Gengenbach

Nur der Mond ist nicht ganz rund

Autor: 
Marc Faltin
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08. September 2014
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(Bild 1/8) Die Jürgen-Zöller-Network-Band rockte und blueste zum dritten Mal auf dem Oberen Schwärzenbachhof in Reichenbach. ©Marc Faltin

Gegen 21.30 Uhr erschien obendrein sogar der Fastvollmond über den Baumwipfeln. Die Gesamtkulisse an diesem Spätsommersamstag war damit im Grunde perfekt. »Die Familie Sester hat keinen Aufwand gescheut«, lächelte Gitarrist Christoph Stein-Schneider, »und diesen wunderbaren Scheinwerfer dort oben organisiert.« Beifall auf offener Szene – wie so oft bei diesem »Rock auf’m Hof« mit der »Jürgen-Zöller-Network-Band« und »Mainstreet«, der bei seiner dritten Auflage am Ende des Reichenbacher Schwärzenbachtals erstmals Tage zuvor bereits ausverkauft war.

Trotz dieser vermeldeten Tatsache klingelte das Festnetztelefon auf dem Oberen Schwärzenbachhof »fast unentwegt«, so die Gastgeber Josef und Irene Sester. Doch aus organisatorischen Gründen ist bei 700 Besuchern ebenso Schluss wie für die letzten Mobilfunkstrahlen weit vor der Hofeinfahrt. »Das hier ist das Beste seit dem ausverkauften Woodstock«, jubelte BAP-Schlagzeuger Jürgen Zöller bei der gemeinsamen Begrüßung mit den Gastgebern den Besuchern zu, die per Bus-Shuttle oder nach einem dreiviertelstündigen Waldspaziergang ab Reichenbachs Rathaus in dieses Idyll pilgerten. Das eineinhalbstündige Vorprogramm der Ortenauer Cover-Band »Mainstreet«, seit mehr als drei Jahrzehnten von Klaus Bayer und Armin Hertle auf Kurs gehalten, brachte bereits ein Großteil des Publikums, das es sich auf den grünen Zuschauerhängen mit Decken gemütlich machten, so richtig in Rock’n’Roll-Partystimmung. Gut möglich, dass Deep Purples »Child in Time« selbst die grasenden Ziegen und die Gänse nahe des Festivals nicht unberührt ließen. Zumindest Gänsehaut war spürbar. »Und wir haben richtiges Wetterglück«, lachte Markus Späth, Ortsvorsteher und Rockmusik-Freund, »denn in Hofstetten schüttet es gerade ohne Ende.«
Mit solcherlei Starkregengüsse hatte die Familie Sester vor einigen Wochen üble Bekanntschaft gemacht. Ein dadurch ausgelöster Erdrutsch zerstörte einen Teil jenes Gebäudes, in dem die »Rock-Wurst« hergestellt wird, die aber »nie gefährdet war«, so Josef Sester.

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Dieses Rockfest ohne die deftige Bauernbratwurst wäre wie die Zöller-Band ohne Frontmann Olli Roth. Der Vollblutsänger aus Karlsruhe brachte das ganze Drumherum und den musikalischen Inhalt auf einen kurzen Nenner: »It’s geil hier anyway.« Anni Bätza, die Mama von Irene Sester aus dem Hessischen, bestätigte dies auf ihre Weise. Als sie namentlich begrüßt wurde, winkte die fesche Oma direkt über dem Konzert-Plakat und unter dem altehrwürdigen Hofgebäudedach. »Hier ist alles so natürlich – kein Plastik«, schwärmte Nicatea Domenica Swoboda über ihre ersten Eindrücke. Das »Stadtkind aus Berlin« feierte ihre Reichenbach-Premiere und unterstrich jene »fantastische sonore Stimme«, die Zöller im Vorfeld angekündigt hatte. Vor allem bei Gary Moores »I still got the Blues« reizte die Sängerin ihr großes Stimmbandpotenzial aus, dazu näherte sich Lyle Närvänen, Gitarrist der Urbesetzung der »Leningrad Cowboys«, dem unglaublich hohen Niveau, das auf dieser Bühne 2012 der Ausnahmekönner Thomas Blug zelebrierte, der damals den musikalischen Feuerwehrmann spielte. Dies tat am Samstagabend Bassist Erwin Schmitt, der Willy Wagner kurzfristig ersetzte. Zöllers Netzwerk funktioniert wie das Werbetrommeln für dieses »einfach grandiose Rockfest«, so ein Besucher aus Freiburg, von Elke Blocher, der guten Freundin der Familie Sester.

Nach mehr oder weniger bekannten Werken von Led Zeppelin, Rod Stewart, Cameo und Willy de Ville gab Zöller für das gemütliche Ausklingen auf dem Hof oder den Nachhauseweg ein Gutenachtlied mit. Zum zweiten Mal nach seiner 60er-Geburtstagsparty sang er »meinen Lieblingssong der Beatles«, akustikgitarristisch begleitet von Christoph Stein-Schneider. »In my Life« entlockte nach knapp zweieinhalb Stunden nochmals reichlich Gefühl. Und hätte der Mond in vollem Rund die Berg-Silhouette angeleuchtet, wäre wirklich alles perfekt gewesen. Doch wenigstens etwas Luft nach oben sollte für die vierte Auflage in zwei Jahren schon bleiben. »Ich bin dabei«, sagte der 66-jährige Zöller in seinem eigentlichen Erholungsdomizil »müde«, aber beglückt.

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