Hohberg - Hofweier

In Hofweier heimisch geworden

Michael Bayer
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
23. Oktober 2020

Lucien Mutzig feiert heute 70. Den Besuchern erklärt er mit Vorliebe die Schätze des Heimatmuseums. ©Klaus Krüger

Lucien Mutzig feiert heute den 70. Geburtstag. Er kam als junger Elsässer in den Ort, was nicht üblich war – so erlebte er etliche Skepsis. Jetzt ist er Vorsitzender des Historischen Vereins. 

Am Samstag, 24. Oktober, feiert Lucien Mutzig seinen 70. Geburtstag. „Die Arbeit als Vorsitzender des Historischen Vereins Hohberg und im Museum ist eine wunderbare Möglichkeit, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, Erinnerungen auszutauschen, bei uns ist immer etwas Interessantes geboten“, erzählt er. 

Gebürtiger Straßburger

Manchmal kommen Gruppen ins Museum und erklären ihm die Funktion der alten landwirtschaftlichen Geräte – er ist als gebürtiger Straßburger damit weniger gut vertraut. „Oft werde ich gefragt, wie ich als Elsässer dazu komme, mich mit der Hohberger Heimatgeschichte zu beschäftigen.“ 

Aufgewachsen ist Lucien Mutzig in der Robertsau im „Lauch“, den großen Gemüsegärten Straßburgs. Dort verlebte er eine unbeschwerte Kindheit. Die Muttersprache ist elsässisch. Ohne ein einziges Wort französisch zu sprechen, wird er in die „École maternelle“ aufgenommen und erlebt fortan eine strenge französische Disziplin. Im Elsass der Nachkriegsgeneration wird die elsässische Sprache und Kultur von amtlicher und politischer Seite komplett verdrängt! Im Unterricht und im Pausenhof sind Mädchen und Jungen bei Strafe strikt voneinander getrennt. Es ist verboten, Elsässisch zu sprechen. Nicht selten erhält der junge Lucien eine Strafarbeit: 100 X „Je ne dois pas parler l´alsacien à l´école!“ zu schreiben ich darf in der Schule nicht Elsässisch sprechen), um schließlich daheim von den Eltern im reinsten Elsässisch die Leviten gelesen zu bekommen.

Im Schatten des Palais de l´Europe erleben die jungen Leute hautnah, wie Europa wächst. Von einem zum anderen Tag müssen sie empört feststellen, dass das beliebte städtische Schwimmbad nur noch den Abgeordneten des Conseil de l`Europe zur Verfügung steht.  

Die Grenzen sind eng, das weckt die Neugier. Nicht selten schwimmen die jungen Elsässer über den Rhein, auf die andere Seite bei Auenheim. Die Dialekte ähneln sich sehr. Deutsche Zollbeamten drücken mehrfach beide Augen zu. Lucien Mutzig ist noch keine 20 Jahre alt, als er im Sommer 1970 in der Reisengasse in Hofweier aufschlägt – als junger französischer Berufssoldat (außerdem evangelisch), wird er in dem katholischen, politisch aktiven Haus mit großer Skepsis aufgenommen! 

Es ist die Zeit der vorsichtigen Annäherung an den französischen Erzfeind – mit dem deutsch-französische Freundschaftsvertrag in den Sechzigerjahren. Die historische Realität ist die deutsch-französische Grenze am Rhein, die sich in einer leidvollen Geschichte zur schier unüberwindlichen Barriere auch in den Köpfen der Menschen entwickelte.

- Anzeige -

In Afrika

So kommt es, dass er als junger Soldat zunächst am Horn von Afrika zwei Jahre Dienst tut. Zurück lässt er seine kleine gerade mal zwei Monate alte Tochter Ines und das üble Gerücht, sich verantwortungslos in die Fremdenlegion abgesetzt zu haben. 

In Hofweier werden erste Beziehungen zur elsässischen Partnergemeinde Eschau geknüpft. Die deutsch-französische Freundschaft entwickelt sich gut. So gestaltet sich auch die Rückkehr für Lucien Mutzig nach zwei Jahren Djibouti wesentlich angenehmer. Seit 45 Jahren lebt Lucien Mutzig nun in Hohberg und ist ununterbrochen und mit großem Idealismus in unterschiedlichen ehrenamtlichen Feldern tätig. Sein wichtiges Anliegen allerdings ist ihm die deutsch-französische Völkerverständigung, die er mit seiner Frau lebt und genießt. 

 Er trägt sein Herz auf der Zunge und ist für eine gute Unterhaltung immer zu haben. Es macht ihm Spaß, mit Menschen auf unterschiedliche Weise Kontakte zu pflegen. Dabei fühlt er sich ganz in seinem Element und seine überaus kommunikative Ader ist ein wichtiger Faktor im täglichen Miteinander in der Familie und im Vereinsleben. 

