Offenburg

Keine Milde für geblitzten Feuerwehrmann

Bettina Kühne
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
10. Mai 2016
Mehr zum Thema

(Bild 1/2) ©Ulrich Marx

Weil er bei einer Fahrt zum ehrenamtlichen Feuerwehreinsatz zwei Punkte kassiert hat, zog Marco Dürr vor Gericht. Dort reduzierte Richterin Eva Weckert gestern den Strafbefehl auf einen Punkt.

»Ich höre, ich verstehe, aber ob es wirklich maßvoll war, ist noch etwas schwierig für mich«, sagte Richterin Eva Weckert, als ihr gestern der Fall geschildert wurde, der Marco Dürr zwei Punkte einbrachte. Der 31-jährige Kfz-Meister war am 6. Mai 2015 auf der Kinzigstraße unterwegs zu einem Feuerwehreinsatz, als er um 14.30 Uhr die städtische Laserpistole passierte. Das Gerät der modernsten Generation maß eine Geschwindigkeitsüberschreitung von 39 Stundenkilometern.

»Niemanden gefährdet«

»Es war ein eiliger Einsatz«, erklärte Strafverteidiger Bernd Stein aus Kassel. Der digitale Piepser, der den Offenburger Kameraden rund 600 Einsätze pro Jahr meldet, zeigte Rauchentwicklung im Hof der Rehawerkstätte der Lebenshilfe an. Dürr  ließ nach eigenem Bekunden im heimischen Betrieb alles stehen und liegen, machte sich durch den Dachaufsetzer auf seinen Privat-Pkw kenntlich und eilte zum Feuerwehrhaus. Unverzüglich, wie das Gesetz es vorsieht. Auf der geraden Strecke entlang dem Kinzigdamm fuhr er dann 89 statt der innerorts vorgeschriebenen 50 Stundenkilometer. »Ich habe niemanden gefährdet oder behindert«, betonte Dürr.

Anhand von Bildern stellte Anwalt Stein die Situation für Richterin Weckert nochmals dar, die die Örtlichkeiten »nur von Google« kennt. »Sportplatz und Schulzentrum werden von der anderen Straßenseite angefahren«, sagte Stein.

Der Anwalt erklärte überdies, dass Dürr seit seinem 18. Lebensjahr aktives Feuerwehrmitglied sei. Dürr steuert auch die Feuerwehrfahrzeuge. Zu schulden kommen lassen habe er sich dabei nie etwas.

Als Zeuge geladen war Stadtsheriff Norbert Kudlik, der die Laserpistole an diesem Tag für rund eineinhalb Stunden bei der Brücke aufgebaut hatte.  Einzelheiten – beispielsweise, ob zur fraglichen Uhrzeit Gegenverkehr kam oder nicht – konnte er nicht sagen: »Ich sehe erst hinterher bei der Auswertung den Messraum«, so Kudlik. Fakt ist nur: Von den 138 Fahrzeugen, die Richtung Freiburger Straße unterwegs waren, fuhren »einige relativ schnell«. Insgesamt rasselten 28 Autofahrer in den »Blitzer«.

- Anzeige -

Bestrafung »ungerecht«

Stein plädierte dafür, das Verfahren entweder einzustellen oder das Bußgeld auf 55 Euro zu reduzieren; dadurch würden dann auch die Punkte wegfallen. Die seien für Dürr nämlich das Entscheidende. Privat war er nie auffällig im Straßenverkehr. »Ich verspreche Ihnen, dass er nicht wieder hier bei Ihnen aufschlägt«, beteuerte Stein. Er empfand es als ungerecht, dass sein Mandant für einen ehrenamtlichen Dienst bestraft werden solle. »Da, wo ich herkomme, werden solche Verfahren eingestellt«, sagte der Kassler Anwalt.

Allerdings baute er weitere Treppchen. »Wir wollen keinen Präzedenzfall für die Fachmagazine schaffen«, betonte er. Und warum die 80 Euro mit zwei Punkten belegt seien, war für ihn auch nicht ersichtlich.

Richterin Weckert zog sich zunächst zur Beratung mit der Staatsanwaltschaft zurück, die einer Einstellung des Verfahrens allerdings genauso wenig zustimmen konnte wie sie selbst.
In seinem Schlussplädoyer strich Stein noch einmal heraus, das sein Mandant die Entscheidung zu treffen gehabt habe, ob er Menschenleben retten wolle – und sich deshalb entschlossen habe, sein Fahrzeug mit erhöhter Geschwindigkeit zu steuern.

