Verwandlung ganz ohne Hexenkünste

Lehrer des Schiller-Gymnasiums inszenierten Goethes »Faust«

Autor: 
Susanne Kerkovius
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
20. November 2018

Szene aus der »Faust«-Inszenierung am »Schiller«: Faust (Patrick Hillenbrand-Detzer) mit Mephisto (Birgit Seitz). ©Wolfgang Reinbold

Faust, Mephisto und Gretchen: Die Figuren aus Goethes berühmten Werk sind bekannt. Doch die Schiller-Lehrer haben mit ihrer neuen, ungewöhnlichen Faust-Inszenierung überrascht.

Wie jetzt? In Goethes »Faust I« triumphiert die Liebe über die Hölle – trotz  Gretchens  tragischen Endes heißt es am Schluss von ihr, sie »ist gerettet«. So kommt es jedoch in der Neuinszenierung der  Lehrer-Theatergruppe unter Regisseurin Herta Haupt-Cucuiu nicht. Nach einer herzzerreißenden Kerkerszene, Tragödie »at its best«, umwerfend gespielt vom Gretchen Verena Huber, kommen die erlösenden Worte aus dem Himmel oder sonstwoher nicht. 

Immerhin bleibt der Urheber des Unglücks, Faust (toll gespielt von Patrick Hillenbrand-Detzer), neben der zum Tode Verurteilten, gezeichnet und mitgenommen, im Kerker sitzen (»Ich bleibe bei dir!«), flieht nicht wie im Original ins nächste Abenteuer. Ein Faust, der mal Verantwortung übernimmt, ein Paar auf Augenhöhe? Das wäre ja mal etwas ganz Neues, beißen sich doch gerade an der Ungleichheit dieses Paares die heutigen Menschen die Zähne aus. 

Aber stimmt es auch so? Da es ja keineswegs eine historisierende Aufführung ist (Dauer: gut eineinhalb Stunden) und einige Szenen gestrichen waren, die das spezielle weibliche Rollenkorsett vergangener Zeiten hätten andeuten können, bleibt hier etwas Unklares stehen. 

Jugendlicher Liebhaber

An anderer Stelle ist sehr einleuchtend und geistreich »eingespart« und modernisiert worden. Etwa bei Fausts Verwandlung vom muffligen älteren Gelehrten in einen jugendlichen Liebhaber, ganz ohne  Zauberei und Hexenkünste, nur mit einer ehefrauähnlichen »Das geht so gar nicht!«-Geste in Richtung Outfit vom weiblichen Mephisto (Birgit Seitz).  

- Anzeige -

Überhaupt Mephisto: Eine wunderbare  Idee, Gustav Gründgens endlich mal beiseite zu legen und die  Sache frisch anzupacken. Ein weiblicher Mephisto wirkt menschlicher, nachvollziehbarer – eben mal wie eine energische Ehefrau, dann wie ein Kumpel zum Abhängen, zeitweise wie eine echte  Vertraute. Umso wirksamer sind dann die echten Konfrontationen, in denen Tacheles geredet wird: »Wer stürzte sie ins Unglück – ich oder du?«

Birgit Seitz spielt witzig, ausdrucksstark, managt das Geschehen, kommentiert, und wenn es heiß hergeht wie in der lustigen Szene »In Auerbachs Keller«, singt und tanzt sie auch gerne mit. In dieser Szene spielten Kilian Lenhard (Schlagzeug), Andreas Müller (E-Gitarre) sowie Christoph Keppler und Alexander Neumann als etwas dümmliche Studentenband das Lied »Marmor, Stein und Eisen bricht«, zum Amüsement des Publikums. 

Eine weitere fetzige Szene wird von den Mitgliedern des Oberstufen-Tanz-Kurses geboten, die Walpurgisnacht-Stimmung verbreiteten. Höhepunkte sind auch die Szenen mit Frau Marthe Schwerdtlein (hinreißend: Anna Schlosser), wo es einiges zu lernen gibt über weibliche Tricks und Verführungskünste. 

Direktor auf der Empore

Die Schillerschüler freuten sich außerdem über ihren Schulleiter, Manfred Keller, ganz in Weiß als »der Herr« von der Empore herunter sprechend, und über Musiklehrerin Barbara Lutz als wissensdurstige Assistentin des Gelehrten Faust. 

Ein gewohnt schlichtes, aber sehr ausdrucksstarkes Bühnenbild (weiße Vorhänge, ein Spiegel, jede Menge alter Bücher auf dem Boden, ein großer Kleiderständer), einfache Kostüme in sprechenden  Farben (Gretchen in Rot, Schwarz und Weiß) lenken die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche. Am Ende gab es Beifall für eine insgesamt großartige  Leistung. 

