Römeranlage Niederschopfheim

Mit dem Kratzeisen gegen den Verfall

Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
28. August 2019

Wenzel Holub setzt Steine in das alte Mauerwerk. ©Klaus Krüger

Es ist mühsam. Stein für Stein von Gras und Moos zu befreien, den spröden Mörtel wegzukratzen, bröselnde Sandsteine wegzunehmen: Der Historische Verein Hohberg schultert mit der Restaurierung der römischen Straßenstation eine Herkulesaufgabe.

Wann immer es geht, arbeitet die Handvoll Freiwilliger mittwochs an der römischen Straßenstation. Ein mühseliges Geschäft. Die Anlage ist riesig, die Mauern laufen knapp über der Grasnarbe entlang. Fachleute gehen davon aus, dass die Gebäude rund 45 Meter lang waren. Für die freiwilligen Helfer des Historischen Vereins ist es eine endlose Kleinarbeit – die Mauern vor dem Verfall zu bewahren und zu sanieren. An diesem Mittwoch geht es auf dem Gelände lebhaft zu – eine Schar Enkel von Lucien Mutzing, dem Vorsitzenden des Historischen Vereins, sorgt für quirliges Leben, der Opa versucht sie sinnvoll zu beschäftigen. Zwischendurch zeigt ihnen Oma Angela Mutzig die Infotafeln und erläutert, wo die Rasselbande hier überhaupt ist. 

Luxuriöse Station

Mittlerweile gehen Experten davon aus, dass in Niederschopfheim eine luxuriöse Raststation lag – mit geräumigem Bad, bequemen Gastzimmern und Bewirtung dicht an einer römischen Fernstraße. Solche Herbergen gab es alle 30 bis 37 Kilometer, dazwischen kleine Stationen, um Pferde oder Ochsen zu wechseln – wie in Friesenheim. Die römische Raststation bei Niederschopfheim gilt als einer der größten Römer-Bauten in der Ortenau.

Die aktuellen Arbeiten begannen im Jahr 2018, wie Hans-Jürgen Gebhardt erläutert, stellvertretender Vorsitzender des Historischen Vereins. Anlass war die Einweihung des Römerradwegs zwischen Lahr und Offenburg zur Landesgartenschau.

Die Steine waren alle bemoost, die Helfer mussten alles Mauerwerk davon befreien. Und das Schlimme: Die Arbeit hört nicht auf, weil Moos und Gras beharrlich wiederkommen. Außerdem ist der Boden feucht, und das Mauerwerk zergeht. Da hilft nur auskratzen, Mörtel rein und Steine drauf – auch, wenn es nicht unbedingt historisch ist. 

- Anzeige -

Aber das ist die aufgemauerte Wand auch nicht, den die Gemeinde an der Frontseite zur Autobahn hin hat errichten lassen. Um einen Teil des Gebäude zu symbolisieren. Die Verwaltung lässt zudem sechs Mal im Jahr das Gelände mähen.

Richtiger Blick

Entdeckt wurde die Anlage auf dem Gewann Steinacker Feld im Jahr 1978. J. Naudascher hatte das richtige Näschen gehabt, vielmehr den richtigen Blick dafür. 
Ihm fielen die Unebenheiten im Boden auf, der römische Bauschutt, der beim Pflügen zutage trat, war ein weiterer deutlicher Hinweis. Und deshalb hieß wohl auch das Gewann so: Steinacker Feld.
Nach der Entdeckung tummelten sich Archäologen dort. Sie und ihre Studenten legten frei, was möglich war und restaurierten die Mauern. Sie mauerten auch die symbolischen Wände Richtung Autobahn auf. 

Der Historische Verein hat ein ehrgeiziges Ziel: Bis zum Tag des offenen Denkmals am 8. September bei jedem ehemaligen Raum Erklärtafeln (DIN-A3) aufzustellen, die erzählen, was da einst wo in der Rastanlage gewesen ist. An diesem Mittwoch kommen die ersten Pflöcke dafür in den Boden, Mutzigs Enkel helfen dabei. 

