Offenburg

»Maria, jetzt werden wir abgeholt!«

Autor: 
Volker Gegg
Lesezeit 2 Minuten
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29. Oktober 2010
Foto: Repro

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Der Durbacher Gemeinderat gedachte mit einer Schweigeminute der am auf den Tag genau vor 70 Jahren nach Gurs verschleppten jüdischen Familie Bodenheimer. Sie betrieb in der Talstraße nicht nur eine Bäckerei, sondern war auch Mitbegründer des katholischen Kindergartens und in der Winzergenossenschaft aktiv.
Durbach. Bevor Bürgermeister Toni Vetrano am Mittwoch die Gemeinderatssitzung eröffnete, legte der Rathauschef zusammen mit dem Gemeinderat eine Schweigeminute ein. Auf den Tag genau vor 70 Jahren, am 27. Oktober 1940, wurden der Durbacher Bäcker Moritz Bodenheimer, seine Frau Rosa sowie die Tochter Elsa und Enkelin Bela gewaltsam abgeholt. Während das Ehepaar Bodenheimer in das Lager Gurs nach Südfrankreich deportiert wurde und dort ums Leben kam, konnten sich Tochter Elsa und Enkelin Bela auf noch unbekannte Weise in Straßburg absetzen. Zeitzeugin gefunden Ortschronist Josef Werner hat mit der heute 98-jährigen Maria Krämer, ehemalige Nachbarin der Bodenheimers in der Talstraße 33, eine Zeitzeugin ausfindig gemacht. Maria Krämer kann sich noch sehr gut an den 27. Oktober erinnern. »Ich lag damals nämlich gerade im Kindbett, weshalb ich auch nicht zur Nachbarsfrau gehen konnte. Wenige Minuten vor dem wohl angekündigten Abtransport rief Rosa Bodenheimer herüber – ›Maria, jetzt werden wir abgeholt! Wir müssen gehen!‹ – und verabschiedete sich dabei auch von der Nachbarschaft.« Laut Maria Krämer durften die Bodenheimers nur das mitnehmen, was sie direkt am Leibe trugen, »meines Wissens konnten sie aber noch ein paar Mark mitnehmen«. Bereits 1939 wurden die Bodenheimers von den Nazis in Durbach gezwungen, ihre Bäckerei in der Talstraße zu verkaufen. Trotzdem hat die Familie laut Recherchen von Josef Werner noch weiter gebacken, und die Nachbarschaft und einige wenige Kunden konnten auf diese Weise insgeheim weiter ihr Brot holen. Bereits längere Zeit vor dem Verkauf wurden die Kunden des »Judenbeck« von den Nazis kritisch beobachtet. Es ist laut Werner überliefert, dass Rosa Bodenheimer ihren Nachbarn einmal das Buch mit den Rückständen ihrer Kunden zeigte.Auch viele gestandene Durbacher standen bei der Familie in der Kreide. Rosa Bodenheimer gehörte übrigens zu den Mitbegründern des Durbacher Kindergartens 1914 sowie dem Durbacher Frauenverein. Obwohl sie Jüdin war, setzte sie sich für eine rein katholische Einrichtung ein. Rosas Schwager, Julius Bodenheimer, war in den Anfangsjahren der WG Durbach als Geschäftsführer tätig.

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