Museum im Ritterhaus

Hornloses Nashorn aus Offenburger Museum kommt nach Stuttgart

red/sk
Lesezeit 3 Minuten
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25. November 2020

Das Nashornpräparat des Museums im Ritterhaus zieht für kurze Zeit in das Haus der Geschichte nach Stuttgart. Dort ist ab 6. Dezember – sofern es Corona zulässt – die Ausstellung „Gier“ zu sehen. ©Museum im Ritterhaus

2012 wurden die Hörner des Nashornpräparats im Museum im Ritterhaus gestohlen. Seitdem war es in Offenburg hornlos zu sehen – und demnächst ziert es eine Ausstellung namens „Gier“ in Stuttgart. 

Durch einen spektakulären Diebstahl ist das hornlose Nashornprägarat des Offenburger Museums im Ritterhaus überregional bekannt geworden. 2012 hatten einer Pressemitteilung zufolge vier auf Nashornraub spezialisierte Diebe das historische Präparat beschädigt und die beiden Hörner entwendet. Diese wurden zunächst in Straßburg versteckt, bevor sie – höchstwahrscheinlich zu Pulver zermahlen – nach China oder Vietnam geschafft wurden. 

Bis zu 50 000 Euro

Auf dem Schwarzmarkt dürften sie dort einen Kilopreis von bis zu 50 000 Euro erzielt haben, so die Stadt Offenburg. In der traditionellen chinesischen Medizin gelte das Nashornpulver als Blut kühlend und entgiftend, weshalb es in den vergangenen Jahrzehnten unter anderem zum prestigekräftigen Geschenk wurde. Die Nachfrage sei gestiegen und damit auch der Preis. 

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Die „Dead Zoo Gang“, eine Gruppe der Irish Travellers, spezialisierte sich vor einigen Jahren auf den Diebsthal von Rhinozeros-Hörnern aus europäischen Museen und Universitätssammlungen, so die Stadt Offenburg. Allein in der Bundesrepublik habe die Polizei im Jahr 2011 21 Nashorndelikte gezählt. 30 Rhinozeros-Hörner seien entwendet worden. Am 18. Februar 2012, am Fasnachtssamstag, haben die Diebe in Offenburg zugeschlagen. Die vier Täter seien jedoch aufgrund der detaillierten Beschreibung des Personals im Museum im Ritterhaus gefasst und verurteilt worden. Die Hörner blieben bis heute verschwunden, heißt es. 

Das Museum im Ritterhaus sei damals offensiv mit dem Diebstahl umgegangen und arbeitete die Thematik 2013 in der Ausstellung „Hornlos – Nashornraub in deutschen Museen“ auf. Laut Pressemitteilung hängt seitdem das beschädigte Präparat wieder an seinem angestammten Platz in der neu gestalteten kolonialgeschichtlichen Abteilung. So wurde auch Christopher Dowe vom Haus der Geschichte in Stuttgart auf das Ausstellungsstück aufmerksam. Auf der Suche nach einem geeigneten Exponat für die dort geplante Ausstellung „Gier“ empfahl laut Pressemitteilung Kuratorin Anne Junk das hornlose Nashorn.

Es stehe zum einen für die Gier der Kolonialherren, Militärs und Großwildjäger nach Trophäen, zum anderen für die Geldgier der Nashorn-Diebe und schließlich für die Gier nach teuren prestigeträchtigen Geschenken, die sich in den Eliten Chinas und Vietnams etabliert hat. Nicht nur historische Nashorn-Trophäen, sondern auch lebende Nashörner fallen dieser Gier zum Opfer, heißt es weiter. Das Rhino sei heute akut von der Ausrottung bedroht.

Das hornlose Nashornpräparat ist daraufhin auf Reisen gegangen. Vom 6. Dezember bis zum 30. Juni 2021 wird es im Haus der Geschichte in Stuttgart zu sehen sein.

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