Hohberg - Diersburg

In Diersburg: Karger Anfang, stolzer Chor

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04. Dezember 2023
Herbert Brasch mit seinem Instrument.

Herbert Brasch mit seinem Instrument. ©Privat

70 Jahre alt ist der Posaunenchor der evangelischen Kirche in Diersburg nun und feiert das am Sonntag. Herbert Brasch ist von Anfang an dabei und spielt heute noch sein Instrument. Er berichtet von den bescheidenen Anfängen.

70 Jahre sind eine lange Zeit. Gerade, wenn man 70 Jahre lang musiziert. Herbert Brasch hat das getan, er spielt seit 70 Jahren im Posaunenchor Diersburg. Das ist genauso lange, wie der Posaunenchor besteht. Am Sonntag wird gefeiert (siehe Hintergrund).

Die Gründerjahre

Doch vor die Feier haben die Götter den Schweiß gesetzt. Die Anfänge waren hart und bescheiden. Alles begann im Frühsommer 1953 mit einem Besuch des Posaunenchors aus Heidelberg-Wieblingen. Der spielte in der evangelischen Kirche und auf der Pfarrwiese und beeindruckte mächtig. So mächtig, dass bald der Wunsch entstand, auch so einen Posaunenchor zu haben. 

Zum Verständnis sei gesagt, dass solche Klangkörper eine lange Tradition in der evangelischen Kirche haben, aus der Erweckungsbewegung kommen und der Missionsarbeit dienen. Der Posaunenchor ist kein Verein, seine Mitglieder gehören der Kirche an. 

In Diersburg gab es schon vorher eine rege Jugendarbeit, aber so ein Posaunenchor war dann doch noch etwas anderes. Die Jugendlichen stürzten sich in die neue Aufgabe, Herbert Brasch war damals erst 13 Jahre alt. „Das Personal war schon mal da“, erzählt er, nur mit den musikalischen Kenntnissen haperte es arg. Notenlesen? Eher nicht. Und Instrumente gab es auch keine. 

Pfarrer Otto Albrecht nahm die Fron auf sich, die 14 Aspiranten zu unterrichten. Später übernahm das der Inhaber des Rüttihofs. Und die Instrumente? Die schnorrte sich der gute Pfarrer beim Instrumentenbauer Suhm zusammen. Vier gebrauchte Leihinstrumente bekam er zusammen für die 14 Musiker (Frauen waren damals nicht zugelassen). Später dann kaufte er Posaunen und stotterte ihren Preis monatlich ab.

1954 eingeweiht

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Ihren Probesaal bauten sich die jungen Leute selbst – die alte Pfarrscheune gestalteten sie zu einem Jugendraum um. Als sie 4,50 DM gespart hatten, fürs Material, fingen sie an. 1954 war die Einweihung des Rohbaus. Die Mitgliedschaft im Posaunenchor kostete damals 4 DM; das waren zehn Prozent von Herbert Braschs Lehrlingsgehalts. Jede Probe endet bis heute mit einer Andacht, einem Gebet und einem Lied, so wie Pfarrer Albrecht es vor 70 Jahren eingeführt hat.

Den ersten öffentlichen Auftritt hatte der Posaunenchor 1954 in der Kirche; und bald darauf mit einem Ständchen beim Patronatsherrn Roeder von Diersburg. 

Im Laufe der Jahre gab es für Herbert Brasch viele Glanzlichter mit dem Chor. Etwa die 16.000 Bläser im Stadion beim Bundesposaunentag 2008 in Leipzig. Oder in Dresden, mit Tausenden von Bläsern am Königsufer, die Serenaden an der Elbe bliesen wie „Der Mond ist aufgegangen“. Und am Himmel stand ein großer, runder Mond. Als er davon erzählt, hat Herbert Brasch noch heute Tränen der Rührung in den Augen.

Drei Gründungsmitglieder leben noch, aber Herbert Brasch ist der Einzige, der bis heute spielt. Wie lange? „So lange es mir Spaß macht und es geht.“ Dann zitiert er dem Sinn nach Bundestagsabgeordneten Wolfgang Schäuble: „Zum 100. Jubiläum werde ich sicher nicht mehr spielen.“

Gibt es ein Geheimnis hinter den 70 Jahren als Musiker? Herbert Brasch: „Man muss dahinter stehen. Dann kann man auch sagen, es hat sich gelohnt.“

Herbert Brasch ist mit Heidi verheiratet, 2022 haben sie diamantene Hochzeit gefeiert. Sie haben vier Töchter. Herbert Brasch war 24 Jahre Kirchengemeinderat der evangelischen Kirche in Diersburg und hat bei dem Bau der Kirche maßgeblich mitgewirkt. 

Hintergrund

So wird gefeiert

70 Jahre Posaunenchor werden gefeiert in einem Bläsergottesdienst am 1. Advent (3. Dezember) um 10 Uhr. Gefeiert wird in dem Gottesdienst das 70-jährige Bestehen des Posaunenchors, der 1953 von Pfarrer Otto Albrecht in Diersburg gegründet wurde. Einziges noch aktives Gründungsmitglied ist Herbert Brasch. Die musikalische Leitung an diesem Tag hat Chorleiter Wolfgang Henninger.

Im Gottesdienst werden die Bläser neben der Eingangs- und Ausgangsmusik sowie den üblichen Chorälen auch noch weitere freie Stücke spielen. Heiko Petersen aus Offenburg ist der Landesposaunenwart der Badischen Posaunenarbeit der evangelischen Landeskirche Baden. Er wird verdiente Musikerinnen und Musiker ehren und der Verstorbenen gedenken. Antje Massa hält als Obfrau des Chors eine Kurz-Ansprache.

Im Anschluss an den Fest-Gottesdienst lädt die Kirchengemeinde im Namen des Kirchengemeinderats zu einem Empfang für alle Anwesenden ein, Friederike Wagner spricht als Vorsitzende des KGR.

Für die Feier hat Herbert Brasch einen großen, goldfarbenen Bilderrahmen gestaltet mit Fotos aus der Geschichte des Posaunenchors.

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