Offenburg

Bewegende Theater-Premiere an den Kaufmännischen Schulen

Autor: 
red/pie
Lesezeit 3 Minuten
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12. Juni 2019

Schlusskonfrontation: Sophie Litterst, Ewald Kiricenko, Lukas Entgens, Mohammed Ramadan in der Diskussion. ©Schule

Mit einer Weltpremiere konnte die Theater-AG der Kaufmännischen Schulen Offenburg aufwarten. Zur Aufführung gelangte das Stück »Träum weiter«, das aus der Feder des Leiters der Theater-AG, Gökmen Utkubas, stammt. In dem Stück geht es um Fatima, die mit ihrer Familie aus Syrien flüchten musste und nun in Berlin lebt. 

Die junge Syrerin Fatima (Sophie Litterst), die wie ihre Eltern (Sara Rotundo und Burak Ertan) sehr liberal eingestellt ist, schafft es schnell, sich zu integrieren und Anschluss zu finden. Etwas, was ihrem Bruder Arif (Mohammed Ramadan) weit weniger gut gelingt. Frustriert von seinen Erfahrungen entgleitet er zusehends seiner Familie und beginnt, sich zu radikalisieren. Dementsprechend argwöhnisch beobachtet er die beginnende Beziehung seiner Schwester mit Sebastian (Ewald Kiricenko). Dieser stammt aus einer angesehenen Familie, bei der jedoch hinter der Fassade einiges im Argen liegt und gerade den weiblichen Figuren einiges zugemutet wird: die Großmutter (Luisa Heinrich) wurde ein Leben lang klein gehalten, die Mutter (Melissa-Maria Koch) wird jenseits ihrer Hausfrauenrolle kaum noch wahrgenommen und wird schlussendlich von ihrem Mann (Lukas Entgens) betrogen. 

Arif findet, dass auch Fatima zu gehorchen hat. Doch die Einmischungen vonseiten ihres Bruders Arifs lässt sich die selbstbewusste Fatima nicht gefallen. Die angespannte Situation eskaliert, als Arif erfährt, dass Fatima bei Sebastian übernachtet. Im Haus von Sebastians Eltern findet die Geschichte ihren tragischen Abschluss. Arif erschießt im Affekt Sebastians Vater und anschließend – sich hineinsteigernd, dass Fatima verantwortlich dafür sei, dass er zum Mörder geworden ist – seine Schwester. 

Viele Register gezogen

Gekonnt überführt das Stück dabei drängende aktuelle Entwicklungen und Prozesse auf die Bühne und demonstriert, welch tragische Entwicklungen möglich sind, wenn es nicht gelingt oder man auch nur zu lange wartet, die Samen der Wut, des Hasses, aber auch des Unverständnisses zu bekämpfen.  

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Dem aktuellen Thema angemessen zieht die Aufführung viele Register der zeitgenössischen Inszenierung. So wird das Handeln der Akteure mit Bildern und Filmen untermalt, die eindrücklich auf die Theaterbühne projiziert werden. Die Emotionen der Figuren werden mit Musik und visuellen Effekten plastisch vermittelt und fühlbar gemacht. 

Die Handlung selbst endet tragisch und verzichtet darauf, einfache politische Lösungen zu liefern. Die Monologe dagegen, die einzelne Figuren an das Publikum richten, verdeutlichen, mit welchen Werten die Katastrophe, die die Figuren im Stück ereilt, verhindert werden könnte: Achtung, Offenheit, Liebe und Vergebung. 

Begeisterte Zuschauer

Die Zuschauer zeigten sich begeistert von der Leistung der jungen Darsteller. Ein Beleg für die Authentizität des Stücks ist der Umstand, dass die Rolle von Fatimas jüngerem Bruder Karim von Mahmoud Mahmoud gespielt wurde, der selbst vor drei Jahren als Geflüchteter nach Deutschland kam und nun an den Kaufmännischen Schulen seine mittlere Reife ablegen wird. 

Er wie auch die anderen Darsteller füllten ihre Rollen durchweg mit mindestens so viel Herzblut aus wie Regisseur Gökmen Utkubas in die Ausarbeitung des Stückes gesteckt hatte – was in jeder Sekunde der aufwühlenden Materie zu erkennen war.

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