Offenburg

Luxus-Hotel in alter JVA öffnet im Spätsommer 2017

Autor: 
Bettina Kühne
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
20. August 2016
Bildergalerie ansehen

(Bild 1/3) ©Ulrich Marx

Die Bauarbeiten im Hotel »Liberty« laufen auf Hochtouren. Bereits im Spätsommer 2017 möchte Direktor Marc Aeberhard das Luxus-Hotel im alten Gefängnis eröffnen. Den Gästen möchte er im Haus mit 38 Zimmern insbesondere einen individuellen Service bieten – und etwas Demut lehren.
 

Marc Aeberhard schüttelt den Kopf: Nein, keine Klischees. Weder im gestreiften Outfit noch in Tracht werden seine Mitarbeiter im künftigen Hotel im Knast herumlaufen müssen. Es wird etwas sein, was zum Gesamtbild passt und Atmosphäre schafft, sagt der 47-jährige Schweizer beim Rundgang durch das alte Gefängnis, das einmal Hotel »Liberty« heißen wird. Dort wird eben die Fassade abgestrahlt, feiner Sand sammelt sich auf dem Boden. Und auch im Inneren geht es voran: Die künftigen Zimmer und Suiten entstehen.
Zwei bis drei Zellen müssen meist zusammengelegt werden, damit die erforderliche Größe zusammenkommt. »In den Zimmern mussten wir aus Brandschutzgründen auch die Gitter von den Fenstern nehmen«, sagt der Hotelier. Zudem wurden, außer in den Bädern, die Fenster bis zum Boden heruntergezogen – immer unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes, der bei den Gebäuden aus den 1840er-Jahren natürlich ein Wörtchen mitzureden hat.

Energien umpolen

Das Schwierigste sind aber nicht Statik oder Denkmalschutz, die Herausforderung wird es sein, den Geist des Hauses zu drehen, meint der Projekt- und Hotelmanager: »Da sind schlechte Gefühle und schlechte Energien drin.« Das umzupolen, verlange Anstrengung. Er setzt aufs Interieur der auch künftig mit Holzplanken ausgelegten Hotelzimmer: »Da muss alles sitzen.«

Aeberhard will Gegensätze betonen: gefangen versus geborgen, drinnen und draußen, dicke Mauern, dünnes Glas und nicht zuletzt männlich und weiblich. »Es war ein Männerknast«, gibt er zu bedenken. Drum rückt er nun die Vestalinnen ins Zentrum, die römischen Hüterinnen des Herdfeuers: Ein großer Grill soll mitten im Restaurant stehen. »Darauf machen wir alles – Fleisch, Fisch, Gemüse«, sagt er. Und später am Abend, wenn die Küche geschlossen hat, soll da ein offenes Feuer lodern.

- Anzeige -

Bisher leitete Aeberhard Luxus-Hotels auf den Malediven oder den Seychellen. »Auch das Hotel im ehemaligen Gefängnis wird eine Insel«, sieht er Parallelen. Er jedenfalls will alles daran setzen, um eine Anderswelt für seine Gäste zu schaffen. Fürs Hotelleriegewerbe ist er gerade dabei, herauszufinden, wie Luxus heute eigentlich definiert wird. »Das ist nicht mehr die goldene Badewanne oder der riesige Kristallkronleuchter«, steht für ihn fest. Statt auf Bling-Bling setze »New Luxury« auf immaterielle Werte. »Zeit und Raum stehen dabei ganz vorne«, sagt Aeberhard und will natürlich genau das in seinem künftigen Hotel bieten.

Dass es klein ist, sieht für ihn nach Vorteil aus: Es kann nicht nur individueller gestaltet, sondern die Gäste können auch individueller betreut werden. »Frühstück gibt es, wann der Gast es will«, nennt er ein Beispiel. Warum sollte er seine Besucher da festlegen – an seinen bisherigen Stationen gab es Besucher, die wollten trotz Zeitverschiebung nach deutschen Rhythmus essen.

