Frühjahrskonzert mit spritzigen Einfällen

Kammerchor Offenburg »besiegt« die Grippe

Autor: 
Gottfried Wiedemer
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
13. März 2018

Auch in Unterzahl ein Genuss: Das Konzert »Liebesleid – Liebesfreud« des Offenburger Kammerchors unter Leitung von Reinhardt Bäder im Schillersaal. ©Stephan Hund

Der Kammerchor Offenburg hatte am Wochenende mit der Erkältungswelle zu kämpfen, ließ sich aber davon nicht unterkriegen – im Gegenteil: Die verbliebenen Sänger legten bei den Aufführungen in Offenburg und in Lahr jeweils ein brillantes Frühlingskonzert mit vielen spritzigen Einfällen hin.

Im Programm  des Kammerchors lag ein Zettel,  einige Sänger seien wegen Grippe ausgefallen… Das war leicht untertrieben, denn statt 33 Sängern standen im Schillersaal nur 22 auf der Bühne, in Lahr am Sonntag sogar nur 19. Doch heldenmütig wie Theseus nahmen die Standhaften, auch unter ihnen noch Angeschlagene, den Faden der Ariadne auf und schafften die von Monteverdi komponierte Klage der kretischen Königstochter, das berühmte »Lamento«, in berührendem Sang. 
Möglich, dass eine komplette Besetzung Ariadnes Verwünschungen gegen Theseus – »Wolken, Stürme, Winde, versenkt ihn in diesen Wellen!« – noch wuchtiger, verzweifelter hinausgerufen hätte. Aber die Angst und Hilflosigkeit der Prinzessin, in der trotz der abgrundtiefen Enttäuschung ihre Liebe noch durchklingt, hat der Chor unter dem sensiblen Dirigat von Reinhardt Bäder lebendig erfühlt.

Ein besonderes Lob verdient die Zusammenstellung des Programms unter dem Titel »Liebesleid – Liebesfreud«. Die Vorschläge dazu seien von den Sängern selbst, von Christian Bormann (Schauspieler), dem Pianisten Manfred Kratzer und von ihm selbst gekommen, erzählte Bäder. Dann habe man in zwei Tagen Konzeptarbeit das Programm gebastelt. Die Lied- und Vortragsfolge sollte nicht durch Applaus unterbrochen werden. Schon recht – aber mancher Vortrag war so brillant, besonders das Notturno Nr. 3 von Franz Liszt und der spätromantische Zyklus von Gustav Jenner, in dem überbordende Lebensfreude, heimliche Liebe und Todesgrauen kontrastierten, dass die Hände nur schwer zurückzuhalten waren. Der Schlussapplaus war so stark – in Lahr sogar mit wiederholtem Getrampel – dass der Chor »Somewhere« aus der Westside-Story zugab.

Es begann wie eine Anthologie (Blütenlese) der Liebe – gestern und heute. Lieder aus der Renaissance von Orlando­ di Lasso oder von Gershwin, aus dem 16. Jahrhundert (Dowland, Bennett), eine Komposition von Debussy und eine von unserem badischen Landsmann Dieter Schnebel (Jahrgang 1930): eine Bagatelle für Klavier, bei der die Frauen die Melodie mitsummten. 

- Anzeige -

Auch beim Vortrag des Brecht-Gedichts »Morgens und abends zu lesen« blieb der Rezitator Christian Bormann nicht allein. Leicht versetzt flüsterten die Sänger den Text mit. Manfred Kratzer glänzte mit der Rachmaninoff-Paraphrase von Kreislers »Liebesleid«. Original und Bearbeitung wurden auch in der »Ungeduld« verbunden, als Kratzer die Schubert-Liszt-Klavierfassung spielte, nachdem Bormann den Wilhelm-Müller-Text recht dramatisch gesprochen hatte. 
 

»Nimmersatte Liebe«

Seine Kreativität erreichte den Höhepunkt, als er Wasser in ein Sieb goss, um Hugo Distlers »Nimmersatte Liebe« zu illustrieren. »Wer ist der Tor und will ein Sieb mit eitel Wasser füllen?« Dazu schrie er:  »Ich Idiot! Ich Idiot!« Leise zog er danach die Hörer mit Kästners »Sachlicher Romanze« in seinen Bann. Einem Ehepaar kommt nach acht Jahren ihre Liebe »abhanden wie anderen Leuten ein Stock oder Hut«, und am Abend können sie es »einfach nicht fassen«. Auf Berlinerisch spielte er den Treppenhaustratsch von Mascha Kaléko und leitete als Strohhut-Italiener Rossinis »Passeggiata« ein. Ein französisches Spottlied auf einen eifersüchtigen Hahnrei von Pierre Certon (1515-1572) leitete er mit den Eingangsworten »Ich sag’s nicht, ich sag’s nicht« ein und sauste wir ein aufgescheuchtes Huhn über die Bühne.

Und zum Schluss Konrad Seckingers »Hohelied«-Passage: »Lege mich wie einen Schmuck an dein Herz«, ein Werk, das den Chor ganz tief mit dem 2015 verstorbenen Seckinger verbindet, hatte er es doch selbst in einer Aufführung des Kammerchors noch erlebt. Ein überreiches Konzert, das einen die Zeit vergessen ließ.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Offenburg

