Jobsuche für Flüchtlinge

Integrationsbeirat diskutiert über fehlende Sozialarbeiter

Autor: 
Sophia Körber
Lesezeit 3 Minuten
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20. April 2018

Dass Flüchtlingen, wie hier im Containerdorf am Südring in Offenburg, geholfen werden muss, stand im Integrationsbeirat außer Frage. Eingewanderte EU-Bürger sollen allerdings nicht darunter leiden müssen. ©Ulrich Marx

EU-Bürger, die nach Deutschland einwandern, kommen im Vergleich zu Flüchtlingen zu kurz. So lautete der Tenor von einigen Mitgliedern des Offenburger Integrationsbeirats in einer Sitzung am Mittwoch im Technischen Rathaus.

Evdoxia Tsatalnassidou ist mit fünf Jahren von Griechenland nach Deutschland, genauer nach Bühlertal, gekommen. Im Offenburger Integrationsbeirat hat sie am Mittwochabend den Verein Griechische Gemeinde Bühlertal und Umgebung  in ihrer Funktion als Vorsitzende vorgestellt. 

»Wir werden wahrscheinlich für immer hier bleiben. Wir möchten dennoch nicht unsere Kultur und unsere Sprache verlieren«, erklärte Tsatalnassidou. 1970 eröffnete eine griechische Schule in Bühlertal. In dieser seien die Kinder, parallel zum deutschen Unterricht, in Griechisch und Religion unterrichtet worden. »Auch in Offenburg gab es eine griechische Schule, mit der wir uns den Lehrer geteilt haben«, betonte sie. 2011 habe schließlich die Lehrerstelle nach Stuttgart abgegeben werden müssen, sodass es derzeit kein schulisches Angebot mehr gebe. 

Mittlerweile habe die Gemeinde Bühlertal den griechischen Einwanderern eine Kapelle zur Verfügung gestellt, die jetzt laut Tsatalnassidou fest in griechischer Hand ist. »Ich glaube, dass die Einwanderer aus EU-Ländern heute nicht mehr mit solchen offenen Armen empfangen werden.« 

Hilfe für Flüchtlinge

Tsatalnassidou ist der Meinung, dass es gerade für EU-Bürger schwer sei, in Deutschland zu Zeiten der Flüchtlingskrise Fuß zu fassen. Diese Meinung hat im Integrationsbeirat auf Zuspruch vonseiten der Mitglieder getroffen. »Die Flüchtlinge brauchen auch Hilfe, das ist selbstverständlich. Aber die eingewanderten Bürger aus der EU dürfen darunter nicht leiden«, sagte Violeta Nikolovska, Vertreterin des mazedonischen Vereins. 

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Es sei für alle Nationen, die damals nach Deutschland kamen, schwer gewesen, sagte Erdogan Akbay, Vertreter für die Offenburger mit türkischem Hintergrund. Der Grund: Es habe an Sozialarbeitern gefehlt, die auch die Sprache beherrschen. »Das ist auch heute noch so«, findet Tsatalnassidou. 

Der Verein unterstützt deshalb Neubürger. »Zuerst hat sich unser Verein auf Bühlertal beschränkt. Da die nächste griechische Gemeinde erst wieder in Karlsruhe ist, haben wir unser Gebiet aber ausgeweitet«, erklärte sie. Auch in Offenburg helfe sie griechischen Einwanderern beispielsweise in der Schulfindung. Regina Wolf, Geschäftsführerin des Integrationsbeirats möchte jetzt prüfen, ob Tsatalnassidou in den Beirat eintreten kann. 

Unter dem zweiten Punkt der Tagesordnung hat Peter Schneider-Berg das Netzwerk »Arbeit und Ausbildung für Flüchtlinge« des Projektverbands Baden vorgestellt, das neben Karlsruhe, Rastatt, Freiburg und Lörrach auch einen Standort in Offenburg hat.  »Unsere Zielgruppe sind geflüchtete Menschen mit Aufenthaltsgestattung, Duldung oder Aufenthaltserlaubnis, die wir individuell zu beruflichen und schulischen Möglichkeiten beraten, aber auch zu Weiterbildungen und Nachqualifizierungen«, erklärte der Projektkoordinator. 

Hilfe für Arbeitgeber

Das Angebot richte sich nicht nur an Arbeitssuchende, sondern auch an Arbeitgeber oder Agenturen. »Wir möchten die Mitarbeiter von Jobcentern schulen. Auch bei Arbeitgebern stehen wir als Ansprechpartner zur Verfügung und unterstützen bei ausländerrechtlichen Fragen.« Schneider-Berg treffe damit vor der Arbeitsagentur und der Kommunalen Arbeitsförderung (KOA) eine Vorauswahl, wo der Flüchtling arbeiten könnte. Jürgen Gießler (SPD) interessierte sich für die Abbruchquote der Teilnehmer. »Wir führen darüber keine Statistik, weil es auch sein kann, dass die Menschen nicht mehr kommen, weil sie anders einen Job gefunden haben. Allerdings liefert unsere Arbeit bislang sehr gute Ergebnisse«, lautete die Antwort.

Info

Kulinarische und interkulturelle Woche

Unter dem Motto »Vielfalt verbindet« sollen die diesjährigen interkulturellen Wochen vom 4. Oktober bis circa Mitte November in Offenburg stattfinden. Regina Wolf, Geschäftsführerin des Integrationsbeirats, appellierte in der Sitzung am Mittwochabend an die Mitglieder, sich einen Beitrag in Form von Vorträgen oder sonstigen Aktionen zu überlegen. Der russische Verein, vertreten von Oksana Solomchenko, ging mit gutem Beispiel voran und will  ein Konzert in der Offenburger Reithalle veranstalten. 
Im Juni und Juli soll es laut Wolf kulinarische Wochen geben, in denen Gruppierungen an Ständen samstags auf dem Wochenmarkt landestypische Speisen anbieten.

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