Hohberg - Niederschopfheim

Niederschopfheims ehemaliger Pfarrer: Kritisches bei Verbene-Tee

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28. November 2023
Pfarrer Bernhard Pfaff. Auf dem Gemälde hinter ihm ist die Niederschopfheimer Pfarrkirche St. Brigitta zu sehen, das in seinem Wohnzimmer hängt. 

Pfarrer Bernhard Pfaff. Auf dem Gemälde hinter ihm ist die Niederschopfheimer Pfarrkirche St. Brigitta zu sehen, das in seinem Wohnzimmer hängt.  ©Klaus Krüger

Pfarrer Bernhard Pfaff (im Ruhestand) feiert in St. Brigitta Niederschopfheim sein goldenes Priesterjubiläum mit einem Gottesdienst, Musik der Band Exodus und einem Stehempfang. Was er zur heutigen Kirche sagt.

An Pfarrer Bernhard Pfaff, jetzt im Ruhestand, erinnern sich in Hohberg viele; und das gerne. Er wirkte 25 Jahre lang in Niederschopfheim und Umgebung als Pfarrer, war den Menschen zugewandt und nahm kein Blatt vor den Mund; auch nicht seiner Kirche gegenüber. Nun lebt er mit Pfarrhausfrau Elisabeth in Renchen und feiert am 1. Advent (3. Dezember) sein nachgeholtes goldenes Priesterjubiläum (siehe Hintergrund). Wir haben ihn in Renchen besucht.

Tee mit Verbene

Zum Gespräch serviert Pfarrer Pfaff Tee aus Zitronenverbene; ein Kraut, das er seit 20 Jahren züchtet, früher im Pfarrgarten in Niederschopfheim, heute auf dem Balkon in Renchen. Er lebt gerne in Renchen, die Wohnung ist groß, im Keller hat er ein Büro, das angrenzende Feld bleibt bisher unbebaut, weil ein Besitzer sich weigert, daraus Bauland werden zu lassen. Allerdings fällt auch bald der Satz: „Ich habe mich in Niederschopfheim sehr wohl gefühlt.“

Bernhard Pfaff hat seinen Lebenslauf auf eineinhalb DIN-A4 Blättern zusammengefasst. 

„1970 Priesterweihe, 1970-72 Vikar in Rastatt, bis 1989 Pfarrer in Bietigheim, Bd., bis 2014 Pfarrer in Niederschopfheim und Regionaldekan der Ortenau“, lesen wir da.

Eines ist ihm wichtig: „Nach dem II. Vatikanischen Konzil bis 1977 war Rudolf Ullrich Pfarrer in Niederschopfheim. Durch sein Wirken wurden die Themen des Konzils bis heute lebendig.“

Hohe Akzeptanz

Er ist bis jetzt stolz auf die engagierten Mitarbeiterinnen in der Region und der damaligen Pfarrei: „Ich hatte nie Probleme, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden.“ Die Akzeptanz spiegelt sich in verschiedenen Aspekten wider, etwa beim Pfarrgemeinderat, der bei der letzten Wahl die höchste Wahlbeteiligung in der Ortenau hatte. Oder der erstaunlichen Anzahl von 120 Ministranten der Pfarrerei.

„Viele haben Gottesdienste vorbereitet und mitgestaltet“, schreibt er. „Haben Taufen, Hochzeiten, Erstkommunion, Firmung und andere Anlässe vorbereitet und daran mitgewirkt.“

Besonders wichtig waren ihm Beerdigungen – hier konnte er Menschen persönlich und mit Würde verabschieden. Die Sorge um Alte und Kranke war eine weitere Säule seines Wirkens, einige Frauen haben die Kranken zu Hause und in den Pflegeheimen der Umgebung aufgesucht. Im Jahr 2014 gab es 70 Personen, die regelmäßig von diesen Frauen besucht wurden. Zwei Mal im Jahr machte er selbst diese Besuche.

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Und dann waren da natürlich die Reisen mit kleinen und großen Gruppen nach Israel/Palästina (50-mal), auf den Spuren von Franziskus (20-mal) und andere Ziele. Bernhard Pfaff: „Wir haben viel über unseren Glauben gelernt und sind zu guter Gemeinschaft zusammengewachsen.“ Der aktuelle Krieg schmerzt ihn, vor allem, weil so viele Menschen leiden müssen.

In seiner Zeit als Pfarrer waren es insgesamt 25 Frauen und Männer von sechs Wochen bis zu einem Jahr, die als Praktikanten im Theologiestudium oder nach der Priesterweihe im Pfarrhaus wohnten und in der Gemeinde mitarbeiteten, zählt Bernhard Pfaff auf.

