Kälble

Eine Ära geht zu Ende – nach 50 Jahren Wäschereibetrieb verabschieden sich Christa und Bernhard Morlok in den Ruhestand. Die Reinigung in der Leutkirchstraße war ein beliebter Treffpunkt – nicht nur für die Narren an Fasnacht. Einen Nachfolger gibt es nicht.
 

Am 1. Juli ist es soweit: Christa und Bernhard Morlok gehen in den wohlverdienten Ruhestand. Das Ehepaar hat 50 Jahre lang die Reinung betrieben. »Wir hatten keinen einzigen Tag geschlossen«, erinnert sich Bernhard Morlok, den viele Gengenbacher unter seinem Spitznamen »Bene« kennen. Selbst wenn das Ehepaar mit seinen Kindern in Urlaub gefahren ist, war immer eine Vertretung vor Ort und hat sich um die Wäsche gekümmert.

In 50 Jahren Reinigungsbetrieb haben die beiden viel erlebt. »Eigentlich sind wir nur durch Zufall in die Selbständigkeit gerutscht«, erzählt Christa Morlok. 1968 suchte das junge Ehepaar eine größere Wohnung in Berghaupten, da das zweite Kind unterwegs war. Die Vermietung der Wohnung war an eine Bedingung geknüpft: »Wir mussten die dazugehörige Reinung übernehmen und betreiben«, erklärt Bernhard Morlok. Da er damals noch bei Hukla als Betriebselektriker tätig war, übernahm seine Frau den Wäschereibetrieb. 

Januar 1971 erfolgte der Umzug nach Gengenbach. »Zur Eröffnung haben wir eine Wurfsendung verteilt«, fügt Christa Morlok hinzu. Aus der ganzen Ortenau sind daraufhin Wäscheberge bei ihnen eingegangen. »Das war so viel, dass wir die Reinigung für drei Wochen schließen mussten, um das alles abzuarbeiten«, erinnert sich ihr Mann. Damals lief die Industrie-Waschmaschine ohne Unterbrechung und viele Bekannte haben bis nachts die beiden unterstützt. 

Mit den Jahren erweiterten sie ihr Einzugsgebiet: In der Blütezeit gab es Annahmestellen in Biberach, Zell am Harmersbach, Reichenbach und Berghaupten. Auch die Angebotspalette wuchs – neben der Wäscherei gab es unter anderem einen Hemdendienst, die Leder-Reinigung, eine Teppich- und Posterreinigung sowie eine Änderungsschneiderei. Und wer auf der Suche nach schicken Strümpfen war von Hudson oder Kunert, ist auch bei Morloks fündig geworden. 

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Ein beliebter Treffpunkt

1994 war ein Jahr des Umbruchs – das Ehepaar schafft eine neue Reinigungsmaschine an, die sowohl Chlorfrei als auch FCKW-frei betrieben wurde. »Die neue Filtertechnologie auf Kohlenwasserstoff-Basis war unser Alleinstellungsmerkmal«, erinnert sich Bernhard Morlok. 

Die Reinigung war aber noch viel mehr. »Teilweise war hier der Dorftreff«, erzählt Christa und ihr Mann fügt hinzu: »Bevor das Internet aufkam hat sich auch alles rund um die Gengenbacher Narrenzunft bei uns abgespielt.« Damals hies die Losung »Alles zu Bene«. Dienstpläne, Festorganisationen und Umzüge wurden oft bis spät in die Nacht geplant. Auch soll die ein oder andere Party während der Fasnachtszeit in den Räumen stattgefunden haben, während die Häs für den nächsten Einsatz gereinigt wurden.

Nach 50 Jahren einfach so in den Ruhestand zu gehen fällt Morloks nicht leicht. Zu viele Erinnerungen sind mit dem Geschäft verbunden. »Wir haben unsere Kinder hier aufwachsen und spielen sehen«, sagt Christa. Auch der Kontakt zu den Leuten werde den beiden fehlen. »Nach 50 Jahren schaltet man nicht einfach so ab«, weiß Bernhard Morlok. Gäbe es einen Nachfolger, würde er wohl noch stundenweise in der Wäscherei aushelfen. Aber eine Reinigung wird heutzutage kaum noch benötigt. »Waschmaschinen sind für jedermann erschwinglich geworden und auch die Textilien haben sich über die Jahre so verändert, dass vieles selbst gewaschen werden kann«, weiß er. 

Bis Freitag, 15. Juni, kann noch Wäsche abgegeben werden. »Danach nehmen wir nichts mehr an, sonst klappt das mit dem Schlussstrich am 1. Juli nicht«, fügt »Bene« Morlok abschließend hinzu und lacht. 

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