Schneiderei ist ihr Faible

Helene Bötzel aus Bohlsbach feiert ihren 101. Geburtstag

Autor: 
Martin Röderer
Lesezeit 4 Minuten
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23. Februar 2021

Die Jubilarin Helene Bötzel lebt in Bohlsbach im Dietrich-Bonhoeffer-Haus. Heute kann „Tante Lenchen“ ihren 101. Geburtstag feiern. ©Dietrich-Bonhoeffer-Haus

Auch mit 101 Jahren ist sie immer noch die „Grande Dame“: Helene Bötzel aus Bohlsbach liest noch ohne Brille. Auch Röcke werden immer noch selbst verändert. Am Dienstag begeht sie ihren Geburtstag.

Helene Bötzel, die im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Bohlsbach lebt, feiert am Dienstag ihren 101 Geburtstag. Gerne erinnert sie sich an ihren 100. Geburtstag am Fasnachtssonntag im vergangenen Jahr zurück. Da war die Welt noch in Ordnung und Corona noch nicht das beherrschende Thema. 

Heidrun Biermann, die Nichte von „Tante Lenchen“, die zusammen mit ihrem Mann Karl Friedrich die hochbetagte Dame betreut, blickt auf diesen Tag zurück. „Wir konnten ihr den Wunsch erfüllen und zum Essen nach Freiamt fahren, in die ,Ludinmühle‘, ihr Lieblingslokal.“ Das sollte die letzte größere Ausfahrt gewesen sein, wie immer mit Karl Friedrich Biermann als Chauffeur, dann kam Corona. 

Auch Bohlsbachs Ortsvorsteherin Nicole Kränkel-Schwarz konnte ihr, ohne Abstand und mit Frack und Zylinder kostümiert, am Rosenmontag noch die Glückwünsche von der Ortsverwaltung und der Stadt übermitteln. Zum 101. Geburtstag heute wird es bei einem Glückwunschschreiben von Oberbürgermeister Marco Steffens bleiben. Angedacht, so Heidrun Biermann, sei am  ein Besuch von „Tante Lenchen“ im Hause Biermann, zu einem Kaffee. 

Vater war Kutschenbauer

Die überaus fitte und agile Jubilarin wurde am 23. Februar 1920 im schlesischen Gottesberg, in der Nähe von Breslau, geboren. „Mein Vater war Kutschenbauer, hatte eine Firma und baute Kutschen für die Herrschaften und Königshäuser“, erinnerte sich Helene Bötzel an ihrem 100. Geburtstag stolz zurück. Jahre später zog die Familie ins Isergebirge, dort baute ihr Vater im beschaulichen Ort Morgenstern einen Betrieb auf, in welchem Rodelschlitten und Skier hergestellt wurden. 

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Sie besuchte dort die Volksschule, dann die höhere Bürgerschule und erlernte anschließend den Beruf der Schneiderin. Hiervon zehrt sie heute noch, ihre Kleider sind selbst genäht und sie verändert immer noch Röcke. Die Schneiderei war ihr Faible, daher ist es nicht verwunderlich, dass sie sich auch heute noch schön anzieht und stets elegant gekleidet ist. „Dazu gehören natürlich auch Schuhe mit hohen Absätzen, sie ist immer noch die ,Grande Dame‘, berichtet Heidrun Biermann. 

Nach beruflichen Stationen als Stenotypistin bei der Wirtschaftskammer und während des Kriegs als Arztsekretärin im Lazarett erfolgte die Vertreibung durch die Tschechen, ihr Vater verstarb im Krieg. Nach Kriegsende floh sie mit ihrer Mutter nach Thüringen, mit einem weiteren Hausbewohner, welcher ihr erster Mann werden sollte, der jedoch bereits nach sechs Jahren verstarb. 

Als technische Sachbearbeiterin beim Fernsehen in Berlin lernte sie ihren zweiten Mann Karl kennen. Mit ihm verbrachte sie in einer Lebensgemeinschaft glückliche 55 Jahre im Prenzlauer Berg in Berlin, bis Karl 2011 verstarb. Nach einem Schlaganfall 2013 wurde „Tante Lenchen“ ins Haus ihrer Nichte nach Offenburg geholt, seit 2015 lebt sie im Seniorenwohnheim. „Viele Reisen, immer Sport, Gymnastik, Tennis, Skifahren, Tanzen und viel an der frischen Luft“, so Helene Bötzel beim 100. Geburtstag auf die Frage, wie man so lange fit bleibt. 

„Ich bin zufrieden“

Und daran hat sich auch bis heute nicht allzu viel geändert, mit Ausnahme des etwas schlechteren Gehörs. So ist auch für das Lesen der aktuellen Zeitschriften noch keine Brille erforderlich. „Ich bin zufrieden“, äußert die Jubilarin, und dies trotz der Einschränkungen seit nunmehr nahezu einem Jahr. Seither sind auch die Kontakte beschränkt, mit Ausnahme von Spaziergängen rund um Bohlsbach während der Lockerungszeiten.

„Die Freude ist ihr anzumerken, auch die Besuche unter dem Fenster im Hof genießt ,Tante Lenchen‘ offensichtlich“, so Familie Biermann. Es verbleibt die Hoffnung, dass eine Verbesserung der aktuellen Lage doch noch dazu beitragen kann, des Öfteren für Tapetenwechsel zu sorgen. Vielleicht auch für eine ausgedehnte Spazierfahrt, zu welcher sich Karl Friedrich Biermann gerne als Chauffeur einspannen ließe.

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