Hohberg

Lukas und die Pestilenz

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14. Mai 2020

Lukas, der Fiedler, und seine Freunde trotzen der Pest in der kleinen Stadt. ©Klaus Krüger

Zauberhaftes auf dem Zwischenreich von Traum und Wirklichkeit. In den märchenhaften Geschichten aus der Vorbergzone geht es heute um einen pfiffigen Fiedler.

Man schrieb das Jahr 1866 oder ‘77, als ein Hütejunge unter den Steinen der Burg Diersburg ein  seltsames Büchlein fand. Es war ganz abgewetzt und in Ziegenleder gebunden, aber unversehrt. Drinnen standen wilde Geschichte, die ein gewisser Freiherr Ferdinand von Spom geschrieben haben wollte. Niemand hatte seinen Namen je gehört, niemand ihn gesehen, aber die Geschichten geistern seitdem durch die Vorbergzone. Auch mir erschienen manche von ihnen im Traum. Ich überlasse sie Ihnen zu Ihrem Vergnügen…

In einer kleinen, längst versunkenen Stadt in der Vorbergzone lebte ein Musiker mit Namen Lukas, der Fiedler. Der spielte bei vielen Gelegenheiten: lustige Töne bei Hochzeiten, traurige bei Beerdigungen – davon lebte er ganz gut. Doch plötzlich kam die Pest. Mitten im schönsten August wurden die Menschen krank und starben. Der König riegelte die Stadt ab und ließ niemanden mehr heraus und hinein – die Menschen waren gefangen und verzweifelt. 

Am Geburtstag

Der Kaufmann Silberling starb als Erster. Am 13. August sollte er 40 Jahre alt werden und hatte schon Lukas, den Fiedler, für seine Feier engagiert. Doch als Lukas am 13. August zur verabredeten Stunde zum Haus des Kaufmanns kam, waren Türen und Fenster verrammelt. Zwei königliche Wachposten standen vor der Türe und verweigerten jedem den Zutritt. Und statt lustigem Lachen und Geschirrgeklapper hörte Lukas, der Fiedler, herzzerreißendes Weinen. 

Der Kaufmann Silberling war am Vorabend seines 40. Geburtstags an der Pest gestorben.

Scharlatane boten teure Pülverchen gegen die tödliche Krankheit an, Astrologen deuteten jedem einzelnen für säckeweise Gold, Silber und Schmuck die persönliche Zukunft. Und auf einmal gingen die Leute kleinen Stadt wieder eifrig in die Kirche und beteten – aber der liebe Gott hatte seine eigenen Pläne, die Pest ging ungebremst um. Viele starben. Wer Geld hatte, bestach die Wächter auf den Mauern, an den Toren und um die kleine Stadt herum und schlüpfte durch die Absperrung. So kam die Pest ins ganze Land.

Lukas, der Fiedler, ließ sich aber das Leben nicht verdrießen. Er und seine Freunde trafen sich jeden Tag und machten auf den Schlossruine in der kleinen Stadt Musik. „Was hilft es, traurig zu sein?“ sagte er immer, wenn die Leute der kleinen Stadt ihn fragten, ob er keine Angst vor der Pest habe. „Wenn der liebe Gott uns ins Himmelreich holt, dann holt er uns“, sagte er. 

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„Freuen wir uns doch über jeden Tag, an dem wir leben dürfen.“

Und es kamen immer mehr Menschen, die am Fuße der Burgmauern lauschten, die tanzten, aßen und tranken und die miteinander ihre Freude, aber auch ihre Sorgen und Nöte teilten. Das Seltsamste war: Aus dieser Gruppe starb niemand, keiner steckte sich an. Vielleicht war es die Freude, die sie am Leben hielt. Ganz anders diejenigen, die sich in ihren Häusern vor dem schwarzen Tod verstecken wollten.

Pest verschwindet

So schnell, wie die Pest gekommen war, verschwand sie ein paar Wochen später. Die Menschen öffneten zaghaft ihre Häuser, die Kirchen leerten sich wieder, die Scharlatane mit ihren Pülverchen und die Astrologen mit ihren Sterndeutereien zogen weiter in die nächste bedrohte Stadt. 

Zwei Tage später kamen Soldaten zur Holzhütte von Lukas, dem Fiedler – der Königliche Statthalter hatte Anklage gegen den Musiker erhoben. Er habe sich nicht an die Ausgangssperre gehalten und andere dazu ermuntert. 

Und außerdem stehe er mit dem Teufel im Bunde und habe in seinen Treffen am Fuße der Burg die Pest erst heraufbeschworen. Das war zwar gelogen, aber mancher der einflussreichen Leute in der kleinen Stadt behauptete das. Denn wie kam es, fragten die wichtigen Leute, dass Lukas und seine Freunde von der Pest verschont blieben und alle ihre Zuhörer – und so viele andere Bürgern starben? Der Königliche Statthalter wollte der Sache nachgehen und den Fiedler erst mal in den Kerker werfen und ihn dann streng befragen lassen. Vielleicht würde er ihn auch zwischendrin zu Tode foltern. 

Darauf hatte Lukas, der Fiedler, keine Lust. Er hatte von der geplanten Verhaftung Wind bekommen und war in der Nacht zuvor auf seinem Maultier heimlich aus der Stadt geritten. 

Der König hatte einen Tag zuvor die Wachen wieder abziehen lassen. Pech für den König. Und so brauchte Lukas, der Fiedler, nicht einmal Geld oder Goldmünzen, um seine Freiheit zu erkaufen. Er musizierte bald glücklich und zufrieden in einem anderen Ort – wo man ihn mehr schätzte als in der kleinen Stadt in der Vorbergzone.

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