Infotafeln in Offenburg angebracht

Immaterielles Kulturerbe: Was die Friedhöfe besonders macht

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22. September 2020
Sie sind vom Wert der Friedhöfe in vielerlei Hinsicht überzeugt (von links): Heinrich Meyer vom Förderkreis Historischer Waldbachfriedhof, Dekanin Jutta Wellhöner, der stellvertretende TBO-Betriebsleiter Steffen Letsche, Marco Gehring, Obermeister der Bildhauer- und Steinmetz-Innung Ortenau, Bürgermeister Oliver Martini, Gärtnermeister Jochen Schweiger, Hans-Jürgen Jäger, TBO-Abteilungsleiter Friedhöfe, Pastoralreferent Marcel Oertwig, Axel Gelszat vom Bestattungsinstitut Karl Heidenreich und Wendelin Geige

(Bild 1/2) Sie sind vom Wert der Friedhöfe in vielerlei Hinsicht überzeugt (von links): Heinrich Meyer vom Förderkreis Historischer Waldbachfriedhof, Dekanin Jutta Wellhöner, der stellvertretende TBO-Betriebsleiter Steffen Letsche, Marco Gehring, Obermeister der Bildhauer- und Steinmetz-Innung Ortenau, Bürgermeister Oliver Martini, Gärtnermeister Jochen Schweiger, Hans-Jürgen Jäger, TBO-Abteilungsleiter Friedhöfe, Pastoralreferent Marcel Oertwig, Axel Gelszat vom Bestattungsinstitut Karl Heidenreich und Wendelin Geiger vom Bestattungshaus Geiger. ©Stadt Offenburg

Die deutsche Friedhofskultur ist seit diesem Jahr immaterielles Kulturerbe. Im Rahmen einer bundesweiten Aktion sind am Freitag auch zwei Offenburger Friedhöfe mit Infotafeln versehen worden.

Dass die Friedhofskultur in Deutschland seit März 2020 als immaterielles Kulturerbe der Unesco gilt, haben vermutlich die Wenigsten hierzulande mitbekommen. Das ist aber auch kaum verwunderlich. Denn die Kultusministerkonferenz hat diese Auszeichnung am 20. März, also genau am Tag des Corona-Lockdowns, vergeben. Weil die mediale Aufmerksamkeit entsprechend gering war, hat sich die Stadt Offenburg am Freitag an der Aktion „Friedhöfe auszeichnen“ beteiligt, die zum Tag des Friedhofs am 20. September stattfand. Mehr als 100 Städte in Deutschland haben dabei gleichzeitig Friedhöfe mit entsprechenden Schildern versehen.

Täglich kämen Zehntausende Menschen auf die Friedhöfe in Deutschland, stellte Bürgermeister Oliver Martini beim Pressetermin auf dem Weingartenfriedhof fest. Sie kämen zum Trauern, aber auch um Ruhe zu finden und um zu arbeiten. Martinis Fazit: Ein Friedhof sei „ein Ort, an dem gelebt wird“. Es gelte, sich immer wieder bewusst zu machen, „welchen Wert dieser Kulturraum für unsere Gesellschaft hat“.

Diesen Raum zeichne nicht nur aus, dass er Halt gebe, „wenn wir Abschied nehmen“ oder ein Erinnern und Würdigen ermögliche. Er sei auch „aktiver Natur- und Artenschutz“, „sozialer grüner Treffpunkt“, „eine Mahnung zum Frieden“ und „lebendiges Geschichtsbuch“. 

„Wohnortnahe Kultur“

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Heinrich Meyer vom Förderkreis Historischer Waldbachfriedhof begrüßte im Namen des Vereins die Aktion am Freitag. Es gehe nicht nur um die Schönheit der Friedhöfe, sondern auch um die Erhaltung der dortigen Kultur – „eine Kultur, die wohnortnah vorhanden ist“, wie Meyer betonte. Das Gegenstück zum Friedhof sei der Wald. Wer jedoch dort seine letzte Ruhe finde, liege dann „irgendwo“ und werde irgendwann auch vergessen. Deshalb sei es gut, wenn sich Bestattungsformen wie im Wald auch auf dem Friedhof fänden.

Bei dem Termin am Freitag waren auch verschiedene Vertreter der auf dem Friedhof tätigen Dienstleister und Gewerke vertreten. Weil die Initiative zur Auszeichnung als Unesco-Kulturerbe von einem Steinmetz ausgegangen war, kam mit Marco Gehring auch der Obermeister der Bildhauer- und Steinmetz-Innung Ortenau zu Wort. Die deutschen Friedhöfe hätten diese Auszeichnung bekommen, „weil sie toll sind“, betonte Gehring – verbunden mit einem Aber. 

Denn im Gegensatz zu Friedhöfen wie dem Weingartenfriedhof, wo TBO-Abteilungsleiter Hans-Jürgen-Jäger eingangs noch auf das Vogelgezwitscher und die Eichhörnchen hingewiesen hatte, gebe es viel Negativ-Beispiele – auch in der Ortenau. 

Sorgen um die Zukunft 

Und vor allem die Entwicklung mache ihm Sorgen, machte Gehring deutlich. „In zehn, 15 Jahren hätten wir die Auszeichnung nicht mehr bekommen“, sagte er. Er bemängelte etwa, dass viele Kommunen gesunde Bäume fällten und sich Friedhöfe „zu einer Steinwüste“ entwickelten.

Hintergrund

Die Auszeichnung

Auf Empfehlung der Deutschen Unesco-Kommission hat die Kultusministerkonferenz im März 2020 die Aufnahme der Friedhofskultur in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes beschlossen. Dabei geht es aus Sicht des Kuratoriums immaterielles Erbe Friedhofskultur e.V. um den Umgang mit den toten, aber auch die Bedeutung der Friedhofskultur für die Gesellschaft. Weltweit besonder sei an der Friedhofskultur in Deutschland, „dass wir die Gräber in Parklandschaften einbetten und sie als kleine Gärten der Erinnerung gestalten“.

www.unesco.de/kultur-und-natur/immaterielles-kulturerbe

www.kulturerbe-friedhof.de

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