Vortrag über Hope Bridges Adams

Leben einer Ärztin und Visionärin

Von Herbert Vollmer
Lesezeit 4 Minuten
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06. Oktober 2022
Professorin Marita Krauss hielt einen hochinteressanten Vortrag über Hope Bridges Adams.

Professorin Marita Krauss hielt einen hochinteressanten Vortrag über Hope Bridges Adams. ©Herbert Vollmer

Der 10. Nordracher Geschichtstag widmete sich diesmal Hope Bridges Adams, der Ehefrau von Otto Walther. Das Ehepaar hatte gemeinsam 1891 die erste Lungenheilstätte im Ort gegründet

Nordrach. Beim 10. Nordracher Geschichtstag beleuchtete die Professorin Marita Krauss eindrucksvoll das Leben und Wirken der Ärztin Hope Bridges Adams Lehmann. Fast fünfzig Besucher waren von ihrem Vortrag begeistert. Die Gemeinde Nordrach verdankt neben dem Arzt Otto Walther auch seiner ersten Ehefrau Hope, dass sie sich zu einem anerkannten Luftkurort entwickeln konnte.

Hope Bridges Adams wurde am 17. Dezember 1855 in Hallifort bei London geboren und ist dort aufgewachsen. Nach dem Tod ihres Vaters William zog sie zusammen mit ihrer Mutter nach Dresden. Hope wollte Ärztin werden, jedoch nahmen die deutschen Universitäten damals noch keine Frauen auf. So schrieb sie sich nur als Gasthörerin für Medizin zum Wintersemester 1876/77 an der Universität Leipzig ein.

An der Universität lernte sie auch Otto Walther aus dem sächsischen Limbach kennen, der zeitgleich Medizin studierte. Nach dem Abschluss des Studiums 1880 gelang es Hope, in der Schweiz und England zu promovieren und ihre Approbation zu erhalten.

Hope und Otto beschlossen zu heiraten und sich im Juni 1881 in Frankfurt niederzulassen, um dort eine Gemeinschaftspraxis zu betreiben. Nun kamen auch Kinder zur Welt,  Heinz 1884 und Mara 1886. Die beiden Partner hatten noch eine weitere Gemeinsamkeit, sie waren beide aktive Sozialdemokraten. Zu ihrem Freundeskreis gehörten wichtige Führer der Sozialdemokratie, darunter Wilhelm Liebknecht und August Bebel, dessen zentrales Buch „Die Frau und der Sozialismus“ Hope ins Englische übersetzte. 

Zuflucht in Ohlsbach

Während des Sozialistengesetzes geriet das Ehepaar erheblich unter Druck. Otto Walther musste damit rechnen, inhaftiert zu werden. Dies und die Erkrankung von Hope an TBC führten dazu, dass die Familie Walther 1886 Frankfurt verließ.

Mit Hilfe sozialdemokratischer Freunde fanden sie im liberaleren Baden Zuflucht auf der Brandeck im hinteren Ohlsbachtal. Hier erprobte das Ehepaar Walther ein neues Kurkonzept für die Behandlung von TBC: Viel frische Luft, Bewegung, sorgsame Schonung und Gewichtszunahme, mit Erfolg.                                        

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Nun reifte in den beiden der Gedanke, ihre Therapie in einer Heilstätte anwenden zu können. Sie fanden im Nordrachtal die alten, leerstehenden Gebäude der 1850 aufgelösten Glashütte und Blauwarenfabrik des Klosters Gengenbach vor. 1891 konnten sie ihre Lungenheilstätte eröffnen. Das „Walthersche Paradies“ lockte Patienten aus ganz Europa an.

Carl Lehmann, der schon auf der Brandeck zum Freundeskreis gehörte, wurde Verwalter der Heilstätte. Hope hatte wohl von Anfang an ein Faible für den kräftigen und lustigen Burschen, zehn Jahre jünger als sie, und förderte ihn nach besten  Kräften. 1890 begann er in Straßburg, Medizin zu studieren. Aus Sympathie wurde Liebe. 1895 kam die Scheidung,  Otto Walther heiratete wieder. Die junge Dänin Ragnhild Bajer, ehemalige Patientin und Tochter des späteren (1908) Friedensnobelpreisträgers Fredrik Bajer wurde seine Frau. 

In den Jahren ihrer schwierigen Ehesituation zwischen 1890 und 1895 schrieb Hope ihr umfänglichstes Werk: „Das Frauenbuch“, ein ärztlicher Ratgeber für die Frau in der Familie und bei Frauenkrankheiten.  

Hope und Carl zogen nach München, heirateten und eröffneten dort eine Gemeinschaftspraxis. Sie fanden bald Zugang zu verschiedenen Kreisen, die aus ihrer Verbindung zur Sozialdemokratie entstanden. Hope Bridges Adams Lehmann entwickelte in ihren Büchern, Aufsätzen und Vorträgen Entwürfe für das Zusammenleben von Mann, Frau und Kindern in einer zukünftigen Gesellschaft. 

Tod im Krieg

Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs meldete sich Dr. Carl Lehmann freiwillig als Frontarzt. Im April 1915 erhielt Hope eine schlimme Nachricht: Carl Lehmann hatte sich eine Blutvergiftung zugezogen. Sie eilte zu ihm, Carl Lehmann verstarb in ihren Armen. Hope bewahrte zwar ihre Haltung, brach aber innerlich zusammen. „Sie ist buchstäblich aus Gram nach Carls Tod gestorben“, schrieb Rosa Luxemburg.

Am 10. Oktober 1916 schloss Hope Bridges Adams-Lehmann, Ärztin und Visionärin, für immer ihre Augen.

Marita Krauss verstand es meisterhaft, das Leben und Wirken von Hope zu schildern. Die begeisterten Besucher applaudierten ihr am Ende des spannenden Vortrags. Der Vorsitzende des Historischen Vereins, Herbert Vollmer, überreichte ihr ein Körbchen mit Nordracher Spezialitäten. Er brachte noch einmal alle Themen der bisherigen Geschichtstage in Erinnerung und lud zu einem Glas Sekt ein.

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