Während des ganzen Trubels und unbeeindruckt vom Fotografieren und den ganzen Fragen des Reporters arbeiten Marlies und Wenzel Holub an ihren Mauerbruchstücken. Das tun sie fleißig seit 2018. Ein mühseliges Geschäft. 

Das Kulturdenkmal steht zur Besichtigung offen: Tag des Offenen Denkmals, 8. September, 14 bis 17 Uhr.

Hintergrund

Geschichte der Anlage

Die römische Rastanlage ist um 50 n. Chr. erbaut worden und wurde im 3. Jahrhundert aufgegeben, als das römische Reich seine Grenze an den Rhein verlegte. Sie liegt an einer Fernstraße vom schweizerischen Augst nach Mainz. Mutmaßliche Erbauerin war die 21. Legion Rapax.
Lesefunde förderten Teile einer Fußbodenheizung, Mosaiksteine und bemalte Wandputzfragmente zutage. Sie alle lassen auf ein besonderes Gebäude mit gewissem Komfort schließen – erstellt in zwei Bauphasen. Gefunden wurde außerdem eine Silbermünze des Antonius Pius (138 bis 161 n. Chr.), Gewandspangen, ein Kochtopf und Lanzenspitzen aus Eisen. Hier übernachteten römische Fernreisende in komfortablen Zimmern, es gab Werkstätten für die Reisewagen, Ställe für Pferde, Verpflegung. Ob diese Herberge zivilen Charakter hatte oder militärischen, lässt sich nicht sicher sagen.
Eine endgültige Wertung des komplizierten Befundes kann erst nach der vollständigen Ausgrabung erfolgen, schreibt die Gemeinde Hohberg auf ihrer Homepage.
◼ Mehr Info: www.hohberg.de/index.php?id=445