Sein Motto: „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt so ist, wie sie ist. Es ist aber deine Schuld, wenn sie so bleibt.“ Bei allen Widrigkeiten verliert er nie seinen Humor. 

Sein größter Stolz ist seine Familie, seine drei Kinder mit Partner und seine acht Enkelkinder, mit denen er so viel Zeit wie nur möglich verbringt. Jährlich eine gemeinsame Ferienwoche ist Ehrensache und da ist sogar auch der älteste Enkel immer mit an Bord. Zum Pflichtprogramm gehören historische Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung, das Hohberger Heimatmuseum und die Römersiedlung. „Gemeinsam etwas erleben, miteinander die Heimat erkunden und zusammen darüber nachdenken“, sagt er.  

An seinem runden Geburtstag am Samstag entführt er die Familie geschichtlich unter fachkundiger Leitung ins unterirdische Offenburg. Und wer Lust und Laune hat, kann am späten Nachmittag mit ihm beim Hohberger Heimatmuseum „in seinem zweiten Wohnzimmer“ wie er gerne betont mit einem Gläschen auf seinen runden Geburtstag anstoßen. 

Weitere Artikel aus der Kategorie: Offenburg

Den Reben zugeneigt ist auf dem Burda-Anwesen in Fessenbach ein weiteres Bauprojekt geplant. Das Bild stammt von der Einweihung des „Senatorre“.
vor 5 Stunden
Weiteres Bauwerk im Rebort
Mit dem im Volksmund "Münsterspitz" genannten Bauwerk "Senatorre" hat der Offenburger Verleger in den Fessenbacher Reben bereits eine viel frequentierte Attraktion geschaffen. Jetzt plant er auf seinem Anwesen in Fessenbach ein weiteres Projekt. Darum geht es.
Die Offenburgerin Kiana Taiari bei der Aufführung ihres Lieblingstricks mit einem Zauberwürfel. Ein Fingerschnipsen von ihr, und die Farben sind sortiert.
vor 6 Stunden
Sie zaubert für ihr Leben gern
Ehrgeizig arbeitet sie auf die Weltmeisterschaft hin: Die Offenburgerin Kiana Taiari (20) ist begeisterte Zauberkünstlerin. Die Kloster-Abiturientin hofft, ihr Hobby zum Beruf machen zu können.
„Nirgends in der Stadt passiert so viel Kriminalität wie hier“: Ein Offenburger prangert mit seinem Instagram-Kanal die Zustände am Offenburger Bahnhof an.
vor 7 Stunden
"Krass für eine Kleinstadt"
Haarsträubendes erlebt ein Offenburger täglich am Bahnhof. Auf seinem Instagramkanal mit 11.400 Followern zeigt er verstörende Videos. Er will damit warnen und fordert von der Polizei mehr Präsenz.
Laudator Herbert Oesterle zeigt die Druckplatten für Farb-Holzschnitte von Walter Eberhardt.
vor 9 Stunden
Bis 5. Januar
Ob im sakralen Raum oder an den Wänden im ersten Obergeschoss des Ortenberger Rathauses: Die derzeit zu sehenden Farb-Holzschnitte des einst in Gengenbach lebenden und in Herbolzheim schaffenden Künstlers Walter Eberhardt zeigen ihre Wirkung und Ausstrahlungskraft.
Vor der neuen Mensa: Hervé Grosjean (Akzente), Schulbürgermeister Hans-Peter Kopp, Ortsvorsteher Michael Rais, Baubürgermeister Oliver Martini (hinten, von links), Projektleiterin Gemma Fernández, Schulleiterin Stephanie Thurau-Huber und Architektin Michaela Neff (vorne, von links).
vor 10 Stunden
Schulmensa eingeweiht
Die neue Mensa in Elgersweier war dringend benötigt und ist nun fertiggestellt und eingeweiht. Knapp eine Millionen Euro Förderung gab es.
15 Jahre am Steuer: Juliane Weerenbeck, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks, wurde geehrt.
vor 12 Stunden
Bilanz
Juliane Weerenbeck, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks im Evangelischen Kirchenbezirk Ortenau, blickt auf 15 bewegte Jahre zurück und benennt die Herausforderungen der Zukunft.
vor 13 Stunden
Offenburg
Nach einem Vorfall am späten Donnerstagnachmittag am Zentralen Omnibusbahnhof in der Hauptstraße in Offenburg ist die Polizei auf der Suche nach Zeugen und im Besonderen nach einer jungen Frau.
