Offenburg

Kirsch: Letzter Kühlschrank in Offenburg gebaut

Autor: 
Christian Wagner
Lesezeit 3 Minuten
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10. Juli 2017
Eine Ära geht zu Ende: Die Kirsch-Mitarbeiter und der geschäftsführende Gesellschafter Jochen Kopitzke (vorne links) präsentierten den letzten Kühlschrank, der am Standort Offenburg zusammengebaut wurde.

Eine Ära geht zu Ende: Die Kirsch-Mitarbeiter und der geschäftsführende Gesellschafter Jochen Kopitzke (vorne links) präsentierten den letzten Kühlschrank, der am Standort Offenburg zusammengebaut wurde. ©Ulrich Marx

Gestern wurde bei der Firma Kirsch der letzte Kühlschrank »Made in Offenburg« zusammengebaut. Nach 152 Jahren verlässt das Traditionsunternehmen die Stadt und nimmt ab Montag am neuen Standort in Willstätt die Produktion auf. Auf dem jetzigen Firmenareal an der Zeller Straße sollen Wohnungen entstehen.

Monteur Harald Bürkel schrieb gestern Vormittag ein kleines Stück Offenburger Wirtschaftsgeschichte. Er fertigte den letzten Kühlschrank der Firma Kirsch, die nach 152 Jahren in Offenburg in diesen Tagen nach Willstätt umzieht. »Gott sei Dank!«, meinte Bürkel: »Es ist dort einfacher zu schaffen, auch von der Hitze her, hoffe ich.«

Während Bürkel an dem letzten Kirsch-Produkt »Made­ in Offenburg« werkelte, lief um ihn herum der Umzug schon auf Hochtouren. Maschinen wurden abgebaut und auf Sattelschlepper verladen, darunter auch eine elf Tonnen schwere Abkantanlage. Seit Freitag ist der Umzug schon im Gange. Ab Montag soll die Produktion in Willstätt anlaufen, wo der geschäftsführende Gesellschafter Jochen Kopitzke 14 Millionen Euro in den neuen Firmensitz investiert hat.

Als er 2010 in die Firma eingestiegen sei, habe man wegen der beengten Lage an der Zeller Straße geplant, in zehn Jahren an einen neuen Standort umzuziehen. »Jetzt ist es eben etwas schneller gegangen«, sagte Kopitzke. Seit 2014 habe er sich konkret mit der Standortsuche beschäftigt, verschiedene Grundstücke angeschaut und auch die 80 Mitarbeiter in die Planungen eingebunden. Jetzt nach 152 Jahren aus Offenburg wegzugehen, sei nicht einfach, »aber es hat halt nicht sein sollen«.

Ein bisschen Wehmut

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Klar, dass bei dem ein oder anderen Mitarbeiter Wehmut aufkommt: »Einige sind über 40 Jahre hier, da hängen viele­ Geschichten dran«, sagte Kopitzke. Aber die Vorfreude überwiegt aus seiner Sicht: »Wir freuen uns auf das moderne Gebäude und darauf, dass wir räumlich nicht mehr eingezwängt sind und uns entfalten können.« Dafür ist es höchste Zeit, denn die Auftragsbücher sind laut Kopitzke randvoll. »Da kracht es richtig im Gebälk. Die Leute kommen mit dem Produzieren gar nicht mehr hinterher«, so Kopitzke. 

Am neuen Standort sollen die modernen Produktionsanlagen die Herstellung nicht nur erleichtern, sie ermöglichen auch kleinere konstruktive Umstellungen im Innenleben der Kühlschränke, durch die man bei den Geräten einen »Quantensprung« erzielen konnte, erläuterte Betriebsleiter Herbert Niebuhr. 
Den nächsten Quantensprung hat Kirsch bereits im Visier: Die Firma feilt an einem Kühlschrank, der mit einem Magnetsystem kühlt. Das wäre laut Kopitzke und Niebuhr eine weltweit einzigartige Innovation. »In ein paar Jahren« will man ein solches Gerät an den Markt bringen.

Wohnungen geplant

Dieses wird dann nicht mehr in Offenburg, sondern in Willstätt produziert werden. Auf dem Firmengelände in der Zeller Straße soll Wohnbebauung entstehen. Kopitzke will Ende des Jahres mit der Suche nach einem Investor beginnen und diesem dann das abgeräumte Grundstück übergeben. Die Verwaltungsräume in der Okenstraße will Kopitzke ertüchtigen lassen und dann vermieten.

Info

Das Unternehmen

Die Philipp Kirsch GmbH wurde 1865 in Offenburg gegründet. Sie beschäftigt 80 Mitarbeiter und erzielt 14 Millionen Euro Jahresumsatz mit der Herstellung von punktgenau arbeitenden Kühl- und Gefrierschränken für Krankenhäuser, Apotheken, Labore und Industrie.

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