Weckert blieb in ihrem Urteil beim Bußgeldbetrag von 80 Euro, reduzierte aber auf den dazugehörigen einen Punkt im Strafregister. Ein milderes Urteil oder gar eine Einstellung seien nicht verhältnismäßig.

»Wir haben ja so schon Probleme – und ein solches Urteil wird nicht gerade fürs Ehrenamt motivieren«, sagte Dürr nach der Verhandlung. Gerade die Tagesverfügbarkeit werde auch in Offenburg zunehmend zum Problem: »Irgendwann braucht man dann mehr Festangestellte, was letztendlich alle bezahlen müssen.« 
Dürr hat jetzt eine Woche Zeit, das Urteil zu akzeptieren oder Rechtsbeschwerde einzulegen.

Mehr zum Thema

Weitere Artikel aus der Kategorie: Offenburg

Baustellenbesichtigung: von links Wolfgang Jöckl, Britta Forcht und Freddy Hitz (alle Aldi-Süd), Bürgermeister Günter Pfundstein sowie Gabriele Behringer und Patrick Laye (Projektentwickler Laye GmbH). 
vor 3 Minuten
Markt der neuesten Generation
Der Rohbau des neuen Discounters in der Keramikstraße steht. Leistungsstarke Photovoltaik auf dem Dach dient später der eigenen Stromversorgung des Marktes. Bis zu 20 neue Arbeitsplätze in Voll- und Teilzeit entstehen.
Zum Finale des Reiherhexenballs baten die Moderatoren Tanja Roser und Andreas Kammerer alle Akteure auf die Bühne. 
vor 1 Stunde
Reiherhexen boten beste Unterhaltung in Biberach
Beim Reiherhexenball am Samstag in der proppenvollen Festhalle kam vom „Kreuz“ bis zu „Biberaue“ all das zur Sprache, was Biberach nicht mehr hat. „Wo ist eigentlich Donna Paletta“, fragte der Pate.
Im von Egon Eiermann entworfenen denkmalgeschützten ehemaligen Stahlbau-Müller-Gebäude sind bereits die ersten Mieter eingezogen. Am Montag wurde der Spatenstich für den Zwillingsbau gesetzt. Insgesamt werden neun Millionen Euro investiert. 
vor 2 Stunden
Offenburg
Am Montag wurde der Spatenstich für den Zwillingsbau des Stahlbau-Müller-Gebäudes gesetzt. Auf der anderen Straßenseite hat Investor Jürgen Grossmann mit dem "Nordtor" große Pläne.
Wir freuen uns über Narrentermine. 
vor 3 Stunden
OT-Narrenkalender in den Startlöchern
Der kultige OT-Narrenkalender informiert auch in diesem Jahr in der heißen Phase der Fasnacht über die Veranstaltungen im OT-Verbreitungsgebiet von A wie Altenheim bis Z wie Zell a. H. Die Narrenzünfte können uns jetzt ihre Termine schicken!
Auf dem Handy des Angeklagten wurden etwa 27.000 pornographische Bilder und Videos gefunden.
vor 4 Stunden
Offenburg
Ein 63-jähriger Offenburger hatte mindestens 14 kinder- und jugendpornographische Dateien auf dem Handy. Das Amtsgericht Offenburg hat ihn zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.
Viele Eltern wissen derzeit nicht, wo sie ihre Kinder unterbringen sollen, da die Kitas auf das fehlende Personal reagieren müssen. 
vor 10 Stunden
Plötzlich ohne Betreuung
Die Situation in Offenburgs Kitas spitzt sich weiter zu. Zwar sollen bald die ersten Pilot-Einrichtungen mit dem neuen Konzept der Stadt starten, aber kurzfristig werden für Monate Zeiten gekürzt.
Wenn die Sportfischer Hohberg am Niederschopfheimer Baggersee bewirten (wie hier am Karfreitag), sind die Bänke voll besetzt. 
vor 10 Stunden
Hohberg - Niederschopfheim
Die Hauptversammlung der Sportfischer Hohberg fand erstmals im Schützenhaus Niederschopfheim statt.
Schutterwalds früherer Pfarrer Anton Schmid urteilte über das erste Narrenblatt: „Zu akademisch“ – und erntete dafür den Zorn der Autoren. 
vor 11 Stunden
65 Jahre Narrenblättle
Seit 65 Jahren gibt's das Schutterwälder Narrenblatt. Ortshistoriker Clemens Nerrmann blickt aus diesem Anlasse auf die Anfänge des Narrenblättles zurück.
