Zum Gedenktag am 9. November

Mehr als 500 Schüler putzen die Offenburger Stolpersteine

Autor: 
red/flo
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07. November 2018
Nominiert (1): Der Titelverteidiger: Johannes Vetter, Leichtathletik-Gemeinschaft Offenburg, Speerwurf-Weltmeister.Auch in Offenburg erinnern Stolpersteine an das Schicksal der jüdischen Mitbürger in der NS-Zeit, hier die Stolpersteine für Julius und Berta Stern.Auch in Offenburg erinnern Stolpersteine an das Schicksal der jüdischen Mitbürger in der NS-Zeit, hier die Stolpersteine für Julius und Berta Stern.

©Archivfoto: Martin Ruch

Zum Gedenken an die Reichspogromnacht vor 80 Jahren pflegt das Bündnis Aufstehen gegen Rassismus Stolpersteine in der Ortenau. Im Rahmen des von der Stadt organisierten Gedenktags werden morgen, Freitag, die neunten Klassen vieler Offenburger Schulen die 120 Stolpersteine der Kreisstadt auf Hochglanz polieren. Über 500 Schüler haben sich gemeldet.

An der vom Bündnis Aufstehen gegen Rassismus mit der Schülerselbstverwaltung ins Leben gerufenen Aktion beteiligen sich das Grimmelshausen-Gymnasium, das Kloster Unserer Lieben Frau, das Oken-Gymnasium, das Schiller-Gymnasium, die Erich-Kästner-Realschule und die Freie Waldorfschule Offenburg. Ausgestattet mit Putz-Kits, die Offenburger Geschäftsleute und die Amadeu-Antonio Stiftung-zur Verfügung stellten, suchen die Schüler in 50 Gruppen die Gedenkstätten auf. »Wir erinnern mit dieser symbolischen Aktion an die Verfolgten der Naziherrschaft in Offenburg. Keiner ist vergessen«, sagt eine Sprecherin des Bündnisses.

Die Aktion zum Gedenktag am Freitag, 9. November, beginnt für die Schülerinnen und Schüler um 10.30 Uhr vor dem Historischen Rathaus mit einer Ansprache von Oberbürgermeisterin Edith Schreiner. Nach der Putzaktion treffen sich die Teilnehmer am Offenburger Erinnerungs- und Gedenkort Salmen, der bis 1938 die Synagoge der jüdischen Gemeinde beherbergte. 

Dort erwartet einen Teil der Schüler die Sonderausstellung »Ausgegrenzt. Geflohen. Vernichtet«, die das Schicksal der Offenburger jüdischen Gemeinde beleuchtet. Alle anderen können an der Inszenierung »Spurensuche« teilnehmen. Filmische Szenen und Quellentexte machen die Ereignisse, die zu den Pogromen führten, deutlich und lassen Zeitzeugen zu Wort kommen. 

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Gegen 13 Uhr soll die Aktion, für deren Dauer die Schüler vom Unterricht freigestellt sind, beendet sein. »Wir haben keine Schuld an dem, was 1938 passiert ist, aber wir tragen Verantwortung dafür, dass sich so etwas nicht wiederholt. Deshalb ist es wichtig, sich an die Opfer der Nazi-Herrschaft zu erinnern und ein Zeichen gegen Ausgrenzung und für eine offene, soziale und solidarische Gesellschaft zu setzen«, begründet Jana Schwab als Schülersprecherin des Kloster-Gymnasiums ihre Teilnahme. 

Noel Treffinger, Schülersprecher des Schiller-Gymnasiums, sagt: »Die Stolperstein-Putzaktion der Offenburger Schulen und der Stadt Offenburg ist ein wichtiges Symbol junger Menschen zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Eine alltägliche Mahnung ist für die Schüler des Schiller-Gymnasiums der Schillersaal, in dem am 22. Oktober 1940 die Offenburger Juden vor der Deportation in das Lager Gurs zusammengetrieben wurden.« 

Die Schülersprecherin des Klostergymnasiums, Leonie Oßwald, stellt fest: »Ich finde die Putzaktion sehr wichtig, denn gerade in Zeiten, in denen der Rassismus wieder Oberhand gewinnt, ist es notwendig, die Erinnerungskultur lebendig zu halten.« Und Hannah Asprion ergänzt: »Wir wollen gemeinsam erinnern. Manche Dinge sollten nicht in Vergessenheit geraten. Völkerhass sollte der Vergangenheit angehören.« David Augustin, der Schülersprecher des Oken-Gymnasiums, betont: »Die Veranstaltung an diesem denkwürdigen Tag ist eine gute Möglichkeit, die Zeit vor 80 Jahren wieder ins Bewusstsein zu rufen. Das, was damals passiert ist, darf nicht in Vergessenheit geraten. Am 9. November wird durch die gemeinsame und schulübergreifende Aktion das Gedenken auch an unsere Generation weitergegeben.« 

Und schließlich mahnt Max Eberle von der Schülervertretung der Waldorfschule: »Gerade in Zeiten wie diesen, in denen Rassismus, Nationalismus und Antisemitismus scheinbar immer stärker werden, ist es unglaublich wichtig, mit Aktionen wie dieser die Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und dafür zu sorgen, dass so etwas Schreckliches in der Vergangenheit bleibt.«

Hintergrund

Was damals passiert ist

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten in Deutschland die Synagogen. Allein in Offenburg verhafteten Polizei, SA und SS 70 jüdische Männer. Verfolgt von 1000 Schaulustigen, wurden sie in einem entwürdigenden Marsch durch die Hauptstraße zum Bahnhof getrieben. Von dort brachte man sie in das KZ Dachau. Am selben Tag zerstörten Offenburger den Salmen und das Café Weil.

Die Reichspogromnacht bildete vor 80 Jahren den Auftakt zu systematischer Verfolgung, Vertreibung und Ermordung der Juden auch in der Ortenau. Im Oktober 1940 besiegelte die Deportation nach Gurs das Ende der jüdischen Gemeinde Offenburg: Rund 100 weitere Menschen wurden in der Turnhalle des heutigen Schiller-Gymnasiums zusammengetrieben. Sie mussten von dort aus den Weg zum Bahnhof für die Fahrt nach Südfrankreich antreten.
 

Info

Stolpersteine

Die Stolpersteine sind ein Projekt des Berliner Künstlers Gunter Demnig. Mit den im Boden verlegten Gedenktafeln wird an das Schicksal der Menschen erinnert, die in der NS-Zeit verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Messingtafeln werden vor der letzten frei gewählten Wohnadresse des Opfers in den Bürgersteig eingelassen. Zurzeit gibt es mehr als 70 000 Stolpersteine in 24 Ländern.

Das Bündnis Aufstehen gegen Rassismus hat die in Offenburg verlegten Gedenksteine jetzt in eine App eingepflegt, die man sich auf der Internetseite www.stolpersteine-guide.de kostenlos auf das Smartphone herunterladen kann. 

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