Eine große Hilfe seien immer Diakon Martin Jablonsky, Gemeindereferentin Rita Stoll und die anderen Kolleginnen gewesen. „Das alles war nur möglich, weil wir ein freundliches Pfarrbüro und Pfarrhaus hatten, wo die Leute sich angenommen und gut bedient wussten“, so Pfarrer Pfaff.

Und: „Meine vielfältigen Aufgaben konnte ich nur wahrnehmen, weil ich in Elisabeth Naegele eine freundliche und einsatzbereite Pfarrhausfrau hatte. Es wären mindestens drei bis sechs Stunden täglich gewesen, in denen ich mich selbst um den Haushalt hätte kümmern müssen. Das Wichtigste aber war, sie als Ansprechpartnerin in Freude und Leid zu haben.“

Seine Hunde

Warum er Hunde hielt, wie Nathan oder Babuschka, erzählt Bernhard Pfaff auch: 1976 war das, in seiner Zeit in Bietigheim, da bekam er um ein Uhr nachts einen Anruf. Er solle schnell kommen, es liege jemand im Sterben. Aber statt eines Sterbenden erwartete ihn ein Maskierter, der ihm eine Pistole unter die Nase hielt. Pfarrer Pfaff: „Ich habe noch nie eine solche Angst gehabt.“ Der Maskierte zwang ihn, den Tresor im Pfarrhaus zu öffnen. Die Beute: 10,72 DM. Die mehreren Hundert DM im Geheimfach entdeckte er nicht. 

Später stellte die Polizei fest, es war nur eine Schreckschusspistole. Dennoch hatte Pfarrer Pfaff keine Lust auf eine Wiederholung und hielt seitdem gute und gezähmte Schäferhunde, die das Pfarrhaus beschützten und mit denen Kinder gerne spielten.

In allen unseren Gesprächen über die Jahre hinweg hat Pfarrer Pfaff nie ein Blatt vor den Mund genommen. Auch heute nicht. Das Hauptproblem seiner Kirche sei, sagt er, dass die Mächtigen ihre Macht nicht teilen wollen. Das nächste: Die Vertuschung all der großen und kleinen Schandtaten, vor allem des sexuellen Missbrauchs. „Jesus und das Evangelium sind nicht die Mitte“. Macht spiele auch bei zwei drängenden Fragen eine Rolle: Frauen nicht als Priesterinnen zuzulassen. Und beim Zölibat. „Die Kirche ist wenig auf Zukunft ausgerichtet.“

Das sehe man auch am kirchlichen Projekt Pastoral 2030…  aus über 1000 Pfarreien würden 36. Und warum? Weil nur Priester eine Pfarrei leiten sollen und man keine Frauen als Diakoninnen oder Priesterinnen und man auch Pastoral- und Gemeindereferentinnen keine Leitungsaufgaben übertragen wolle.

Bei aller Kritik an seiner Kirche – auf sein nachgeholtes goldenes Priesterjubiläum freut sich Pfarrer Bernhard Pfaff sehr. Vor allem auf das Wiedersehen mit den vielen Weggefährtinnen und Weggefährten aus 25 Jahren Niederschopfheim und anderswo.

Hintergrund

Die Feier am 1. Advent

Eigentlich hatte Pfarrer Bernhard Pfaff im Mai 2020 sein 50-jähriges Priesterjubiläum in Niederschopfheim feiern wollen, doch da kam Corona dazwischen. Nun wird es also am ersten Adventsonntag nachgeholt –
zusammen mit dem 80. Geburtstag (11.11.). 

In der Messfeier am 1. Advent um 10 Uhr in St. Brigitta Niederschopfheim soll vor allem Gott und einander gedankt werden. Die Kinder sind zunächst zu einem Kinderwortgottesdienst in die Alte Schule eingeladen. Die Gruppe Exodus umrahmt die Messfeier musikalisch.

Nach dem Gottesdienst sind alle zu einem Stehempfang im Pfarrsaal eingeladen.

Seit 1966 war Bernhard Pfaff mit kleinen und ganz großen Gruppen in Israel/Palästina. Sie unterstützen viele Einrichtungen, vor allem mit Behinderten und Kindern. Im Moment haben sie große Probleme, sagt Pfarrer Pfaff. Die Kollekte im Gottesdienst ist für diese Projekte bestimmt. Wer seine Adresse mit der Spende angibt, erhält eine Spendenquittung.

Die Spenden gehen an folgende vorbildlich geführten Projekte: Schulzentrum Mar Elia in I’billin/Galiläa von Bischof Elias Chacour. Behindertendorf Kfar Tikva bei Tivon/Nähe Haifa. House of Grace (Haus Gnade) in Haifa.  Kleine Brüder und Kleine Schwestern von Charles de Foucauld in Nazareth und Jerusalem. Armenkasse im Paulushaus. Caritas Baby Hospital in Bethlehem. Arche in Bethlehem. Fatima – Im Magdolin. Sumaya Farhat Naser.

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