Ausstellende Fotoamateure bei der Oberrheinmesse sind: Wolfgang Lucya, Vorsitzender Jörg Bongartz, Harald Häfele, Christian Möhle (stellvertretender Vorsitzender), Eli Pfaff, Wilfried Pflüger (Kassier), Stefan Bark, Peter Link, Peer Thelen und Manuel Sprock. Auf dem Bild fehlen Elisabeth und Werner Scheurer.
vor 14 Stunden
Ausstellung auf Oberrheinmesse
Die Fotoamateure Offenburg zeigen ihre Jahresausstellung „Heimweh – Fernweh“ auf der ­Oberrheinmesse Offenburg noch bis Montag, 3. Oktober, mit Bildern aus Offenburg und der Ortenau.
Schutterwälder Bürger konnten Vorschläge für die künftige Gestaltung der Ortsmitte vorbringen. 
vor 14 Stunden
Bürgerwerkstatt
Die Ortsmitte Schutterwald soll neu gestaltet werden. Dazu konnten Bürger nun Vorschläge einbringen. Größte Herausforderung: Soll der Veranstaltungssaal im „Alten Jakob“ bleiben oder verlegt werden?
Hubert Temme ist ein rüstiger 80-Jähriger.
vor 17 Stunden
Jubilar aus Zell a. H.
Der gebürtige Bottroper kam 1975 nach Zell und kennt inzwischen die Stadt und ihre Menschen besser als manch anderer. Der Jubilar war im Gemeinderat, macht Stadt- und Museumsführungen.
Auf ihre Premiere im Fessenbacher Gasthaus "Linde" freuen sich „Die Heizer“ – eine neue Band aus der Ortenau (von links): Klaus Günther (Gitarre), Clemens Litterst (Gesang), Bernd Spengler (Bass) und Moritz Litterst (Schlagzeug).
vor 17 Stunden
Samstag, 15. Oktober, in der "Llinde"
Am Samstag, 15. Oktober, spielt die neue Formation aus der Ortenau populäre und unbekannte Perlen des Deutschrocks in der Fessenbacher „Linde“. Es gibt an diesem Abend auch eine kleine Speisekarte. Diese gilt ab 18 Uhr bis zum Konzertbeginn.
Karl Bäuerle und Pfarrer Eberhard Murzko von der katholischen Pfarrei St. Ursula zeigen Flyer und Plakat für den „Weg der ­Religionen“.
vor 20 Stunden
"Religionen gehören zur Heimat"
Mit dem „Weg der Religionen“ wollen zehn Offenburger Glaubensgemeinschaften die ausklingenden Heimattage ab 3. Oktober mitgestalten. Wir stellen die zehn Teilnehmer in einer Serie vor.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Im neu eingerichteten Küchenstudio können die Kunden 40 Musterküchen in Augenschein nehmen.
    vor 2 Stunden
    4. bis 15. Oktober: Küchen-Service-Wochen bei Möbel Seifert
    Fünf Etagen, 5000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, Qualität zu fairem Preis und immer wieder Sonderaktionen – das ist Möbel Seifert in Achern. Aktuell rücken die Küchen in den Fokus. Im neu eingerichteten Studio gibt es ab 4. Oktober Sonderkonditionen beim Küchenkauf.
  • Claudio Labianca lädt zum verkaufsoffenen Sonntag, 9. Oktober, in Offenburg zum Streifzug durch die modernisierten Räume in der Zährigerstraße ein. 
    vor 2 Stunden
    Geschäfts- und Ausstellungsräume rundum modernisiert
    Das Klavierhaus Labianca in der Zährigerstraße in Offenburg präsentiert sich am verkaufsoffenen Sonntag, 9. Oktober, in neuem Glanz. Verkaufs- und Ausstellungsflächen wurden nach 17 Jahren von Grund auf modernisiert und neu strukturiert – es hat sich sichtbar gelohnt!
  • Das E5-Team vor dem Studio in der Offenburger Okenstraße 65. 
    vor 2 Stunden
    Wendepunkt: Für mehr Effektivität und Wohlbefinden im Leben
    Egal ob Rückenprobleme oder einfach mehr körperliche Fitness – wer rasche Erfolge erzielen möchte, für den bietet sich das EMS-Training im Studio von Simone Metz in der Okenstraße 65 in Offenburg an.
  • Modern, sicher, barrierefrei und zentrumsnah in Achern wohnen.
    vor 2 Stunden
    Attraktives Konzept: AcherApartments – Wohnungen fürs Alter
    Wir werden immer älter, bleiben dabei meist fit und gesund. Neue Wohnformen für die Generation 65plus sind gefragt. Und genau hier wird in Achern eine Lücke gefüllt. "Unser Konzept ist einzigartig in der Region", so Diplom Ingenieur und Architekt Michael Wilhelm.