"German Doctors"

Kinderärztin Sandra Haghir half Kindern in Sierra Leone

Autor: 
Ines Schwendemann
Lesezeit 3 Minuten
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20. März 2019

(Bild 1/2) ©Peter Heck

Kinderärztin Sandra Haghir war für ein Projekt der Organisation »German Doctors« sechs Wochen im afrikanischen Sierra Leone. Neue Krankheitsbilder, eine hohe Kinder- und Müttersterblichkeit sowie das Thema Ernährung,beschäftigten sie vor Ort.

Sandra Haghir hat es schon immer ins Ausland gezogen. Nach dem Abitur verbrachte die heute 47-Jährige einige Zeit in Indien, während des Studiums nahm sie ebenfalls Auslandsaufenthalte wahr und vor zwei Jahren verbrachte sie ihren ersten ehrenamtlichen Einsatz als Ärztin unter dem Dach von »German Doctors« auf den Philippinen. Ende Dezember, drei Tage nach Weihnachten, lautete ihr nächstes Ziel schließlich: Serabu, Sierra Leone. 

Mit deutschen Standards könne die Klinik in Serabu nicht verglichen werden. »Es gibt nicht immer fließendes Wasser und viele Stromausfälle«, berichtet die Kinderärztin. Für dortige Verhältnisse sei die Ausstattung der Klinik jedoch nicht schlecht. »Jeder hat sein eigenes Bett, die Bettwäsche müssen die Patienten aber selbst mitbringen«, verrät Haghir. Bei einer vollen Station komme es durchaus vor, dass sich zwei oder drei Kinder ein Bett teilen müssten. 

Örtliche Heiler

Eine Herausforderung seien für sie die neuen Krankheitsbilder gewesen. Vor allem in der Regenzeit würde sich Malaria ausbreiten, weshalb die Station häufig überfüllt sei. Während ihres Aufenthalts, bis Anfang Februar, sei jedoch Trockenzeit gewesen. Auch Unterernährung und Wurmkrankheiten, sowie Kräutervergiftungen würden zu den Krankheitsbildern gehören, die es in Deutschland nicht gibt. »Viele Einheimische  gehen zu einem örtlichen Heiler, der ihnen Kräuter gibt, die bei Kindern zu Leberversagen führen kann«, erklärt Haghir. Als »German Doctor« sei sie zugleich Lehrende als auch Lernende. »Ich musste mich auch erstmal mit den neuen Krankheiten beschäftigen«, erklärt sie. 

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Problematisch sei auch die Baby-Nahrung, die unter anderem von Konzernen wie Nestlé verkauft werde. »Auf der Verpackung ist ein kerngesundes, weißes Baby. Die Mütter wünschen sich natürlich, dass ihr Kind auch so gesund ist und kaufen die Produkte«, sagt ­Haghir. Das Pulver müsse aber mit sauberem Wasser aufgekocht werden – und das sei beinahe unmöglich. »Die Kinder bekommen dann häufig Durchfallerkrankungen. Stillen wäre um einiges besser.« Wichtig sei, den Menschen vor Ort zu erklären, wie sie die heimischen Produkte sinnvoll verwenden können, damit es beispielsweise auch nicht zu Eiweiß-Mangel komme. »Sie brauchen eine Ernährungsberatung«, betont Haghir. 

Ein großer Unterschied zu Deutschland sei das Arbeitstempo in Serabu. »Die Menschen arbeiten viel langsamer, vielleicht ein Drittel der Geschwindigkeit in deutschen Krankenhäusern.« Vor Ort seien keine studierten Ärzte. »Sie machen eine dreijährige Ausbildung zum Hilfsarzt, die ist sehr praktisch und reicht für die Arbeit in Sierra Leone«, berichtet Haghir. Die deutschen Ärzte sollen die einheimischen Ärzte anleiten, damit sie das Krankenhaus irgendwann selbst verwalten können. »Das ist aber noch ein weiter Weg«, so Haghir.

Viele Kinder sterben 

»In Serabu gibt es unglaublich viele Kinder«, berichtet Haghir. Auf den Straßen sehe man kaum ältere Leute. Schwierig sei es besonders für europäische Ärzte zu akzeptieren, dass sehr viele Kinder sterben. Die Tropenkrankheiten seien sehr aggressiv, dazu komme Unterernährung und Hitze. Meist heiße es dann: »It’s Gods will.« Auch die Muttersterblichkeit sei »etwa 400-mal höher als in Deutschland«. Das Projekt habe sie Demut gelehrt: »Die Leute wissen oft nicht, wie gut es ihnen geht«, sagt Haghir.

Info

Sandra Haghir

Sandra Haghir lebt mit ihren drei Kindern in Offenburg-Zell-Weierbach. Die 47-Jährige ist seit 20 Jahren Kinderärztin, seit 13 Jahren arbeitet sie am Ortenau-Klinikum in Offenburg.

Hintergrund

Das Projekt in Serabu

»Bis 2002 herrschte in Sierra Leone Bürgerkrieg«, berichtet Sandra Haghir, bis 2016 wütete der Ebola-Virus. Etwa 80 Prozent der Frauen seien beschnitten, über das Thema werde aber nicht gesprochen. »Wir sind nur für die gesundheitliche Basisversorgung zuständig, aber es gibt Bestrebungen im Land, das zu ändern.« 
Das Projekt der »German Doctors« in Serabu gibt es seit 2010. »Jährlich werden in Serabu mehr als 15 000 Behandlungen vorgenommen«, heißt es von Seiten der Organisation. Die Aufgabe der deutschen Ärzte sei es, Patienten vor Ort zu versorgen, sowie die heimischen Fachärzte auszubilden. 

Weitere Informationen auf der Homepage: www.german-doctors.de 

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