Gengenbach
Dossier: 

Martinimarkt in Gengenbach wegen Corona abgesagt

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24. September 2020

So groß wird der Martinimarkt in diesem Jahr nicht sein. ©Archivfoto: Helmut Krannich

Gemeinderat Gengenbach zieht aufgrund der aktuellen Corona-Lage die Reißleine: Der Traditionsmarkt mit 130 Ständen und Tausenden von Besuchern findet erstmals nicht statt. Als Ersatz gibt es aber immerhin einen kleinen Vergnügungspark.

Der Gemeinderat traf am Mittwoch eine Entscheidung, die sicher schwerfiel, aufgrund der Corona-Verordnungen des Landes aber wohl unumgänglich war: Der für den 11. und 12. November geplante Martinimarkt in der Innenstadt wird in diesem Jahr abgesagt. 

Mit dieser Entscheidung sind auch alle Überlegungen vom Tisch, den Markt doch noch irgendwie abzuhalten, sei es in abgespeckter Form oder auf dem Parkplatz der Kinzigtalhalle. Sogar über eine Online-Buchung für den Eintritt zum Markt hatte die Verwaltung nachgedacht. 

Mehr als 500 sogar bei Regen

Die Corona-Verordnung, Großveranstaltungen nur bis zu 500 Teilnehmern und dann unter Einhaltung alles Infektionsschutzvorgaben zu erlauben, hing wie ein Damokles-Schwert über Gengenbachs Traditionsmarkt. Denn eins war wohl allen klar: Die Zahl von 500 Teilnehmern überspringt der Markt sogar bei Regenwetter. 

In der Regel tummeln sich besonders in den Abendstunden Tausende von Besuchern zwischen den rund 130 Marktbuden. Abstandsvorgaben oder gar eine Kontaktnachverfolgung wären in der ursprünglichen Form des Marktes sicher nicht möglich.

Michael Götz, Leiter des Bürgerservices der Stadt, befürchtete angesichts der derzeit steigenden Infektionszahlen sogar, dass Baden-Württemberg die erlaubte Zahl von 500 Teilnehmer noch nach unten korrigieren könnte. Alles in allem also schlechte Voraussetzungen für Gengenbachs ältesten Markt, der schon seit rund 1000 Jahren besteht.

Alternativen erwogen

Die Verwaltung hatte auch Alternativen zum „großen Markt“ in der Innenstadt durchgespielt und -gerechnet. Würde man beispielsweise auf den Parkplatz der Kinzigtalhalle ausweichen, wären rund 300 Meter Bauzaun, rund 150 Meter Stromzuleitung und Personal für die Zugangskontrollen notwendig. Unterm Strich würden rund 11.000 Euro zusätzliche Kosten entstehen. „Fraglich ist, ob eine solche Form des Martinimarktes ohne wirklichen Festcharakter überhaupt Anklang finden würde“, betonte Götz. 

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Die Diskussion im Gemeinderat fiel angesichts der deutlichen Ausgangslage recht kurz aus. Karl Heinz Claassen, der später wie auch Reinhard Bischler (beide FW) gegen die Absage stimmten, verteidigte das Abhalten des Markts. Die Veranstaltung finde im Freien statt und vor jedem Stand werde es kaum 500 Leute geben, meinte er. „Schon am Museumssonntag waren mehr als 500 Leute in der Stadt“, warf er ein. „Bei Krämermärkten zählt die Gesamtmenge“, erläuterte Michael Götz die Rechtslage. Auch Claassens Hinweis auf den Bauernmarkt, der ja auch regelmäßig stattfinde, hielt als Argument nicht stand. „Diese Märkte sind von jeher privilegiert, da es um die Grundversorgung geht“, so Götz.

Gengenbach steht mit der Absage des Martinimarktes übrigens nicht alleine da. Inzwischen wurde auch der Seelbacher Katharinenmarkt abgesagt, der Martinimarkt in Ettenheim steht ebenfalls fauf der Kippe. Michael Götz führte als Beispiel  auch das Harmersbachtal an, wo in diesem Jahr an vier Orten die Kilwi abgesagt wurde. Auch diese Volksfeste haben große Jahrmärkte, die in diesem Jahr coronabedingt nicht stattfinden konnten. „Wir haben es überlebt“, konnte sich Götz die Bemerkung nicht verkneifen, wohnt er doch in Unterharmersbach, wo Jahr für Jahr der größte Jahrmarkt ist.

Immerhin: Auto-Scooter

So ganz ohne Festivität müssen die Gengenbacher im November aber nicht auskommen. Das Schausteller-Unternehmen Hahn wird mit seinem Vergnügungspark an den Wochenenden 6. bis 8. November und 13. bis 15. November auf den Marktplatz kommen. Der Spaß mit Boxauto und Co. wird allerdings auch im Zeichen der Corona-Sicherheit stehen: Es gibt Maskenpflicht und Abstandsgebot, das kontrolliert wird. Das Gelände wird auch abgesperrt, es gibt eine Einlasskontrolle. 

„Es ist ein kleines Zugeständnis an Kinder, Jugendliche und Familien“, sagte Bürgermeister Thorsten Erny. Wohlwissend, dass es kein Ersatz für den Flair des Martinimarktes sein kann.

Bei zwei Gegenstimmen beschloss der Gemeinderat, der fast schon symbolisch wegen der Coronavorgaben in der weitläufigen Kinzigtalhalle tagte, den Martinimarkt in diesem Jahr abzusagen. Ob dieses Schicksal auch den Adventsmarkt ereilen wird, könnte sich am Montag entscheiden. Dann hat Gengenbachs Bürgermeister eine Sitzung mit dem Veranstalter, dem Adventskalenderverein.

 

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels konnte der Eindruck entstehen, dass der Martinimarkt lediglich verkleinert wird. Das ist jedoch falsch. Wir bitten das Missverständnis zu entschuldigen. (ba)

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