Römeranlage Niederschopfheim

Mit dem Kratzeisen gegen den Verfall

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28. August 2019

Wenzel Holub setzt Steine in das alte Mauerwerk. ©Klaus Krüger

Es ist mühsam. Stein für Stein von Gras und Moos zu befreien, den spröden Mörtel wegzukratzen, bröselnde Sandsteine wegzunehmen: Der Historische Verein Hohberg schultert mit der Restaurierung der römischen Straßenstation eine Herkulesaufgabe.

Wann immer es geht, arbeitet die Handvoll Freiwilliger mittwochs an der römischen Straßenstation. Ein mühseliges Geschäft. Die Anlage ist riesig, die Mauern laufen knapp über der Grasnarbe entlang. Fachleute gehen davon aus, dass die Gebäude rund 45 Meter lang waren. Für die freiwilligen Helfer des Historischen Vereins ist es eine endlose Kleinarbeit – die Mauern vor dem Verfall zu bewahren und zu sanieren. An diesem Mittwoch geht es auf dem Gelände lebhaft zu – eine Schar Enkel von Lucien Mutzing, dem Vorsitzenden des Historischen Vereins, sorgt für quirliges Leben, der Opa versucht sie sinnvoll zu beschäftigen. Zwischendurch zeigt ihnen Oma Angela Mutzig die Infotafeln und erläutert, wo die Rasselbande hier überhaupt ist. 

Luxuriöse Station

Mittlerweile gehen Experten davon aus, dass in Niederschopfheim eine luxuriöse Raststation lag – mit geräumigem Bad, bequemen Gastzimmern und Bewirtung dicht an einer römischen Fernstraße. Solche Herbergen gab es alle 30 bis 37 Kilometer, dazwischen kleine Stationen, um Pferde oder Ochsen zu wechseln – wie in Friesenheim. Die römische Raststation bei Niederschopfheim gilt als einer der größten Römer-Bauten in der Ortenau.

Die aktuellen Arbeiten begannen im Jahr 2018, wie Hans-Jürgen Gebhardt erläutert, stellvertretender Vorsitzender des Historischen Vereins. Anlass war die Einweihung des Römerradwegs zwischen Lahr und Offenburg zur Landesgartenschau.

Die Steine waren alle bemoost, die Helfer mussten alles Mauerwerk davon befreien. Und das Schlimme: Die Arbeit hört nicht auf, weil Moos und Gras beharrlich wiederkommen. Außerdem ist der Boden feucht, und das Mauerwerk zergeht. Da hilft nur auskratzen, Mörtel rein und Steine drauf – auch, wenn es nicht unbedingt historisch ist. 

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Aber das ist die aufgemauerte Wand auch nicht, den die Gemeinde an der Frontseite zur Autobahn hin hat errichten lassen. Um einen Teil des Gebäude zu symbolisieren. Die Verwaltung lässt zudem sechs Mal im Jahr das Gelände mähen.

Richtiger Blick

Entdeckt wurde die Anlage auf dem Gewann Steinacker Feld im Jahr 1978. J. Naudascher hatte das richtige Näschen gehabt, vielmehr den richtigen Blick dafür. 
Ihm fielen die Unebenheiten im Boden auf, der römische Bauschutt, der beim Pflügen zutage trat, war ein weiterer deutlicher Hinweis. Und deshalb hieß wohl auch das Gewann so: Steinacker Feld.
Nach der Entdeckung tummelten sich Archäologen dort. Sie und ihre Studenten legten frei, was möglich war und restaurierten die Mauern. Sie mauerten auch die symbolischen Wände Richtung Autobahn auf. 

Der Historische Verein hat ein ehrgeiziges Ziel: Bis zum Tag des offenen Denkmals am 8. September bei jedem ehemaligen Raum Erklärtafeln (DIN-A3) aufzustellen, die erzählen, was da einst wo in der Rastanlage gewesen ist. An diesem Mittwoch kommen die ersten Pflöcke dafür in den Boden, Mutzigs Enkel helfen dabei. 

Während des ganzen Trubels und unbeeindruckt vom Fotografieren und den ganzen Fragen des Reporters arbeiten Marlies und Wenzel Holub an ihren Mauerbruchstücken. Das tun sie fleißig seit 2018. Ein mühseliges Geschäft. 

Das Kulturdenkmal steht zur Besichtigung offen: Tag des Offenen Denkmals, 8. September, 14 bis 17 Uhr.

Hintergrund

Geschichte der Anlage

Die römische Rastanlage ist um 50 n. Chr. erbaut worden und wurde im 3. Jahrhundert aufgegeben, als das römische Reich seine Grenze an den Rhein verlegte. Sie liegt an einer Fernstraße vom schweizerischen Augst nach Mainz. Mutmaßliche Erbauerin war die 21. Legion Rapax.
Lesefunde förderten Teile einer Fußbodenheizung, Mosaiksteine und bemalte Wandputzfragmente zutage. Sie alle lassen auf ein besonderes Gebäude mit gewissem Komfort schließen – erstellt in zwei Bauphasen. Gefunden wurde außerdem eine Silbermünze des Antonius Pius (138 bis 161 n. Chr.), Gewandspangen, ein Kochtopf und Lanzenspitzen aus Eisen. Hier übernachteten römische Fernreisende in komfortablen Zimmern, es gab Werkstätten für die Reisewagen, Ställe für Pferde, Verpflegung. Ob diese Herberge zivilen Charakter hatte oder militärischen, lässt sich nicht sicher sagen.
Eine endgültige Wertung des komplizierten Befundes kann erst nach der vollständigen Ausgrabung erfolgen, schreibt die Gemeinde Hohberg auf ihrer Homepage.
◼ Mehr Info: www.hohberg.de/index.php?id=445

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