Von der Bühne zur Leinwand

Junge Theaterakademie zeigt Kurzfilme

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05. November 2019

Freuen sich auf „Vision Demokratie“: Die Unterstützer und Akteure des Projekts „Baustein Demokratie“, die am 13. November sechs Kurzfilme im Salmen vorführen. ©Ulrich Marx

Die junge Theaterakademie Offenburg unter Regisseur Paul Barone zeigt am Mittwoch, 13. November, 19 Uhr, im Salmen mit „Vision Demokratie“ sechs Kurzfilme über Demokratie in Geschichte und Gegenwart. Die Stücke sind mit Schülern und deren Fachlehrern des Grimmmelshausengymnasiums und der Erich-Kästner-Realschule entstanden und sollen Basis für ein partizipatives Kulturarchiv sein.

Es ist ein Projekt, das noch bis zum Sommer 2022 laufen und in die Heimattage in Offenburg münden soll. Mit dem Bildungsprojekt „Baukasten Demokratie“ der Jungen Theaterakademie Offenburg, das im Schuljahr 2018 / 2019 begann, hat die Stadt Offenburg in Kooperation mit der VHS den Offenburger Schulen die Möglichkeit eröffnet, Kurzfilme zum Thema Demokratie in Geschichte und in Gegenwart zu drehen. Unter dem Titel „Vision Demokratie“ werden am Mittwoch, 13. November, 19 Uhr im Salmen, die ersten sechs Kurzfilme gezeigt, die Schüler und deren Lehrer am Grimmelshausengymnasium und an der Erich-Kästner-Realschule realisiert haben.

Dabei liegt der Fokus nicht nur auf dem Umsetzen vorgefertigter Inhalte über Demokratie, sondern auch auf dem Mitentwickeln des Stoffs, erklärte Projektleiter Paul Barone. „Uns ist die Partizipation an Demokratie wichtig. Wir wollen nicht nur etwas über Demokratie machen, sondern wir wollen sie auch leben und gemeinsam etwas schaffen“, so der Ansatz des Konzeptes, erläuterte Barone beim gestrigen Pressegespräch im Salmen.

Den Akteuren, die bei dem Gespräch dabei waren – Schüler und auch Lehrer –, merkte man die Begeisterung für das Projekt an. Zum Beispiel dem Grimmelsschüler Gregor Bauer (16), der bei zwei Kurzfilmen mit seiner Geschichtsklasse mitgewirkt hat und in einem Film Friedrich Hecker spielt. „Wir hatten richtig Spaß und haben auch etwas gelernt“, erzählte er. Mehr als vier Wochen hätten sie an den Drehbüchern geschrieben und die Dreharbeiten hätten viel Zeit in Anspruch genommen. „Das war zum Teil sehr schwierig während der Schulzeit.“ Aber da sie auch sehr perfektionistisch gewesen seien, hätten sie als Schauspieler sogar für eine Szene noch einmal zusätzlich geprobt.
 

Rädchen der Maschine

Auch Shekh Hanjol (14) und Natalie Ross (14) berichteten von viel Spaß, den sie gehabt hätten, aber auch von Anstrengungen. Was als ein Versuch auf Initiative ihres Geschichtslehrers Gereon Niekamp im Unterricht zum Thema Industrialisierung begann, mündete in den Film „Arbeit und Freiheit – eine choreographische Annäherung“. 

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Dabei nahmen die Schüler im Unterricht die Rolle von Maschinen ein und probten, immer das gleiche Geräusch und die gleiche Bewegung zu machen. „Die Idee war, zu erfahren, wie die Maschine das Leben der Menschen beherrscht“, sagt Niekamp. „Wie stumpfsinnig und langweilig, immerzu alles zu wiederholen, ein Rädchen der Maschine zu sein.“ Für die Achtklässler war es zudem eine eindringliche Erfahrung, sich am Tag des Drehs, als aus dem Versuch ein Teil des Projektes von „Baukasten Demokratie“ wurde, alle gleich anzuziehen und keine Gesichtsmimik zeigen zu dürfen.

Jörg Schürer, Geschichts- und Französischlehrer am Grimmels, ist sehr stolz auf das Ergebnis seiner bilingualen neunten Klasse. Szenen des alltäglichen Sexismus ergänzt durch Erklärvideos haben die Schüler dargestellt. Die Idee entstand bei einem internationalen Gedenktag in Straßburg zum Ende des Ersten Weltkrieges im November 2018. „Für den Film wurden auch Umfragen gemacht, die dann statistisch ausgewertet wurden“, berichtete Schürer. Auch an seiner Schule gebe es Kollegen, die sexistisch seien, habe die Auswertung gezeigt.

Möglich sei das Filmprojekt nur durch die großzügige Unterstützung der Regionalstiftung der Sparkasse und der Stadt Offenburg geworden, verdeutlichte Paul Barone. 25 000 Euro stellte die Sparkasse zur Verfügung und die Stadt sowie das Land übernahmen die Personalkosten, mit denen für Paul Barone ein Eindritteldeputat für „Baukasten Demokratie“ bei der VHS eingerichtet wurde. 

Für die technische Umsetzung arbeiteten die Akteure mit dem Hochschulstudenten für Medien, Zaid Ghasib, zusammmen. Für ihn sei es sehr wichtig, nicht  nur Unterhaltung zu produzieren, sondern Sachen mitzuteilen, „aber nicht als Produkt, sondern als Mensch“. Projektleiter Barone kennt den aus Jordanien stammenden Studenten von gemeinsamen Projekten der Kunstschule und habe seine Arbeit dort schätzen gelernt. „Die Schüler waren sehr dankbar, dass er mit seinem ganzen Herzen dabei war.“

Filmvorführung: „Vision Demokratie“, Mittwoch, 13. November, 19 Uhr, Salmen. Der Eintritt ist frei.

Das Bildungsprojekt „Baukasten Demokratie“ wird vom Land Baden-Württemberg gefördert. Die Filme, die bis zur Ausrichtung der Heimattage 2022 weiter realisiert werden und für die sich alle Offenburger Schulen bewerben können, sollen ein Teil eines partizipativen Kulturarchivs von Jugendlichen über das kollektive Gedächtnis und über die Grundlagen des Zusammmenlebens hierzulande sein, heißt es in der Broschüre zu „Vision Demokratie“. Nach dem Umbau des Salmen soll unter anderem dieses Archiv in den Räumlichkeiten der Gedenkstätte untergebracht sein. 

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