Demut lehren

Trotzdem hat Aeberhard eine Message: Demut. Auf den Inseln war es leicht, meist machte das Wetter besonders verwöhnten Gästen deutlich, wo ihre Grenzen sind. Doch auch in Offenburg wird das durch das Gebäude klar. Hier saßen schließlich nicht nur gewöhnliche Diebe, sondern auch die Freiheitskämpfer von 1847 ein.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Offenburg

vor 1 Stunde
Neue Technik in Offenburg
Kühl- und Heizdeckenelemente sollen im Zuge der Sanierung der Eichendorffschule verbaut werden. Das empfiehlt der Offenburger Haupt- und Bauausschuss in seiner Sitzung am Montag einstimmig dem Gemeinderat. Die erforderlichen Mittel in Höhe von rund 300 000 Euro müssten dazu zum Doppelhaushalt 2022/...
vor 1 Stunde
Nachruf
Der Fessenbacher Walter Ritter starb im Alter von 91 Jahren. Seine große Leidenschaft war die Musik: Mit seiner Tuba bereitete er in verschiedenen Kapellen den Menschen viel Freude.
vor 4 Stunden
Haushaltsvorberatungen in Ortenberg
Ortenbergs Gemeinderat befasste sich virtuell mit Anträgen zum neuen Haushalt. Das Gelände der ehemaligen Obstgroßmarkt-Halle weckt Begehrlichkeiten, auch für Wohnbebauung.
vor 14 Stunden
Digitalisierungschef stellte Modell vor
Rund 210 000 Euro für Serverinfrastruktur: Die Offenburger Stadtverwaltung stellt auf eine Citrix-basierte Technologie um und soll so vor allem für den gesteigerten Homeoffice-Bedarf gewappnet werden. Das sind die Gründe und so geht’s.
vor 14 Stunden
Gemeinderat Ortenberg tagte via Internet
Der Gemeinderat Ortenberg tagte virtuell – und erlebte die Tücken der Technik: Bürgermeister Markus Vollmer hatte ungewollt drei Minuten Sitzungspause.
vor 14 Stunden
Neuried
Hauptamtliche auf unterschiedliche Weise erreichbar
vor 15 Stunden
Bahnreisende können sich freuen
Am Bahnhof soll es eine deutliche Aufwertung geben: Die Sanierung der Nordunterführung ist vom Tisch. Stattdessen ist eine neue Querung mit direkter Anbindung an den Bahnsteigzugang Nord geplant. Die Details.
vor 15 Stunden
Ein ganz besonders "Loswerde-Ticket"
Ein Flaschenwurf auf die Lebensgefährtin brachte einen 50-jährigen Offenburger vor den Richterstuhl. Das Amtsgericht musste zwischen fahrlässiger und vorsätzlicher Körperverletzung abwägen. 
vor 15 Stunden
Neuried - Altenheim
Hohbergs Ehrenbürgerinnen und -bürger (7): Michael Bayer wurde 1946 als jüngster Bürgermeister Südbadens gewählt. Großes Engagement für den Wiederaufbau.
vor 16 Stunden
Einschnitte für Verkäufer möglich
In Bohlsbach soll „In den Matten II“ ein attraktives Baugebiet entstehen. Damit dies gelingt, sorgt die Stadt rechtlich vor. Der Haupt- und Bauausschuss gab seinen Segen dafür.
vor 16 Stunden
Nachruf
Der Ehrenkommandant der Bürgerwehr Unterharmersbach und langjährige Museumsleiter im Fürstenberger Hof starb im Alter von 78 Jahren. Ein Leben für Tradition und Heimat.
vor 19 Stunden
Das sagt der Offenburger Manfred Merker
Der Offenburger Historiker Manfred Merkel kritisiert erneut den städtischen Umgang mit dem Sensationsfund. Die Äußerungen von Kulturchefin Carmen Lötsch und Museumsleiter Wolfgang Reinbold bezeichnet er als „spätes Nachglühen. Die Stellungname im Einzelnen: