Mitgefühl und eindringlicher Appell

Interreligiöser Arbeitskreis äußert sich zur Gewalttat von Hanau

Autor: 
red/flo
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24. Februar 2020

Karl Bäuerle äußert sich zu Hanau. ©Regina Heilig

Anteilnahme am Schicksal der Angehörigen, aber auch Kritik an der Ausgrenzung von Muslimen und Verharmlosung von Verbrechen äußert der Arbeitskreis Interreligiöser Dialog Offenburg in einem Schreiben an den Hanauer OB. 

In einem Schreiben an den Oberbürgermeister der Stadt Hanau hat sich Karl Bäuerle im Namen des Arbeitskreises Interreligiöser Dialog Offenburg zu der Gewalttat am vergangenen Mittwoch geäußert. Das Schreiben richtet sich „an die Menschen von Hanau zum Gedenken an den Terroranschlag vom 19. Februar 2020“.

Bäuerle schreibt: „Wir Mitglieder des Arbeitskreises interreligiöser Dialog Offenburg möchten den direkt betroffenen Familien, Angehörigen und Freunden unser tiefes Mitgefühl über den erschütternden Anschlag auf das Leben ihrer Liebsten bekunden und fühlen mit ihnen Schmerz und Trauer.“ Und weiter: „Wir beten in allen unseren Religionsgemeinschaften für Sie. Unsere Gedanken sind in diesen schweren Tagen bei Ihnen. Unsere Gedanken sind auch bei der Stadtgemeinschaft von Hanau.“ 

Auch wenn das friedliche Zusammenleben der „bunten Bewohnerschaft“ von Hanau durch diesen Gewaltakt bedroht werde, zeige die Stadt der Öffentlichkeit, „dass Sie jetzt erst recht zusammenrücken über Nationalitäten und Religionen hinweg“. Dabei werde einer „dumpfen rechtsnationalen Ideologie“ die Würde eines jeden einzelnen Menschen entgegengehalten. „Respekt statt Hass“, resümiert Bäuerle.

Gegen aggresiven Ton

Gegenseitiger Respekt und „das gute Einverständnis miteinander“ würden im normalen Alltag dankbar hingenommen, „und plötzlich werden wir schmerzlich darauf gestoßen, dass sich friedliches Zusammenleben nicht von selbst auf die andern überträgt“. Es gelte, das Feld nicht denen zu überlassen, „die sich mehr und mehr trauen, sich laut und mit aggressivem Ton auf Straßen breit machen“, wie es in dem Schreiben heißt. „Von faschistoiden Politikern bestärkt, verwenden sie auch deren menschenverachtende Phrasen.“ 

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Seit mit dem Einzug der AfD in die Parlamente und „radikalen Montagsmarschierern“ unverhohlen „Ausgrenzung muslimischer Religionszugehöriger und pauschale Vorverurteilung von Migranten, Verharmlosung von nationalistischen Verbrechen und verkappter Judenhass propagiert“ würden, fühlten sich „Sinnesgleiche“ ermutigt, „ihre Hasstiraden weiterzutragen, „das Land nur noch als ihr Land zu betrachten und schließlich Verbrechen zu begehen bis hin zu brutaler Gewaltanwendung und Mord“.

Weiter heißt es: „Als Bürgerinnen und Bürger erkennen wir es als unsere gesellschaftliche Aufgabe, die teils feingewobenen rechtsnationalistischen Parolen als solche zu entlarven, friedlich aber entschlossen dagegen zu halten.“ Es gehe darum, „im eigenen Umfeld immer wieder für ein weltoffenes Zusammenleben aller Menschen unterschiedlicher Nationen, Kulturen und Religionen sichtbar einzustehen“. 

Die Gefahren und Vorzüge der Globalisierung müssten kontrovers diskutiert werden, „jedoch stets fair, ohne Überheblichkeit und Verachtung der Meinung anderer“. Im gegenseitigen Umgang sollte sich die Würde eines jeden Menschen widerspiegeln. „Diesem Anspruch versuchen wir auch mit unserem Arbeitskreis interreligiöser Dialog Offenburg gerecht zu werden“, so Bäuerle.

Achtung der Anderen

Auch hier müsse immer wieder die Aufmerksamkeit „auf die liebgewonnenen Selbstverständlichkeiten im Alltag“ gelenkt werden, „um rechtzeitig und aktiv unsere Achtung und Wertschätzung des Glaubens der Anderen öffentlich zu bekunden“. Die abschließende Folgerung: „Indem wir das tun, tun wir dies auch im Gedenken an Ihren Schmerz und in der Hoffnung, dass dies, was wir uns hier im Kreise von zehn Religionsgemeinschaften gegenseitig zugesagt haben, nämlich in all unserer Verschiedenheit friedlich in unserer Stadtgemeinschaft zusammen zu leben, auch nach außen wirken kann.“

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