Biberacherin näht nach alten Schnittmustern von Burda-Moden

Katja Kastens lässt die Mode der 1950er-Jahre aufleben

Autor: 
Inka Kleinke-Bialy
Lesezeit 3 Minuten
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18. Mai 2019

(Bild 1/2) Schneidermeisterin Katja Kastens aus Biberach näht Kleider nach Vorlagen aus alten Heften von Burda-Moden. ©Inka Kleinke-Bialy

»Das macht echt wahnsinnig viel Spaß«, strahlt Katja Kastens ob ihrer neuen Leidenschaft: Sie lässt die stilvolle Burda-Mode der 1950er-Jahre wiederaufleben – mit Hilfe von Schnittmusterheften aus dieser Zeit. Mit Kleidern hat sie einen Anfang gemacht – und die sorgen für Furore.

Es war im Anschluss an die letztjährige Ausstrahlung des TV-Spielfilms über Aenne Burda, dass Katja Kastens ein Karton mit rund 30 Burda-Schnittmuster-Heften aus den 1950er-Jahren einfiel, den sie einstmals geschenkt bekommen hatte. »Da gehst du jetzt mal dran«, dachte sie – noch nicht ahnend, was in ihrem Schneideratelier in Biberach damit auf sie zukommen würde.

Schon alleine, weil auf den damaligen Schnittmusterbögen »ein wahres Durcheinander herrschte«: 40 Schnitte auf einem einzigen Bogen, dünne und dicke Linien, gestrichelt, gepunktet oder in den verschiedensten Kombinationen. Später zwar wurde es zweifarbig, aber auch dann muss Kastens die zu einem Schnitt gehörenden Linien »mit der Brille auf der Nase und der Lupe in der Hand zusammensuchen.«

Angesichts der Brüchigkeit des alten Papiers kann sie die Schnittteile nicht per Rädeln auf den Stoff übertragen. Muss stattdessen die Teile nachzeichnen und durchpausen. 

Im nächsten Schritt gilt es, die auf dem Schnittmusterbogen angegebene Größe in eine andere zu übertragen. »Die damalige Größe 40 ist heute nicht mehr aktuell«, so die Einundfünfzigjährige, die seit Jahren lithurgische Gewänder schneidert und Kirchenfahnen restauriert, »was früher Größe 42/44 war, ist heute 36/38!« Und weil die Frauen inzwischen größer sind als dereinst, kann sie sich auch nicht mehr auf die im Schnitt eingezeichneten Abnäher verlassen.

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Nerven gekostet

Überhaupt das Thema Abnäher: »Das hat mich echt Nerven gekostet«, gesteht die aus Hessen stammende dreifache Mutter lachend. Denn über die Jahrzehnte hat sich die Schnitttechnik enorm verändert, so dass die Schnittgestaltung, die Kastens im Zuge ihrer Ausbildungen in Industrie und Handwerk kennengelernt hat, eine völlig andere ist.

Während man heute gerundete Teile von vornherein in Form schneidet, wurden sie früher meist gerade geschnitten und mit einer Vielzahl von Abnähern sowie mit Fältchen und per Kräuseln diffizil in Form gebracht. »Das musste ich erst mal kapieren«, schmunzelt die Fachfrau angesichts kniffliger  Vorgehensweise und äußerst dürftigen Nähanleitungen.

Nach geeigneten Stoffen für die 1950er-Jahre-Kleider sucht sie oft lange, verwendet überwiegend Brokatstoffe. Deren Doppelgewebe ist fest und schwingt dennoch, überdies trägt es sich angenehm. »In den Kleidern hat man die Haltung einer Königin«, schwärmen die Models, die Kastens auf einer Modenschau auf dem Biberacher Ostermarkt zum Vorführen engagiert hatte. 

»Eine Frau strahlt in einem solchen Kleid«, sagt auch die Schneidermeisterin. Sie will diesen Stil, diese Kultur wieder hochleben lassen. Auf dass »Frauen wieder mehr Wert auf ihre Weiblichkeit legen und diese auch zeigen, indem sie Taille und Brust betonen und in schwingenden Röcken gehen.« Damit habe man als Frau eine gewisse Leichtigkeit. Blusen, Röcke und Mäntel aus den alten Burda-Heften will Kastens als nächstes nun in Angriff nehmen.

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