Äußere Einflüsse entscheidend

Kleine Delle beim Tourismus in Oberharmersbach

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22. Februar 2024
Oberharmersbach wirbt mit Natur und Vespern um Gäste. 

Oberharmersbach wirbt mit Natur und Vespern um Gäste.  ©Tourist-Info

Oberharmersbach hatte 2023 einen Rückgang bei Ankünften und Übernachtungen, was mit der temporären Schließung des "Freihofs" zusammenhängt. 16.000 Besucher bei den "Weihnachtsfreuden".

Mit einem Minus schließt die Gemeinde Oberharmersbach das Tourismusjahr 2023 ab. Die Zahl der Gästeankünfte lag bei 22.152 und ging damit um 6,95 Prozent gegenüber 2022 zurück, die Zahl der Übernachtungen sank von 93.142 im Jahr 2022 auf 84.264 im vergangenen Jahr. Diese Zahlen gab die Leiterin der Tourist-Info, Jill Löffler, am Montag im Gemeinderat bekannt. Und Jill Löffler belegte, wie sehr Tourismuszahlen von äußeren Einflüssen und Ereignissen abhängig sind.

Im Falle Oberharmersbach waren diese sogar tragisch, denn der Rückgang der Zahlen hängt eng mit dem plötzlichen Tod von „Freihof“-Wirt Michael Pfundstein zusammen. Durch die vorübergehende Schließung des Betriebs standen 70 Betten im Hotel und in Ferienwohnungen nicht mehr zur Verfügung, was sich sofort an den Zahlen bemerkbar machte. Auch die Tatsache, dass es seit Juli 2023 im Wanderheim Brandenkopf bis heute keinen Pächter gibt, habe laut Jill Löffler zum Rückgang beigetragen. Für 2024 rechnet Jill Löffler mit einem Angebot von  insgesamt 936 Betten in Hotels und Ferienwohnungen.

Corona-Einbruch

Neben örtlich begrenzten Ereignissen gibt aber auch bundesweite, ja globale Einflüsse auf Touristik. Über viele Jahre lagen die touristischen Übernachtungszahlen in Oberharmersbach kontinuierlich über 100.000 im Jahr, oftmals sogar weit darüber. Der Ausbruch von Corona wirkte sich dann großflächtig negativ aufs Urlaubsverhalten der Menschen aus. In Oberharmersbach gingen Gästeankünfte und Übernachtungen dadurch drastisch zurück, der Tiefpunkt war mit rund 61.000 Übernachtungen 2020 erreicht. Als die Pandemie nicht mehr die Hauptrolle spielte, stieg auch wieder die Lust auf Urlaub. Mit  93.142 Übernachtungen bei 23.806 Ankünften näherte man sich 2022 wieder glänzenden Zeiten. Insofern schmerzt der aktuelle Rückgang, dessen Gründe natürlich nicht vorhersehbar waren. Inzwischen hat der „Freihof“ wieder geöffnet, wenn auch mit geringerer Bettenzahl.

Feste Größe im Ort

Trotz des einstelligen Rückgangs im Vorjahr bleibt der Tourismus in Oberharmersbach natürlich dennoch eine feste Größe im Ort. Die allermeisten Gäste kamen übrigens aus Deutschland zum Urlauben in die Gemeinde, hier wiederum zumeist aus Baden-Württemberg, gefolgt von Nordrhein-Westfalen. Rund 5100 Gästeankünfte aus dem Ausland gab es 2023, hierbei lagen Urlauber aus den Niederlanden ganz vorne, gefolgt von Österreichern.

Für Urlauber und Einheimische wurde im „Vesperdorf“ Oberharmersbach auch im vergangenen Jahr wieder ein abwechslungsreiches Programm geboten. Mit dem Thema „Vespern“ wirbt Oberharmersbach seit 2022 verstärkt um Gäste, die Marke soll rustikalen Genuss mit Erholung in der Natur rund um den Ort vereinen. Entsprechend findet sich „Vesper“ in zahlreichen Veranstaltungen übers Jahr verteilt wieder.

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Ein Höhepunkt im Berichtsjahr war sicher der 15. Geburtstag des „Hademar“-Natur-Erlebnispfads. „Der Waldwichtel ist längt zum Maskottchen für Familienausflüge und -urlaub in Oberharmersbach geworden“, stellte Jill Löffler fest. „Hademar“ sei aber auch für die Einheimischen immer präsenter und „für die Oberharmersbacher Kinder längst ein guter Kumpel“. 

Drei Seiten umfassten alle touristischen Angebote 2023, von vielen profitierten natürlich auch die Einheimischen, so etwa vom „Heimatsommer“. Das für die kleine Gemeinde große Programm soll natürlich auch in diesem Jahr fortgeführt werden. Dazu gehören auch die „Märchenhaften Weihnachtsfreuden“. Die waren im Dezember 2023 mit rund 16.000 Besuchern wieder bestens frequentiert. Obwohl die Gemeinde angesichts ihres klammen Haushalts  bei dieser weihnachtlichen Aktion schon eingespart hatte, bleib unterm Strich doch noch ein Defizit von 4400 Euro.

Mehrwert sechsstellig

Dieses Defizit relativierte Jill Löffler durch einen großen Mehrwert der Weihnachtsfreuden. „Rund 13.500 Besucher kamen eigens zu den Weihnachtsfreuden nach Oberharmersbach, davon sind 6750 Erwachsene, und ebenso viele Kinder. Untersuchungen belegen, dass jeder Erwachsene im Schnitt zehn Euro ausgibt, Kinder die Hälfte. „Das macht rund 100.000 Euro, die während der Weihnachtsfreuden irgendwo im Ort oder bei Vereinen ausgegeben wurden“, rechnete die Touristikerin vor. 

So sehr sich die Leiterin der Tourist-Info über den Erfolg der Weihnachtsaktion freute, so sehr schmerzte sie am Ende ihres Vortrags etwas. „Wir machen mit großem Engagement und Herzblut die Weihnachtsfreuden. Von den Besuchern bekommen wir viel Lob, aber intern, auch von Gemeinderäten, wird gemeckert“, klagte sie. Das sei nicht gerade motivierend. 

Zumindest am Montag im Gemeinderat gab es dann doch die Wertschätzung der Arbeit des Organisations-Teams. Bürgermeister Richard Weith bedankte sich ausdrücklich beim Team für seine Arbeit. Mit Blick auf den Sparkurs der Gemeinde räumte er ein, dass es Sachzwänge gebe, die auch demotivierend sein können. Insgesamt sah Weith den Tourismus in Oberharmersbach auf einem guten Weg.

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