Weitere Artikel aus der Kategorie: Offenburg

vor 11 Minuten
Erweiterung Deponie Rammersweier
Unmut im Ortschaftsrat Windschläg wegen Erweiterung der Deponie Rammersweier und damit zusammenhängenden Verkehsplänen: Der Rat will sich wehren.
vor 1 Stunde
Sportlergala im Salmen fällt flach
Die Sportlergala kurz vor Weihnachten im Salmen ist ein kleines gesellschaftliches Ereignis im Jahresreigen in Offenburg. In diesem Jahr hat die Stadt entschieden, auf die Veranstaltung zu verzichten. Auch die Wahl zum sportler des Jahres, die üblicherweise in den Kategorien Mannschaft, Erwachsene...
vor 2 Stunden
Hukla-Areal
Der letzte Tagesordnungspunkt „Mitteilungen und Anfragen“ in der Gengenbacher Gemeinderatssitzung vom Mittwochabend sorgte für einen Aha-Effekt: Markus Schilli (Grüne Liste) wollte wissen, was sich auf dem Gelände der Firma Junker (Hukla-Areal) tut: „Ich habe gesehen, wie es vermessen wird.“
vor 3 Stunden
Offenburg
Wolfgang Gall löst Ulrich Gasser als neuen Chef des Kiwanis Club Offenburg ab. Mit seinem Vorstandsteam möchte er neue Impulse geben und das Vereinsleben trotz Corona attraktiv gestalten.
vor 3 Stunden
Bis Ende 2021 verlängert
Der Ortenberger Gemeinderat hat den Baustellungsunterstützungsfonds für Gewerbetreibende den aktuellen Gegebenheiten angepasst und die Antragsfrist bis Ende 2021 verlängert.
vor 4 Stunden
Offenburg
In einer Obdachlosen- und Ayslunterkunft in der Lise-Meitner-Straße soll ein 27-Jähriger einen seiner Mitbewohner mit einem Ast geschlagen haben. Der Mann hatte einer Frau helfen wollen, die bei dem 27-Jährigen mutmaßlich ihr gestohlens Fahrrad entdeckt hatte.
vor 5 Stunden
Ortschaftsrat
Das derzeitige Dauerthema Hütten im Außenbereich kam auch im Ortschaftsrat Zell-Weierbach auf den Tisch. In einem Punkt war man sich einig: Bei der Prüfung sollen die Verantwortlichen gesunden Menschenverstand walten lassen.
vor 5 Stunden
Bis zu 6,50 Meter hoch
Übergesetzlichen Schallschutz soll es nördlich des Offenburger Güterzugtunnels geben. Wie dieser aussehen soll, stellte die Bahn jetzt vor. Zur genaueren Untersuchung von Einzelbauwerken an der Tunneltrasse, werde es zudem weitere Bohrungen geben, kündigte die Bahn an.  
vor 8 Stunden
Eine Woche vor Ort
Ein Sportwagen, der sich in einen Roboter verwandelt, bewegliche Artisten sowie Laufenten und Lamas – der Circus Manuel Weisheit ist für eine Woche zu Gast in Offenburg und bietet fast täglich Vorführungen. 
vor 10 Stunden
Bürgerwerkstatt in Offenburg
Wie soll das Nordufer des Gifiz-Sees zukünftig aussehen? In einer Bürgerwerkstatt gab es für die Stadtverwaltung viele Ideen und Anregungen – der Großteil wünscht sich den Erhalt des Strandbads.
vor 11 Stunden
Deportation vor 80 Jahren: Von Offenburg nach Gurs
Bertold und Sofie Meier wurden wie viele andere vor 80 Jahren, am 22. Oktober 1940, von Offenburg nach Gurs deportiert. In einem Brief an den Sohn haben sie damals das Leben vor Ort geschildert.
vor 13 Stunden
Morsche Bäume, marode Hütte
Nach einer sehr grundsätzlich und teilweise auch emotional geführten Diskussion stimmte der Berghauptener Gemeinderat am Montagabend der Idee zu, das „Ranchgelände“ mit seinem Baumbestand nordwestlich der Erholungsanlage Klingelhalde eventuell an den Naturschutzbund  Offenburg zu verpachten.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Bei Möbel Seifert in Achern werden fünf Jahre lang Serviceleistungen bei Polstermöbeln garantiert.
    21.10.2020
    Große Herbstaktion bei Möbel Seifert: 5 Jahre Service für neue Polstermöbel
    Möbel Seifert in Achern ist dafür bekannt, dass Angebot und Service ständig optimiert werden. Nach der Sortimentserweiterung um die HOME-Kollektionen werden aktuell bis zum 14. November Herbst-Aktionswochen geboten. Sie beinhalten Sparpreis-Angebote in allen Sortimenten sowie Serviceleistungen bei...
  • Das Team der Postbank Finanzberatung und der Postbank Immobilien Ortenaukreis.
    20.10.2020
    Das Postbank Immobilien Team Ortenaukreis bietet Kompetenz rund um die eigenen vier Wände
    Ein neuer Job in einer anderen Stadt oder unerwarteter Nachwuchs - Gründe, die eigene Immobilie zu verkaufen oder sich eine Neue zu suchen, gibt es viele. Um die Ausschau nach geeigneten Interessenten oder Angeboten schneller voranzutreiben, ist es ratsam, auf die Unterstützung von Profis zu zählen...
  • Petra Brosemer ist Immobilienfachwirtin und Inhaberin von Brosemer Immobilien in Zell am Harmersbach.
    16.10.2020
    Fair, transparent und ehrlich: Brosemer Immobilien vermittelt Werte
    Wenn ein Haus oder eine Wohnung die Eigentümer wechseln, dann ist das sehr viel mehr als nur ein Gang zum Notar. Eine Immobilie zu vermitteln heißt auch immer, zwischen Menschen zu vermitteln. „Wir können beides“, sagt Petra Brosemer, Immobilienfachwirtin und Inhaberin von Brosemer Immobilien in...
  • Die App heyObi bietet viele Vorteile für die Kunden.
    12.10.2020
    Herunterladen und 10 % Rabatt kassieren – nur im Oktober / 7 Obi-Märkte in der Region sind dabei
    Die kostenlose heyObi-App ist der digitale Begleiter im Alltag und bietet Inspiration sowie zahlreiche Tipps und Tricks rund um Haus und Garten. Registrierte Nutzer der App genießen weitere attraktive Angebote, wie zum Beispiel die digitale Beratung von Fachberatern, zielgerichtete Navigation in...