Kleinod wird hergerichtet:

Nordrachs Backofenschmiede soll wieder zischen und hämmern

Autor: 
Inka Kleinke-Bialy
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
09. Dezember 2016

(Bild 1/2) Mitglieder des Schwarzwaldvereins bei einem Arbeitseinsatz an der Backofenschmiede: von links Paul Boschert, Alois Grassl, Karl Oehler, Albrecht Bruder, Heinz Glatz, Claudia Moosmann und Harry Barthel. ©Inka Kleinke-Bialy

Der Schwarzwaldverein Nordrach bringt die alte »Backofenschmiede« wieder auf Vordermann. Mit dem Ziel, die historische Handwerksstätte künftig zur Anlaufstelle bei Wanderführungen zu machen.
 

Zwischen Nordrach und Kolonie steht es, das alte Gemäuer. 1891 zunächst als Backhäuschen errichtet, wurde 1934 angebaut, zu einer großen Schmiede umgebaut. Daher der Name »Backofenschmiede«.

Als Bub hat Karl Oehler oft neben dem Backofenschmied gestanden und ihm bei der Arbeit zugeschaut. »Der hat mir immer mein Seifenkistle repariert«, erzählt der heute 68-Jährige, »dafür habe ich ihm bei Kleinigkeiten geholfen.« Er selbst wählte dann zwar den Beruf des Elektronikers, der Backofenschmiede verbunden geblieben ist der Zweite Vorsitzende des Schwarzwaldvereins Nordrach dennoch. Denn als diese 1989 von Grund auf renoviert werden sollte, Wasserrad und Dachstuhl inklusive, da nahm er mit seiner Familie an einem Arbeitseinsatz teil.

Ohrenbetäubend

Seither kümmert sich der gebürtige Nordracher um das Bauwerk und dessen Innenleben. Letzteres gibt soeben ein ohrenbetäubendes Quietschen und Ächzen von sich. Von Maschinen stammt das, die allesamt von einem einzigen Elektromotor angetrieben werden – mithilfe eines ausgeklügelten Systems von über hölzerne Treibscheiben laufenden Riemen. 

- Anzeige -

Diese robusten Lederstreifen behandelt Oehler einmal im Jahr mit einem speziellen Wachs und spannt sie nach. Ebenso regelmäßig wartet er die Maschinen. Ein sogenannter Hammer befindet sich unter ihnen – eine Maschine, mit der glühende Eisenteile flach geschlagen werden konnten. Oder ein Schleifstein. »Mit dem hat der Schmied die Beile ganz fein geschliffen«, erinnert sich Oehler. Der Elektromotor war nötig für Zeiten, in denen der am Gebäude vorbeifließende Bach wenig Wasser führte. Ansonsten war es das Wasserrad, das den riesigen Blasebalg auf dem Dachboden anzutreiben vermochte. Oehler ahmt das rhythmische Zischen nach, mit dem das Riesending im Sich-Auf- und Zusammenfalten seine Arbeit verrichtete. Die bestand darin, die Abluft nach draußen zu befördern. Jene Abluft, die im Kamin über der Esse nach oben stieg. Die mit Kohle befüllte Esse, unten in der Werkstatt, war das Herzstück der Schmiede. Die zum Heizen erforderliche frische Luft wiederum wurde durch einen kleinen Blasebalg unterhalb der Esse zugeführt, die aus extrem hitzebeständigem Schamottstein besteht und mit einem Kühlbecken versehen ist.

Werkzeuge an der Wand

Die unzähligen Werkzeuge an der Wand stammen jedoch längst nicht alle vom früheren Backofenschmied Gmeiner. Zum Teil hat Öhler sie von einem Schmiedemeister aus Frankreich, zum Teil aus der Klausenbachklinik in Nordrach-Kolonie, die einst eine eigene Schmiede besaß.

Oehler freut es, dass sich nun Mitstreiter des Schwarzwaldvereins um das historische Kleinod kümmern – und dass auch die Gemeinde als Besitzerin der Schmiede das Vorhaben finanziert.
Wenn alles klappt, soll die Schmiede im nächsten Sommer für Besucher hergerichtet sein. Und ab und zu auch wieder für Vorführungen hämmern und zischen.

