Offenburg

Mehr als 300 Suchtkranke: SPD Offenburg im Dialog

Redaktion
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03. April 2024
Die SPD im Dialog "Sucht, Obdachlosigkeit und Cannabis-Legalisierung" (von links): Sebastian Henties, Martha Ohnemus-Wolf und Oliver Kaiser.

Die SPD im Dialog "Sucht, Obdachlosigkeit und Cannabis-Legalisierung" (von links): Sebastian Henties, Martha Ohnemus-Wolf und Oliver Kaiser. ©SPD Offenburg

Bei "SPD im Dialog" haben die Referenten das Für und Wider der Cannabis-Legalisierung abgewogen. Auch Sucht und Obdachlosigkeit in Offenburg waren Thema.

Sucht, Obdachlosigkeit und die Legalisierung von Cannabis waren Thema bei „SPD im Dialog“ vergangene Woche im Familienzentrum Innenstadt. Oliver Kaiser, Geschäftsführer des Landesverbandes für Prävention und Rehabilitation sowie die Offenburger Fachstellenleiterin BWLV Sucht, Martha Ohnemus-Wolf, referierten laut einer Pressemitteilung der SPD Offenburg auf Einladung von Sebastian Henties und des SPD-Ortsvereins Offenburg.

„Auf Themen wie Sucht und Obdachlosigkeit aufmerksam zu machen, liegt in der DNA der SPD“, sagte Henties, Vorstandsmitglied und SPD-Kreistagskandidat, in seiner Begrüßung.

Entkriminalisierung

Weiter heißt es in der Pressemitteilung, dass beide die neue Regelung zur Freigabe von Cannabis beschäftigt, und beide sowohl positive wie negative Aspekte sehen. Der Grund für die Freigabe unter strengen Gesichtspunkten sei das Scheitern der Drogenpolitik in Deutschland, erklärte Oliver Kaiser. Rund 4,5 Millionen Menschen im Alter zwischen 18 und 64 konsumierten Cannabis, acht Prozent der 12- bis 17-Jährigen. Strafandrohungen hätten somit keinen Einfluss auf die Prävalenzrate. Als positiv würden Kaiser und Ohnemus-Wolf den Aspekt des verbesserten Gesundheitsschutzes und die relative Entkriminalisierung betrachten.

Gefährlicher Schwarzmarkt

Die Freigabe bis 25 Gramm Cannabis (Besitz und Mitführen) für Erwachsene sowie das Recht auf Eigenanbau (drei Pflanzen für Erwachsene) könnten den Schwarzmarkt zurückdrängen, auf dem oft genug Cannabis mit fragwürdigen Inhaltsstoffen verkauft werde. Verboten sei aber nach wie vor die Weitergabe an Kinder und Jugendliche, die Strafen bei Nichtbeachtung der Verbote seien erhöht worden.

Das Gesetz sei daher gut gemeint, doch für die Experten war die Frage nicht geklärt, wer die Einhaltung der sehr detailliert ausgeführten Regelungen kontrollieren soll und wie, heißt es in der Mitteilung weiter. Andererseits, so Kaiser und Ohnemus-Wolf, hätten Nutzer – darunter Kinder und Jugendliche – über das Internet längst ihre Bezugsquellen für synthetische Cannabinoide.

Nicht harmlos

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Gegen die Freigabe von Cannabis, das sei auch aus dem Zuhörerkreis deutlich geworden, spreche, dass der regelmäßige Konsum die neurophysiologische Entwicklung des Gehirns beeinträchtigt. Dabei sei anzumerken, dass das Gehirn erst im Alter von 25 Jahren voll ausgebildet sei. Der Konsum von Cannabis sei nicht harmlos, betonten die Referenten, er führe aber zu Depressionen. Alkohol sei jedoch gefährlicher. Die Suchtquote bei Cannabis liege bei 300.000, bei Alkohol bei zwei Millionen.

Deswegen sei es laut der SPD-Mitteilung so ernüchternd, dass der Bund wenig oder keine Mittel für die so notwendige Suchtprävention zur Verfügung stelle.

"Versteckte Obdachlosigkeit"

Wie viele Süchtige obdachlos seien, könne man nicht sagen, so die Referenten, man wisse aber um die „versteckte Obdachlosigkeit“. Etwa, wenn jemand wegen der Meldeadresse bei einem Dritten gemeldet ist. Was nun die Suchtberatung und -therapie in diesem Zusammenhang betrifft, halte man es laut den Referenten mit dem Slogan „housing first“. Die Unterbringung an einem für den Süchtigen sicheren Ort stehe vor dem Beginn der Suchttherapie.

Die Versorgung dieser Gruppen werde jedoch durch die sinkende Zahl an Wohnungen im sozialen Wohnungsbau immer schwieriger, heißt es in der Mitteilung weiter. Mit dem Stichtag 30. September wurden 316 Suchtkranke gezählt, davon seien 17 prekär untergebracht. Erschütternd sei aus Sicht der Referenten der hohe Anteil an Frauen.

Suchttherapie sei ein langer Prozess, dem über viele Jahre viele Selbstversuche vorausgingen. Doch sie lohne sich.

Hintergrund

Was die Fachstelle Sucht leistet

In der Fachstelle Sucht in der Grabenallee 5 in Offenburg finden Suchtkranke, deren Angehörige und Kinder Beratung, berichtet die SPD Offenburg. Großen Anteil hätten Beratungsgespräche für Arbeitgeber und Führungskräfte – neben Gesundheitsvorsorge gehe es unter anderem um den Arbeitsplatzerhalt. Man vermittele Therapien und biete ambulante Behandlungen an. Die Substitutionsbegleitung finde in einer Schwerpunktpraxis statt. Seit 2018 unterhält die Fachstelle eine Kindergruppe, in der Kinder die Suchtproblematik ihrer Eltern verarbeiten können. Großen Erfolg verzeichne man bei den „KT-Kursen“, ein Angebot für Alkoholkranke, die mit Abstinenztherapien Probleme haben, so Martha Ohnemus-Wolf. Reduzieren statt aufhören funktioniere auch bei Drogensucht, sagte sie.

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