Offenburg

Lächeln genügt als Dankeschön

Autor: 
Ursula Gross
Lesezeit 3 Minuten
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20. Dezember 2013

Gerhard Roßkopf von der Bahnhofsmission: »Ich freue mich, wenn ich anderen helfen kann.«

Sie versorgen liebevoll kranke Menschen oder helfen bedürftigen Kindern: In der Weihnachtsserie »Die gute Tat – Offenburger Helfer mit Herz« stellen wir Menschen vor, die in der Adventszeit Gutes tun. Heute: Gerhard Roßkopf von der Offenburger Bahnhofsmission.

Offenburg. »Zu Weihnachten Vertrauen in die Liebe und den Segen Gottes« wünscht sich Gerhard Roßkopf (75). Dieser anrührende Satz fällt in einer Umgebung, die trostloser und anonymer nicht sein kann: im Bahnhof, wo Roßkopf der am längsten amtierende Ehrenamtliche der Bahnhofsmission Offenburg ist. Wenn der Mann mit dem blauen Anorak auf den Bahnsteigen wartet, erhellen sich viele Gesichter der Reisenden. »Ich bin für Sie da« klebt als leuchtend orangefarbenes Logo auf der Jacke. Und das meint er auch so.
Die Ehrenamtlichen der Bahnhofsmission helfen Senioren und Behinderten beim Ein-, Aus- oder Umsteigen. Alleinreisende Kinder werden in Obhut genommen. Dieses Angebot heißt »Kids on Tour« und kann über alle Bahnhofsmissionen von Eltern angefordert werden. Dass Roßkopf als »Couch for Kids« fungiert, hätte er sich damals nicht ausdenken können, als er genau am 6. Juni 2002 sein soziales Engagement begann. Schüler nutzen den Raum, um auf den nächsten Zug zu warten und ihre Hausaufgaben zu erledigen. Im Winter gibt’s Tee, im Sommer kühle Getränke. Weihnachtsgebäck hat der Backwarenkiosk am Bahnhof gespendet.
Es sieht gemütlich im Missionsraum aus, ein elektrisches Kaminfeuer prasselt. Acht Ehrenamtliche und der Chef Rainer König sind im Schichtbetrieb an nahezu allen Tagen im Bahnhofsareal anwesend. Es gibt zu tun, meint Roßkopf verschmitzt. Bahnhof heißt Hektik, Krach, Stoßen und Rempeln. Kaum einer schaut hin. Zu der jungen Frau, die aus dem Leben scheiden will, auf Männer, die nirgendwo mehr einen Platz finden, auf Alkoholisierte, auf Bekümmerte, für die der Bahnhof Abschied von Träumen oder Familie bedeutet. Um Weihnachten herrschen wohl die erfreulichen Begegnungen vor. Ankommende mit viel Gepäck sind froh, wenn die Ehrenamtlichen helfen, es aus dem Zug hieven.
Die Mitarbeiter werden laufend geschult. Stadtplan,
Adressen vom Ursulaheim, die Hilfe vom  Service-Point der Bahn, des Krankenhauses oder der Polizei sind immer mit dabei. Eine für ihn enttäuschende Situation habe er in all den Jahren noch nie erlebt. »Man muss den Menschen annehmen, wie er ist«, philosophiert Roßkopf ein bisschen. »Ich gebe keine Ratschläge«, fügt er an, »denn Ratschläge können auch Schläge sein«. Man glaubt es ihm aufs Wort, denn der gebürtige Hesse hat eine unaufdringliche Art des Umgangs mit Menschen. Er frage auch nie »warum?«. Nur die Hausordnung setzt er konsequent um. In die Mission hinein kommen weder Alkohol, Zigaretten noch Tiere. Schön seien schon ein Dankeschön, ein Lächeln, ein Wiedererkennen, auch das gebe es oft.
Frau aus dem Irak-Krieg
Ob die junge amerikanische Soldatin noch einmal in Offenburg vorbeischaut, ist fraglich. »Sie kam direkt aus dem Irak«, erzählt Roßkopf, »stand auf dem Bahnsteig und suchte nach ihrer bislang unbekannten Verwandtschaft in der Ortenau.« Sie habe dann geweint, als ihr die Bahnhofsmission weiterhalf. Irgendwie ist keiner der Reisenden auf der Strecke geblieben, freut sich Roßkopf. Der ehemalige städtische Steuerbeamte aus dem Odenwald hat seinen Platz gefunden. Die Arbeit erfülle ihn, denn, »ich freue mich, wenn ich anderen helfen kann«.

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