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
vor 18 Stunden
Bars, Musik, Kostümprämierung
Schon siebenmal fand der Gammlerball in Kehl bislang am Schmutzigen Donnerstag statt. In diesem Jahr ist das anders. Erstmals wird in der Stadthalle am Fasnachtssamstag gefeiert. Neben DJ Vuko sorgen verschiedene Narrenzünfte und die Gammlerbänd Willstätt für die Musik. Mit der Terminänderung aufs...
13.02.2019
Manufaktur für orthopädische Leistungen
Sie tragen uns im Laufe unseres Lebens durchschnittlich 180.000 Kilometer – unsere Füße. FUSS ArT, die Manufaktur für orthopädische Leistungen rund um den Fuß, ist seit Anfang Februar 2019 in der Moltkestraße 30-32 in Offenburg am Start und bietet ihren Kunden ein umfassendes Leistungsspektrum und...
04.02.2019
Offenburg
Das Braun Möbel-Center bietet Wohnmöbel in vielen Formen, Farben und Materialien. Vom 7. bis zum 9. Februar findet auf dem Gelände die dreitägige Möbelmesse statt. Hier können die Kunden in verschiedenen Themenwelten die aktuellsten Wohntrends entdecken. Neben einem großen Sonderverkauf gibt es...
03.01.2019
Die eigene Firma zu gründen ist auch dank der Digitalisierung heute nicht mehr schwer – aber wie geht es dann weiter? Wie kleine und mittelständische Firmen erfolgreich werden, zeigen zwei Jungunternehmer bei einem Vortrag am 26. Januar in der Offenburger Oberrheinhalle.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Offenburg

vor 28 Minuten
Das Bürgerhaus wird geplant
Die Schutterzeller Einwohner sollen ein Bürgerhaus bekommen. 1,4 Millionen Euro stehen im Neurieder Haushalt 2019/2020 bereit. In der Ortschaftsratssitzung am Mittwoch im Rathaus wurde der Plan zur Umsetzung  vorgestellt. Das Gebäude soll am Freizeitgelände am See errichtet werden. Die Umsetzung...
vor 1 Stunde
Am Samstag in der Eishalle
Am heutigen Samstag veranstalten die Ice Freestyler Offenburg einen Eislaufkurs für Menschen mit einer geistigen Behinderung in der Freizeitarena. Zehn Teilnehmer können sich auf dem Eis ausprobieren. Das Offenburger Tageblatt hat mit Ice Freestyler Alessandro Nock über die Veranstaltung gesprochen...
vor 4 Stunden
Offenburg
OT-Lokalchef Christian Wagner flüstert, was diese Woche in der Stadt los war.
vor 5 Stunden
Einstimmiges Votum im Ortschaftsrat
In der Ortschaftsrats Sitzung am Mittwochabend gab das Gremium einen Empfehlungsbeschluss an den Gemeiunderat Biberach ab, im Ortsteil einen Naturkindergarten im Obertal 7/8  einzurichten. Bereits am Montag, 18. Februar, wird das Thema im Gemeinderat Biberach behandelt.   
vor 5 Stunden
Ortenberg
Die Vorbereitungen für den 17. Hermännle Obend laufen auf Hochtouren. Die Ortenberger Wirtefasent ist bereits über die Region hinaus zur Kultveranstaltung geworden. In sechs Gastro-Betrieben kann gefeiert werden. Die besten Kostümideen werden prämiert. 
vor 12 Stunden
Straßenfasent in Schutterwald problematisch
Die Pflumedrucker treffen die letzten Vorbereitungen für eine stilvolle Dorffasent. Das Narrendorf wird bunt verziert sein, für den großen Zunftabend in der Mörburghalle ist alles bereit. 
vor 13 Stunden
Kolumne
War früher alles schlechter? Umweltschutz etwa? Das kann man auch ganz anders sehen ...
vor 13 Stunden
625 000 Euro für eine bessere Versorgung
Einstimmig genehmigten die Gemeinderäte Baumaßnahmen der Gemeindewerke in Höfen. Insgesamt kosten sie 625 000 Euro, die Arbeiten sind dringend.
vor 14 Stunden
Artgerechtes Zuhause und Paten gesucht
Was ein Schweineglück: Vier ausgesetzte erwachsene Hängebauchschweine wurden in der Offenburger Tierherberge aufgenommen. Eine Sau kam mit einem süßen Geheimnis – die Gruppe ist um sieben niedliche Ferkel gewachsen. Das Tierheim-Team freut sich über Interessenten und Paten für die Schweine. 
vor 15 Stunden
Mehr geschenkt als eine Rose
Zum Valentinstag einmal mit Gott flirten – unter diesem Motto stand der Gottesdienst von Anna Manon Schimmel am Donnerstagabend in der Ichenheimer Kirche. Viele Besucher waren nach der Premiere im vergangenen Jahr wiedergekommen – auch aus der weiteren Region.
vor 15 Stunden
Anmelden für Mittwoch!
Jetzt ist die Jugend gefragt: Am Mittwoch, 20. Februar, findet von 8.30 bis 13 Uhr ein Jugendworkshop zum Thema Landesgartenschaubewerbung im Salmen statt. Hierzu lädt die Stadt alle interessierten Jugendlichen Offenburgs und der Offenburger Schulen zwischen zehn und 18 Jahren ein. Die...
vor 17 Stunden
Geschäftsjahr 2017/18
Nach dem schwierigen Jahrgang 2017 mit späten Nachtfrösten und hohen Ernteausfällen ist die Weinmanufaktur nach dem grandiosen Herbst 2018 wieder in der Erfolgsspur. Trotz schlechter Ernte konnte das abgelaufene Geschäftsjahr mit einer Umsatzsteigerung bilanziert werden.