Volksliederband entdeckt, der einst Jacob Grimm gehörte

Kultur-Krimi endet im Museum Gengenbach

Autor: 
Reinhard End
Lesezeit 3 Minuten
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17. September 2019

Dieses Volksliederbuch hielt auch Jacob Grimm schon in Händen. Der spektakuläre Fund hat nun im Museum Haus Löwenberg seine Heimat. ©Museum Löwenberg

Die »Wunderland«-Ausstellung im Museum Haus Löwenberg in Gengenbach verspricht reichlich Anlässe zum Wundern. Alles Wunderbare toppt aber nun ein fünfbändiges Werk, dessen Bedeutung erst jetzt entdeckt wurde. Es bezieht unter anderem den Märchensammler Jacob Grimm mit ein, eine große Schauspielerin und den Gengenbacher Otto-Ernst Sutter.

Das nun entdeckte fünfbändige Werk  führt von Mannheim über Berlin nach Gengenbach, ist zunächst ein sorgsam gehütetes Sammlerstück, landet dann auf dem Sperrmüllhaufen, wird dort entdeckt und kehrt nach 40 Jahren des Schlummerns im Bücherschrank ins Haus Löwenberg zurück.

 Kurator Reinhard End wird am Sonntag, 22. September um 16 Uhr im Rahmen seiner Sonderführung diesen abenteuerlichen Weg nachzeichnen.

Ein langer Weg

Um einen Überblick zu behalten, muss dieser Krimi der Kulturgeschichte der Reihe nach erzählt werden: 

1834 gibt Friedrich Karl Freiherr von Erlach ein fünfbändiges Werk heraus, eine »vollständige Sammlung der vorzüglichen deutschen Volkslieder von der Mitte des 15. bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts«. 
Verleger ist der Mannheimer Heinrich Hoff, ein wichtiger Vertreter der Freiheitsbewegung des deutschen Vormärz. Er druckte unter anderem die »Offenburger Forderungen« von 1847 und sorgte für die Verbreitung an andere Brennpunkte der 48er Bewegung. Kein Wunder, dass gegen ihn von Seiten der Obrigkeit ein Prozess wegen »Hochverrats und Pressevergehen« angestrengt worden war!

Anhand handschriftlicher Eintragungen ist erkennbar, dass der erste Besitzer dieses Werkes eine der bedeutendsten Gestalten deutscher Kultur- Geschichte war, nämlich Jacob Grimm. Das Werk war also Teil der Bibliothek von Jacob und Wilhelm Grimm und diente auch den Vorarbeiten für die Erstellung des deutschen Wörterbuchs der Gebrüder Grimm.

Nach dem Tod der Grimms wurde die gesamte Bibliothek vom preußischen Staat aufgekauft. Sie hat als Teil der Berliner Humboldt-Universität sogar alle Kriegsbelastungen überstanden und ist heute, direkt an der »Straße unter den Linden«, in einem imposanten Bibliotheks- Neubau als besondere Attraktivität untergebracht.

Finanzjongleur

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Offensichtlich: Das Werk gehörte, aus welchen Gründen auch immer, nicht zum Bestand des staatlichen Ankaufs, denn der nächste Besitzer der Volksliedsammlung war nachweislich ein schwerreicher Finanzjongleur: Der »Eisenbahnkönig« Bethel Strousberg kam 1855 nach Berlin. Hier widmete er sich dem Eisenbahnbau und dessen Finanzierung. 

Strousberg gelang es, die ständige Kapitalknappheit durch neuartige unternehmerische Ideen zu überwinden. In der »sozialen Frage« gehörte Strousberg zu den Pionieren seiner Zeit. Auf dem Höhepunkt seiner Erfolge als Eisenbahnmagnat brach sein Imperium im Jahre 1872  usammen. Sein sagenhafter Besitz, samt Bibliothek, wurde versteigert. 

Somit taucht als nächste identifizierbare Besitzerin Lina Carstens, eine Schauspielerin von Rang auf. 
Ihre künstlerische Karriere ist beeindruckend: Sie gehörte dem Leipziger Kabarett »Retorte«um den Schriftsteller Joachim Ringelnatz an, spielte unter anderem unter dem späteren Hollywood-Regisseur Douglas Sirk, stand neben Zarah Leander, Ilse Werner, Heinz Rühmann, Gerd Fröbe vor der Kamera und spielte die erste Mutter Courage auf einer deutschen Bühne.

Heimat Gengenbach

Was selbst in ihrer zeitweiligen Heimatstadt kaum gegenwärtig ist: Lina Carstens, von 1941 bis zu dessen Tod 1970 mit Otto Ernst Sutter verheiratet, war für etliche Jahre Gengenbacherin. Somit erklärt sich der Weg des Werkes in die Bibliothek des Gengenbacher Ehrenbürgers, des Ingenieurs, Journalisten und großen Anregers Otto Ernst Sutter. 

Nach dessen Tod und mit der Auflösung seiner Wohnung im Haus Löwenberg landete es auf einem großen Sperrmüllhaufen. 

Fund im Sperrmüll

Unmittelbar vor Abholung durch den städtischen Bauhof wurden die Bände mit den Volksliederns entdeckt und gesichert, allerdings ohne zunächst die wahre Bedeutung des Fundes zu ermessen.
 Dies geschah schließlich über die Entschlüsselung der handschriftlichen Eintragungen erst vor wenigen Monaten, gerade rechtzeitig, um der Wunderland-Ausstellung diesen spektakulären Fund hinzuzufügen.

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