vor 5 Stunden
Bündelung von Bauvorhaben
Die Verwaltung will mit einem Sammelverfahren für Bauvorhaben auf kleinen Flächen mit geringer Komplexität ein Programm auflegen, das Vorhaben bündelt. Einmal im Jahr soll dann eine gebündelte Vorlage zum Bebauungsplan-Änderungsverfahren vorbereitet werden.
vor 5 Stunden
Unikat spielte in der Reithalle
Mit ihrer Weihnachtsshow füllten Unikat und Freunde am Samstagabend die Reithalle: Die Songs zur Weihnachtszeit umfassten Traditionelles sowie lustige Schlager – dargeboten von der Band und dem Background-Chor, untermalt vom MC Ballett aus Zell-Weierbach.
vor 9 Stunden
Hornberger stellt im Werksverkauf der Zeller Keramik aus
„Die Goldhaube ist sensationell“, freute sich Ralf Müller, Geschäftsführer der Zeller Keramikmanufaktur, in seiner Begrüßungsrede zu einer Ausstellung von José Schloss, die am Samstag im neuen Werksverkauf in der Zeller Innenstadt eröffnet wurde.
vor 12 Stunden
Sitzung
Mit Jahresberichten der Kindertagesstätte (Kita) und der Technischen Betriebe Offenburg (TBO) war die Tagesordnung der öffentlichen Ortschaftsratssitzung in Waltersweier am vergangenen Dienstag schnell erledigt.
14.12.2019
Bürgerschaftliches Engagement
Die kleine Bücherei im Bühler Dorfzentrum: Bei einem geplanten öffentlichen Bücherregal in Bühl kommt bürgerschaftliches Engagement zum Tragen.
14.12.2019
Glosse von Otmar Hansert
Was ist richtig? Weihnachtsplätzchen? Springerli? Weihnachtstbackprodukte? Jahresendzeitgebäck? Natürlich Bredlii! Otmar Hansert schreibt in seiner aktuellen Kolumne über Weihnachtsgebäck. %
14.12.2019
Krippenausstellung im Museum
Unter dem Titel „Euch ist ein Kind geboren“ präsentiert das Museum im Ritterhaus in diesem Jahr wieder eine Krippenausstellung. In einer neunteiligen Serie stellen wir einige der schönsten Exponate vor. Heute ist die Krippe aus Ton von Rudi Rothenberger an der Reihe. Er hat als Kulisse das Kloster...
Nico Wacker (Mitte, weißes Hemd) Gerhard und Christa Sutter (Fünfter und Vierte von rechts) und ihr Sohn Gerry Sutter (Fünfter von links) vom Verein „Menschenliebe“ sind im August nach Uganda in Afrika gereist, um bestehende Einrichtungen in Augenschein zu nehmen und neue Projekte zu initiieren.
14.12.2019
Besser Bedingungen bei Wasser, Hygiene und Sanitär
Der Verein „Menschenliebe“ mit Sitz in Offenburg hilft seit 15 Jahren mit verschiedenen Projekten die Lebensqualität im zentralafrikanischen Staat Uganda zu verbessern. Dazu gehören Brunnen, Krankenstationen und Sachspenden. Im Sommer haben sich drei Vorstandsmitglieder die Situation vor Ort...
14.12.2019
Offenburger Weihnachtsmarkt
Die Eislaufbahn und der Offenburger Weihnachtsmarkt gehören zusammen. Seit 13 Jahren gibt es die Schlittschuhbahn unter freiem Himmel bereits. Besitzer Thomas Hein, der insgesamt 33 Bahnen bundesweit hat, zieht Bilanz. 
Ortsvorsteher Willi Wunsch (links) übergab zum Abschied Geschenke an Gemeindearbeiter und Hausmeister Josef Fey. Für Feys Frau Renate gab es Blumen.
14.12.2019
„Du hinterlässt große Fußstapfen“
Eine personifizierte Zell-Weierbacher Institution geht zum Jahresende in den Ruhestand. Zum dritten Mal diese Woche wurde Josef Fey am Mittwochabend verabschiedet, diesmal im Ortschaftsrat. 48 Jahre war er unter anderem bei der Gemeinde beschäftigt.
14.12.2019
Offenburg
Diese Woche flüstert OT-Lokalredakteur Florian Pflüger.
14.12.2019
Offenburg
Die Pläne zur Entwicklung der Oststadtschulen wurden im Schul- und Sportausschuss von allen Fraktionen gelobt. Sogar die Aufnahme eines Darlehens über zehn Millionen Euro fand Zustimmung. Doch es gibt ein großes Aber.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • a2 Metallbau Armbruster sucht Verstärkung im Team.
    12.12.2019
    Metallbauer und Projektleiter
    a2 Metallbau Armbruster in Oberwolfach gilt als Experte rund um Metall- und Edelstahlverarbeitung. Das Familienunternehmen hat sich mit seinen individuellen Lösungen im Schlosserhandwerk weit über das Wolf- und Kinzigtal einen breiten Kundenstamm erarbeitet. Die Metallspezialisten suchen...
  • 11.12.2019
    KF Kinzigtaler Fenster GmbH - Der Experte in Gengenbach
    Winter – die Tage werden wieder kürzer und dunkler, die beste Saison für Einbrecher. Gut, wer da sichere Türen und Fenster hat. Die KF Kinzigtaler Fenster GmbH in Gengenbach hat sich genau darauf spezialisiert und ist in der Region Experte für die Sicherheit zu Hause.
  • 10.12.2019
    Triberger Weihnachtszauber 2019
    Wenn die Weihnachtsmärkte schon abgebaut sind, lädt der „Triberger Weihnachtszauber“ vom 25. bis 30. Dezember zu einem romantischen Weihnachtsspektakel ein. Mehr als eine Million Lichter verwandeln den Schwarzwald an Deutschlands höchsten Wasserfällen in ein funkelndes Wintermärchen!
  • 09.12.2019
    Gravuren, Reparaturen, Anfertigungen
    Bei Juwelier Spinner dreht sich alles um Schmuck und Uhren. Aber nicht nur edle Accessoires lassen sich hier finden – es gibt auch einen ausgezeichneten Service mit vielen weiteren Dienstleistungen.