Seilwinde aus den 1940er-Jahren restauriert

Kleinod ziert die alte "Backofenschmiede" in Nordrach

Autor: 
Inka Kleinke-Bialy
Lesezeit 3 Minuten
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07. Dezember 2018

Viel Zeit und Geduld haben Karl Oehler (von links) und Heinz Glatz ins Restaurieren der »Fläschelmaschine« investiert. ©Inka Kleinke-Bialy

Eine nun wieder ansehnliche Seilwinde aus den 1940er-Jahren schmückt nun den Eingang der historischen »Backofenschmiede« in Nordrach. Heinz Glatz brachte die Technik  in mühsamer Kleinarbeit in Gang, Karl Oehler kümmerte sich um alles Weitere.

Warum die nun frisch restaurierte Seilwinde »Fläschelmaschine« genannt wird, vermögen Heinz Glatz und Karl Oehler nicht zu sagen. Mit allem anderen aber kennen sie sich bestens aus – in den für die Hänge rund um das schmale Nordrachtal typischen Steillagen kamen Geräte wie diese einstmals zum Einsatz.

Die Männer erklären: »Alles, was in der Landwirtschaft von unten nach oben musste, hat man mit dem Seil von so einer Maschine nach oben gezogen.«  Hauptsächlich für Waldwegearbeiten der Gemeinde Nordrach dagegen wurde jenes Gerät verwendet, das in seinem nun wieder voll funktionsfähigen Originalzustand vor der historischen »Backofenschmiede« steht. 

Diese Schmiede, aus einem 1934 per Anbau erweiterten Backhäuschen entstanden, wird von Mitgliedern des örtlichen Schwarzwaldvereins unter der Obhut Oehlers betreut. In den 1940er- und 1950er -Jahren kam die »Fläschelmaschine« in Nordrach zum Einsatz, »als Kind habe ich das noch miterlebt«, erinnert sich der 68-Jährige. 

Schwergewicht

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Aus Eisen besteht das mit der beweglichen Achse rund dreieinhalb Meter lange Schwergewicht. Geschätzte 1200 Kilo bringt es auf die Waage, mit einem auf die Winde gewickelten 100-Meter-Drahtseil sind es eineinhalb Tonnen. Per Pferd oder Traktor wurde die Maschine auf ihren schwer gängigen Eisenrädern zu dem jeweiligen Einsatzort gezogen.

Nachdem sie Jahrzehnte lang nicht mehr gebraucht worden war, bot man sie Oehler 1991 als Museumsstück an. Den freut es ungemein, wie gut es gelungen ist, das Gerät für die Nachwelt zu erhalten. »So wie es hier jetzt steht – das ist für mich ein Traum.«

200 Stunden Arbeit

Dass dieser Traum wahr wurde, ist in erster Linie Heinz Glatz und dessen Können als Kraftfahrzeugmechaniker zu verdanken. »Seit ich in Rente bin, gehe ich an alte Sachen ran«, lacht der gleichfalls im Nordracher Schwarzwaldverein Aktive. Fasziniert von der Technik mit ihrem 400 Kilo schweren, benzinbetriebenen Verdampfermotor (Baujahr 1943), der die Seilwinde antreibt, investierte Glatz über eineinhalb Jahre hinweg mehr als 200 Arbeitsstunden. Kein Wunder, denn die Maschine stand stets im Freien. »Im Vergaser hatten sich über die Jahre hin Wespennester angesammelt«, lacht Glatz, »und ansonsten gab es nichts, was nicht vom Rost festgefressen war.« Ob ihn nicht irgendwann einmal der Geduldsfaden gerissen sei? »Nein«, wehrt er entschieden ab, »das ist ein Hobby von mir: alte Sachen, die andere wegschmeißen, wieder zum Leben zu erwecken.«

Zusätzliche 30 Stunden waren unter anderem fürs Sandstrahlen und Lackieren  erforderlich. Für Letzteres musste die Seilwinde auseinandergebaut und anschließend wieder zusammengesetzt werden. 
An den Gesamtkosten von knapp 2000 Euro beteiligte sich die Gemeinde mit einem Zuschuss.

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