Die neue 22,5 Millionen Euro teure Edeka-Arena auf dem Areal der ehemaligen Fertighausausstellung befindet sich im Süden des Messegeländes. 
vor 14 Stunden
Einweihungstermin steht fest
Die Fasnacht und bereits erfolgte Buchungen gehen vor: Die 22,5 Millionen Euro teure neue Edeka-Arena wird erst später eingeweiht. Comedian Bülent Ceylan dürfte bei der Feier mitmischen. Dieser Termin ist vorgesehen.
Freudig feiern die Teilnehmer vom Stammtisch „La Table Ronde“ das 20-jährige Bestehen im Jugendcafé in Offenburg. Vorne in der Mitte: Initiatorin Marlies Pollet. 
05.02.2023
Offenburg
Der Offenburger Französisch-Stammtisch „La Table Ronde“ hat sein 20-jähriges Bestehen gefeiert. Schon über 400 Mal traf sich die Gruppe. Eines haben alle Teilnehmer gemeinsam.
Initiatoren und Gäste freuten sich über die Eröffnung der Zunsweierer Kletterwand (von links): Heike und Matthias Höfer, Rupert Krumhard (alle drei Vorstand TV Zunsweier), Ortsvorsteherin Monika Berger, Leonie Udri vom Sportamt Offenburg und Klettertrainer Richard Lehmann. Im Hintergrund wird schon geklettert. ⇒Foto: Jana Lunkenbein
05.02.2023
Kletterwand eingeweiht
Die Kletterwand in der Zunsweierer Turnhalle ist noch jung, wird aber schon intensiv in Beschlag genommen. Bei der offiziellen Einweihung wurde vor allem einer Person gedankt.
Nicht nur das Fasnachtsmuseum steht im Fokus des Ortenberger Museums- und Geschichtsvereins mit Gunther Seckinger (links) und Wolfgang Vollmer an der Spitze. 
05.02.2023
Museums- und Geschichtsverein
Der vor einem Jahr gegründete Museums- und Geschichtsverein Ortenberg ist mit seinen 45 Mitgliedern voll durchgestartet. Als größte Herausforderung steht die Sanierung des Alten Schulhauses auf der Agenda.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Rauchmelder sollten einmal im Jahr auf ihre Funktionstüchtigkeit geprüft werden. Diese Sorgfalt kann Leben retten, vor allem, wenn nachts ein Feuer entsteht und die Bewohner schlafen.⇒Foto: Martin Gerten/dpa
    05.02.2023
    Kreisbrandmeister Bernhard Frei lobt die Ortenauer. Sie würden meist die Rauchwarnmelderpflicht ernst nehmen. Er weiß, dass die kleinen Geräte schon öfters Schlimmeres verhindert haben.
  • Egal ob jung oder jung geblieben: Beim Line Dance kann jeder die Freude an Rhythmus und Bewegung entdecken. 
    27.01.2023
    Mit DanceInLine in Offenburg die Freude am Tanz entdecken
    In toller Gesellschaft Tanzen lernen – auch ohne festen Tanzpartner, dafür auch mal mit Baby. Das bietet Julia Radtke in ihrer Tanzschule DanceInLine in Offenburg an. Hier entdecken Junge und jung Gebliebene Teilnehmer die Freude an Rhythmus und Bewegung.
  • Die Kunden trainieren in den M.O.H.A.-Studios in Offenburg, Oberkirch und Haslach in moderner Atmosphäre. 
    27.01.2023
    EMS-Training in Offenburg, Oberkirch und Haslach entdecken
    Gesundheit, mehr Attraktivität, dazu Kraft- und Leistungssteigerung – und schnell sichtbare, spürbare und messbare Erfolge. Was unglaublich klingt, ist mit dem gezieltem EMS-Training bei M.O.H.A. an den Standorten Offenburg, Oberkirch und Haslach absolut möglich.
  • Vom Azubi bis zum Quereinsteiger: J. Schneider Elektrotechnik bietet viele  Karrierechancen.
    24.01.2023
    J. Schneider Elektrotechnik – Bewerben und durchstarten!
    Fachkräfte, Anlernkräfte, Quereinsteigende, Azubis: Die Bewerbertage bei J. Schneider Elektrotechnik in Offenburg am 3. und 4. Februar 2023 wenden sich sowohl an diejenigen, die beruflich neue Wege gehen möchten, als auch an Berufseinsteiger.