Offenburg

Mit Niederschopfheim verwoben

Autor: 
Hans Göppert
Lesezeit 3 Minuten
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19. August 2003
Die Wilhelm-Bartelt-Straße in Niederschopfheim erinnert an einen Pfarrherren, der in den 30-er Jahren Akzente setzte.
Hohberg. Im Baugebiet »Steinebühl« im Ortsteil Niederschopfheim hat der Gemeinderat der ehemaligen selbstständigen Gemeinde Niederschopfheim neben Gewannnamen ebenfalls einem Ehrenbürger eine Straße gewidmet, der von 1932 bis 1948 katholischer Pfarrer in Niederschopfheim war: Geistlicher Rat Wilhelm Bartelt. Er verwuchs in dieser für alle so schwierigen »Hitler-Zeit« mit seinen Pfarrschäflein so sehr, dass er in dieser Gemeinde nach seinem Tod beerdigt werden wollte. Am 8. Mai 1967 ist er im Veronikaheim in Bühl gestorben, in dem er bis zu seinem Tode Hausgeistlicher war. Zuvor war Bartelt aber noch bis zu seiner Pensionierung 1958 Pfarrer in Holzhausen bei Freiburg. Wenn man sich mit Niederschopfheimern, die Pfarrer Bartelt noch gekannt haben, über ihn unterhält, dann kommt immer wieder zum Ausdruck, dass er sehr streng, aber gerecht gewesen sei. Natürlich war auch er ein Kind seiner Zeit und zutiefst davon überzeugt, dass »außerhalb der Kirche kein Heil« zu finden ist. Nach dieser Überzeugung lebte, predigte und handelte dieser Pfarrherr. Bartelt scheute sich als Nazi-Gegner nicht, auch einmal ein deutliches Wort zu sagen, was in jener Zeit gefährlich war. Da er gut französisch sprach, konnte er in der Besatzungszeit der Franzosen so manche Härte mildern. Als Hüter und Beschützer seiner »Schäfchen« war Pfarrer Bartelt nicht unbedingt immer die Liebenswürdigkeit in Person. Viele berichten aber auch von großer Herzlichkeit und hintergründigem Humor. Seine Prägung in der Zeit des Ersten Weltkrieges, zu dem er sich freiwillig gemeldet hatte, war bei seinen Pfarrkindern nicht unbemerkt geblieben. Auch seine unbedingte Durchsetzungskraft zeigte er schon bei der Erfüllung seines Berufswunsches, den er gegen den Willen seines protestantischen Vaters durchsetzte. Tapferer Seelsorger Der am 19. Juni 1887 in Rastatt geborene Bartelt, der am 8. Mai 1910 zum Priester geweiht worden war und dann als Kaplan in Breisach, Konstanz und Karlsruhe wirkte, begleitete im Ersten Weltkrieg deutsche Soldaten sowohl in Frankreich auch in Russland als Militärseelsorger. Sein Mut wurde mit dem »Eisernen Kreuz« als auch mit dem Orden vom »Zähringer Löwen« ausgezeichnet. Wilhelm Bartelt war nach dem Krieg zuerst Vikar in Muggensturm und Baden-Baden. Seine erste Pfarrstelle bekam Bartelt dann in Lenzkirch, bevor er nach Niederschopfheim kam. In den 16 Jahren seines Wirkens als Pfarrer in Niederschopfheim kamen seine zahlreichen Talente zum Tragen. Sein Rednertalent kam in seinen überzeugenden Predigten immer wieder zum Ausdruck. Sein Schreibtalent setzte er für viele Artikeln im »Konradsblatt«, in der Katholischen Arbeiterzeitung und in der Zeitschrift »Das Dorf« unter dem Pseudonym »Wilhelm von Penkum« ein. Ein Kommentar von Bartelt zum Lukasevangeliums erschien im Herderverlag. Der Orgel-, Klavier- und Cellospieler verfasste das Niederschopfheimer Brigittenlied, das dann Lehrer Lederer vertonte. Der Hobbyhistoriker setzte sich auch mit der Niederschopfheimer Dorfchronik ein heute noch geschätztes Denkmal. Urlaub im Archiv Manche seiner Urlaube verbrachte der Bücherliebhaber im Archiv des Kloster St. Denis bei Paris, dem Kloster des Abtes Fulrad, der seinen Besitz »Niederschopfheim« 777 diesem Kloster schenkte. Andere Archive hatten für den Forscher ebenfalls große Anziehungskraft. Trotz seiner vielen Hobbys vernachlässigte er seine Gemeinde nicht. Die Einrichtung einer Bibliothek geht auf seine Initiative zurück, denn die Bildung im ländlichen Raum war ihm ein Herzensanliegen. In seiner Amtszeit wurde 1939 auch die Innenrenovation der Barockkirche vorgenommen. Der Erzbischof schrieb anlässlich seines goldenen Pries-terjubiläums: »Als rechter Pfarrer haben Sie die Sprache des Volkes verstanden, und das Volk hat Sie verstanden.« Dazu meinte schmunzelnd ein alter Schopfener, der Bartelt gut gekannt hatte: »Meistens!«

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