Platz 15

Offenburg rutscht im Fahrrad-Check ab

Autor: 
Christian Schellenberger
Lesezeit 3 Minuten
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28. Februar 2015
Blockierte Radwege in Offenburg sind nur ein Ärgernis von vielen, wie der Fahrradklima-Test das ADFC dokumentiert. Mit der Durchschnittsnote 3,4 schneidet die Stadt deutlich schlechter ab als noch vor zwei Jahren. 2006 war die Stadt gar noch landesweit spitze.

(Bild 1/2) Blockierte Radwege in Offenburg sind nur ein Ärgernis von vielen, wie der Fahrradklima-Test das ADFC dokumentiert. Mit der Durchschnittsnote 3,4 schneidet die Stadt deutlich schlechter ab als noch vor zwei Jahren. 2006 war die Stadt gar noch landesweit spitze. ©Ulrich Marx (Archiv)

Offenburg präsentiert sich gerne als fahrradfreundliche Stadt. Doch ist das wirklich so? Im aktuellen Ranking des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) hat die Stadt an Boden verloren. Kritik gibt es vor allem an blockierten Radwegen, Fahrraddiebstählen und dem Busvorrang.

Bei Offenburgs Fahrradleihsystem »Nextbike« mach man sich bereit für den Saisonstart. Ab Montag sollen sich Bürger und Touristen auf die Leih-Drahtesel schwingen können. Doch auf den Radwegen herrscht nicht überall freie Fahrt: Im aktuellen Fahrradklimatest belegt Offenburg im bundesweiten Vergleich der Städte zwischen 50 000 und 100 000 Einwohnern nur noch Platz 15. Beim letzten Test im Jahr 2012 erreichte die Stadt noch Rang acht. Mit einer Durchschnittsnote von 3,4 liegt   sie deutlich unter dem Ergebnis von 2,8 im Jahr 2012.

Wo es klemmt, hat der ADFC­ mit seiner Umfrage unter 133 Offenburgern im Detail ermittelt: Als größter Kritikpunkt im Städtevergleich entpuppt sich demnach die Tatsache, dass Einbahnstraßen von Radlern auch in Gegenrichtung befahren werden dürfen. Dies führe zu Konflikten mit Autofahrern in den oft schmalen Straßen der Innenstadt, so die Kommentare.

Falschparker sind Ärgernis
Als großes Manko werden auch Falschparker auf den Radwegen und Fahrraddiebstähle genannt. »Unsere Politessen kontrollieren lieber abgelaufene Park­uhren statt auf Radwegen parkende Autos«, lautet die Kritik eines Umfrageteilnehmers. Kein Einzelfall:  In der Frage nach der Kontrolle von Falschparkern gibt es die Note 4,4.

Der These, dass Fahrraddiebstahl selten vorkomme, widersprach die weit überwiegende Zahl der Befragten, sie vergaben eine Durchschnittsnote von 4,3. Laut der letzten veröffentlichten Kriminalstatistik wurden im Jahr 2013 knapp 500 Fahrräder in Offenburg gestohlen, fast 20 Prozent weniger als 2012.

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Zum Aufreger unter den Radfahrern taugen auch die Ampeln: »Der Busvorrang muss abgeschafft werden«, lautet die Forderung eines Umfrageteilnehmers, dem sich etliche Befragte anschließen. Die Bevorzugung des Busverkehrs  führe zu »unzumutbar langen Wartezeiten für Radfahrer und Fußgänger« – viele überquerten die Straßen daher bei Rot.

Stadtverwaltung ist selbstkritisch
Gestern reagierte die Stadtverwaltung auf die ernüchternden Ergebnisse des ADFC-­Berichts. Die städtische Fahrradinfrastruktur befinde sich in einer »Umbruchphase«, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Notwendigkeit, etwas zu verändern, habe man bereits erkannt, schreibt die Stadtverwaltung weiter. Mit der Umsetzung des 2013 aufgelegten »Fahrradförderprogramm V« habe man den richtigen Weg eingeschlagen. Noch in diesem Jahr soll in der Rammersweierstraße stadtauswärts ein Radschutzstreifen eingerichtet werden. Den bisherigen Radweg könnten dann allein die Radler nutzen, die stadteinwärts unterwegs sind. Auch in der Ortenberger Straße soll es von der Kreuzung Weingartenstraße bis in Höhe Edeka einen Radschutzstreifen geben, kündigt die Stadt an.

Helmut Schönberger, Sprecher des ADFC im Orte­naukreis, begrüßt die geplanten Neuerungen: »Offenburg hat sich zu lange auf seinen Lorbeeren ausgeruht und muss jetzt unbedingt etwas tun.« Einige Lichtblicke gibt es aber für die Stadt: So loben die Befragten etwa das Scherbentelefon und die separaten Ampelphasen für Radler. Auch die öffentlichen Leifahrräder und der Winterdienst werden positiv bewertet.

 

Zum Weiterlesen:

Hintergrund

Aufregerstellen

In der Befragung des ADFC­ wurden einige Stellen genannt, die besonders für Kritik sorgen:

  • Weingartenstraße: In der Weingartenstraße wird moniert, dass auf Höhe der Post immer wieder Falschparker ein Durchkommen erschweren würden. Auf dem Abschnitt in Zell-Weierbach werde zudem trotz schmaler Fahrbahn und Gegenverkehr überholt. Ein Radweg fehlt.
     
  • Schillerplatz/Nordoststadt: Zugeparkte Fahrradwege sorgen am Schillerplatz und in der Luisen­straße für Unmut. Immer wieder komme es zudem vor, dass haltende Autofahrer die Türen öffneten, ohne auf Radfahrer zu achten.
     
  • Freiburger Straße/Okenstraße: Kritisiert wird der schlechte Zustand der Radwege, teilweise fehlen Abschnitte. Blockierte Radwege auf Höhe der Volksbank und am Bahnhof sorgen für Verdruss.
     
  • Kreisverkehre: Die Befragten schildern gefährliche Situationen, weil Radfahrer nicht von Autofahrern beachtet werden. Statt den Radverkehr um die Kreisel herumzuführen, sollten diese auf der Fahrbahn entlang geführt werden.

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