Offenburg

Große Trauer im Rebland um Seelsorger Richard Huber

Volker Gegg
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02. August 2017

©Volker Gegg

Schön, einen solchen Pfarrer erlebt haben zu dürfen: Nicht nur Ortenberg und das Rebland trauern um den am Montagabend plötzlich verstorbenen Pfarrer Richard Huber. Bis zuletzt stand der 77-jährige Geistliche i. R. noch am Altar. Ortenberg nimmt Abschied von seinem Ehrenbürger und dem Namensgeber eines Aussichtspunktes. 
 

Er war ein Mensch, der einen mitreißen und bewegen konnte, ein katholischer Geistlicher, der es stets verstand, auch die sonst leeren Kirchenbänke wieder zu füllen: der 77-jährige katholische Pfarrer im Ruhestand, Richard Huber. 

Am Montagabend ist er vor seiner Wohnung in Zell-Weier­bach auf der Straße zusammengebrochen, als sein Herz zu schlagen aufhörte und der Herrgott ihn zu sich rief. Bis zuletzt stand Huber trotz seines Ruhestands am Altar, so Mitte Juli in der Weingartenkirche beim Festgottesdienst anlässlich des Jubiläums des Kirchenchores. Nein konnte er nicht sagen, wenn er auch im Rentenalter noch gefragt wurde, ob er eine Trauung oder eine Beerdigung zelebrieren würde.  

Für Richard Huber war Pfarrer kein Beruf, sondern stets eine Berufung, die er mit Leib und Seele lebte. Deshalb bewegte die Nachricht vom unerwarteten Ableben des rüstigen Geistlichen gestern nicht nur die Ortenberger und Ohlsbacher, in deren Gemeinden er über 18 Jahre wirkte, sondern auch viele Menschen im Offenburger Rebland. 

Am 30. August 1939 wurde Richard Huber in Wagshurst geboren. »Das ist das Dorf, bei dem die Ziegel auf dem Kirchendach so hübsch bunt sind, dass man sie von der Autobahn aus sehen kann«, pflegte er oft zu sagen. Zusammen mit seiner älteren Schwester wuchs er in einer von der Landwirtschaft  geprägten Familie auf. 

»Nie bereut«

Nach seiner Grundschulzeit zog es Huber ans Schiller-Gymnasium in Offenburg. Hier absolvierte er 1959 sein Abitur. Lehrer oder Pfarrer, das war die Frage, die er sich nach dem Erhalt des Reifezeugnisses stellte. Der Entscheid fiel auf den Priesterberuf. »Und das habe ich nie bereut«, erklärte Huber anlässlich seines goldenen Priesterjubiläums 2014 in Ortenberg. 

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Im Freiburger Priesterseminar schloss er mit seinen Mitstudenten Freundschaften,­ die bis zuletzt gepflegt wurden. 

Am 7. Juni 1964 erhielt Richard Huber im Freiburger Münster vom damaligen Erzbischof Hermann Schäufele die Priesterweihe. Nach Aufenthalten in Herden bei Basel und Renchen erhielt Huber 1964 seine erste Kaplan-Stelle in St. Peter und Paul in Bühl. 1969 folgte seine­ erste Pfarrstelle­ in Rheinstetten-Forchheim. Bis 1991 wirke er dort und unterhielt bis zuletzt noch enge Kontakte zur nordbadischen Kirchengemeinde. Von November 1991 bis zu seinem Ruhestand im Alter von 70 Jahren war Richard Huber Gemeindepfarrer von Ohlsbach und Ortenberg. 2009 ging mit dem Ausscheiden von Richard Huber auch die Zeit der seit 1788 tätigen Geistlichen der einst selbstständigen Pfarrgemeinde St. Elisabeth zu Ende. 

Während seiner 18-jährigen­ Amtszeit hat er beide Pfarrgemeinden maßgeblich geprägt und vorangebracht. Stets unterstützt wurde er bei seiner Arbeit in den Gemeinden durch seine Haushälterin Hannelore Ruess, die ihn auch im Ruhestand begleitete. Huber gehört nicht nur zu den Geburtshelfern des Sozialen Netzwerks »Sono«, er engagierte sich auch bei der Gemeindepartnerschaft mit Stotzheim. Ebenso hat Huber das Interesse an der ehemaligen Ortenberger Ortsheiligen Gertrud von Ortenberg maßgeblich wiederbelebt. 

Ob Ministrantenlager oder Jugendfreizeit: Huber verstand es, den Nachwuchs zu fesseln. Fast 100 Ministranten standen zeitweise auf dem Dienstplan während seiner aktiven Pfarrerszeit.  Als Dank ernannte ihn die Gemeinde Ortenberg bei seinem Abschied 2009 zum Ehrenbürger. Auch ein beliebter Rast- und Aussichtspunkt im Rebberg mit Blick aufs Pfarrhaus und Pfarrkirche trägt seit acht Jahren den Namen »Pfarrer-Huber-Blick«. 

Huber liebte die Musik und die Berge. Wandern und Skifahren waren der Ausgleich für seinen Pfarrerberuf, aber auch die häufigen Urlaubsreisen in die Bretagne. Huber war ein Pfarrer, wie man es sich nur wünschen konnte, der stets ein Ohr für seine Mitmenschen hatte, jedem verzeihen konnte, sich allerdings eigene Fehler lange nachtrug. 

HINWEIS: Das Seelenamt findet am Dienstag, 8. August, 14.30 Uhr, in der Ortenberger Kirche statt. Anschließend ist Beisetzung auf dem Bühlwegfriedhof. So hatte es sich der Verstorbene gewünscht.

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