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
03.01.2019
Die eigene Firma zu gründen ist auch dank der Digitalisierung heute nicht mehr schwer – aber wie geht es dann weiter? Wie kleine und mittelständische Firmen erfolgreich werden, zeigen zwei Jungunternehmer bei einem Vortrag am 26. Januar in der Offenburger Oberrheinhalle.
27.12.2018
Abenteuer-Indoor-Spielplatz
Wer möchte seinen Kindern zum Geburtstag nicht gern etwas ganz Besonderes bieten? Im Kiddy Dome in Schutterwald ist das möglich. Denn nicht nur an ihrem großen Tag sind die Kinder in diesem Abenteuer-Indoor-Kinderspielplatz die Könige. 
27.12.2018
Wie wir nachts schlafen bestimmt, wie unser Tag verläuft – und deshalb ist gesunder Schlaf auch so wichtig. Das eigene »Bett nach Maß« klingt fast wie ein Traum – doch Leitermann Schlafkultur ist Spezialist auf diesem Gebiet und macht es möglich.
18.12.2018
Eine Mission im Team
Ein verschlossener Raum, ein kniffliges Rätsel und nur 60 Minuten Zeit, um es zu lösen und so wieder nach draußen zu gelangen: Willkommen bei Escape Rooms Exitpark in der Ortenau.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Offenburg

vor 6 Stunden
Interview mit Offenburger Frontsänger der »Grandsheiks«
Rockig, rhythmisch, revolutionär: Auch heute noch hat die Musik von Frank Zappa viele Fans. Am Freitag, 1. Februar, spielt die Zappa-Tribute-Band »Grand­sheiks« ab 21 Uhr im Spitalkeller in Offenburg. Leadsänger Maximilian Hilbrand ist auch Sprecher und Schauspieler – und gebürtiger Offenburger.
vor 7 Stunden
Windschläg
Ortsvorsteher Ludwig Gütle hatte am Freitag in der Festhalle zum Neujahrsempfang geladen – zahlreiche Vertreter der Kommunalpolitik, der Kirchen, der Schule, der Kita  und der Vereine waren gekommen.
vor 8 Stunden
Hundehalterin vor Gericht
Ende März 2018 jagten zwei Hunde zwei Rehe auf einer umzäunten Obstplantage. Aufgrund der schweren Verletzungen des Wilds entschied die Polizei später, die Rehe zu erschießen. Jetzt stand eine der Hundehalterinnen vor Gericht. 
vor 8 Stunden
Klinikdebatte
Der Protest gegen einen Klinik-Neubau im Holderstock formiert sich in Bühl. Nun gibt es eine Interessensvertretung, die dagegen kämpfen will.
vor 9 Stunden
Hohberg
Bei den Beratungen zum Haushalt äußerten sich die einzelnen Fraktionen erneut über die Untätigkeit der Verwaltung – was die Bearbeitung ihrer Anträge betrifft.
vor 9 Stunden
Personalstamm soll größer werden
Bis 2020 will die Stadt Offenburg Baugenehmigungen wieder deutlich schneller erteilen. Der "Rote Punkt" soll laut einer städtischen Pressemitteilung nach höchstens 70 Tagen an Bauherren verschickt werden. Seit Jahren steht die Stadt massiv in der Kritik wegen zu langer Wartezeiten bei der...
vor 10 Stunden
Auch das Publikum war gefragt
Das Publikum hatte beim Lumbaziobe der Narrenzunft Zell-Weierbach viel zu lachen. Ein Motto gab es dieses Mal nicht, sodass die Macher völlig frei waren.
vor 11 Stunden
Nach großzügiger Schenkung
Das Museum Haus Löwenberg wird ab 12. April eine neue Dauerausstellung präsentieren – rund ein Dutzend Karussellpferde und ein böhmisches Marionettentheater aus dem 19. Jahrhundert. »Die Pädagogik wird sich darauf stürzen«, sagte Reinhard End.  
vor 14 Stunden
Freundschaft wird groß geschrieben
Beim Neujahrsempfang in Fessenbachs Partnergemeinde Zellwiller war natürlich auch eine Gruppe aus Fessenbach zu Gast. Alle betonten, wie wichtig grenzüberschreitende Freundschaften sind.
vor 20 Stunden
Offenburg
Das stadtbildprägende Anna-von-Heimburg-Haus an der Stadtmauer soll für 3,9 Millionen Euro saniert werden. Der Haupt- und Bauausschuss hat dafür einstimmig grünes Licht gegeben. 2015 waren Schäden an dem denkmalgeschützten Gebäude festgestellt worden. Seit 2016 steht das Haus, in dem das...
vor 21 Stunden
Gastsänger als Verstärkung
Der Kirchenchor Hl. Dreifaltigkeit kann zufrieden auf das Jahr 2018 zurückblicken. Die Zusammenarbeit zwischen Chorleiter, Vorstand und Präses Dekan Matthias Bürkle klappt hervorragend, hieß es bei der Hauptversammlung. Zwar ging die Zahl der aktiven Sänger um fünf auf 47 zurück – Gründe  waren...
vor 21 Stunden
Lebhafte Gemälde mit originellen Titeln
Zur Ausstellungseröffnung der »Galerie m beck« am Sonntag kamen viele Kunstinteressierte, um mit einigen Künstlern und der Kuratorin  Adriana Alfredo da Silva ins Gespräch zu kommen.