Nachruf

Offenburger Fasent-Urgestein Rudi Junker ist tot

Autor: 
Volker Gegg
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
16. Oktober 2020

Fasent-Urgestein Rudi Junker bei seinem 90.Geburtstag im vergangenen Jahr. ©Volker Gegg

Ein Offenburger Fasent-Urgestein, Muttersprochler und Hobbygärtner lebt nicht mehr. Rudi Junker, Ehrenmitglied der Althistorischen Narrenzunft, verstarb vergangene Woche im Alter von 90 Jahren. 

Sein verschmitztes Lächeln war legendär und sein oft trockener Humor beispielhaft. Rudi Junker als Fasent-Urgestein zu bezeichnen, ist keinesfalls eine Übertreibung. Er war für viele Offenburger das Gesicht der Althistorischen Narrenzunft und damit auch für seine beliebte Bohneburger Fasent. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag vergangene Woche verstarb Junker im Alter von 90 Jahren im Kreise seiner Familie. Fast vor einem Jahr, am 4. November, feierte der Offenburger mit Familie, Freunden und Weggefährten noch seinen 90. Geburtstag. 

Legende geworden

Als Fasnachter ist Junker längst zu Lebzeiten eine Legende geworden. „Mit 90 bin ich zwar nicht mehr so gut zu Fuß, aber ich habe meinen Rollator vor der Tür stehen, den ich meinen Rolls-Royce getauft habe“, äußerte der Verstorbene noch bei seinem letzten Geburtstags gegenüber dem Offenburger Tageblatt. 

Der gebürtige Offenburger, der als Sohn von Zimmermeister Ludwig Junker und Ehefrau Alice in der Friedenstraße aufgewachsen ist, trat zunächst beruflich in die Fußstapfen seines Vaters und seines vier Jahre älteren Bruders Horst. Als die Lehre noch nicht ganz beendet war, sollte er noch kurz vor dem Kriegsende Soldat werden. Es kam aber nicht mehr so weit. Junker wurde am 12. April 1945 während des Artilleriebeschusses von Offenburg durch Granatsplitter verwundet und kam ins Lazarett. 

Nach seiner Genesung beendete Junker zunächst seine Lehre und arbeitete dann im elterlichen Betrieb. Anfang der 50er-Jahre absolvierte Junker das Technikum in Karlsruhe und arbeitete als Bautechniker zunächst in mehreren Konstruktionsbüros, bevor er bei der Städtischen Wohnbau für die Grunstücksbetreuung verantwortlich wurde. Nach zehn Jahren wechselte Junker ins Bauamt der Stadt, in dem er mit viel Engagement bis zu seinem Ruhestand 1993 tätig war. 

- Anzeige -

Im Privatleben kam bei Rudi Junker keine Langeweile auf. So kannten ihn viele ältere Offenburger als aktiven Musiker bei der Tanzband „Teddys“. Seit 1951, als er aktives Mitglied der Althistorischen wurde, war Junker aus der Offenburger Fasent nicht mehr wegzudenken. Ob als Trommler beim Fanfarenzug, Ranzengardist oder vertretungsweise mit der Veef als Andres – bereits in seinen Jugendjahren war Junker eine große Nummer in der Bohneburger Fasent. Auch bei der Redoute als „Abrosi“ war Junker unvergessen. Seine Auftritte mit seinem verstorbenen Fasentkumpel Willi Müller waren legendär und bleiben auch heute noch unvergessen. 

Publikum begeistert

Viele Jahre war er als Bott aktiv und von 1966 bis 2001 Pfeddri der Zunft. Bis Anfang 2000 gab es kaum einen Kellerabend oder eine Redoute ohne einen Bühnenauftritt von ihm. Mit seinem urwüchsigen Humor verstand es Junker, das Publikum zu begeistern. Er war nicht nur Ehrenmitglied, sondern wurde auch zum Ehrennarrenrat ernannt. Dabei war ihm die alemannische Mundart stets wichtig. So zählt er zu den Gründungsmitgliedern der Muttersproch-Gesellschaft Offenburg. 

Eine weitere Leidenschaft war bis ins hohe Alter hinein das Gärtnern, ganz egal ob direkt am Eigenheim oder in seinem beliebten Schrebergarten. So trat Junker 1968 der Gemeinschaft der Gartenfreunde bei und war lange im Vorstand aktiv. Dies alles wäre natürlich nicht ohne den Rückhalt seiner Ehefrau Inge, geborene Haas, möglich gewesen, die er am 2. Februar 1963 vor den Traualtar geführt hat. Drei Kinder, zwei Töchter und ein Sohn, gingen aus der Ehe hervor. Seine sieben Enkel waren Junker bis zuletzt eine große Freude. 

Die Urnenbeisetzung von Rudi Junker findet am Mittwoch, 21. Oktober, um 11 Uhr auf dem Weingartenfriedhof statt. 

Weitere Artikel aus der Kategorie: Offenburg

vor 1 Stunde
Serie "Stille Helfer": Ursula Birr aus Nordrach
„Die stillen Helfer“ (32): Eine Serie im Offenburger Tageblatt über Menschen, die sich weit übers übliche Maß für andere einsetzen und dabei gerne im Hintergrund bleiben möchten. Heute: Ursula Birr aus Nordrach, die eine Frau der Tat ist, wenn es ums Helfen geht.
vor 1 Stunde
Kreativsitzung
Die Jugendabteilung des Musikvereins Windschläg hatte die musikalische Zwangspause nicht ungenutzt verstreichen lassen. Nach Wochen und Monaten ohne die Möglichkeit gemeinsam in der Jugendkapelle musizieren zu können haben sich die Jugendleiterinnen Isabell Koch und Stefanie Knapp Anfang August...
vor 9 Stunden
Neuried - Ichenheim
Das Naturschutzgeniet Salmengrund soll ökologisch aufgewertet werden – vielen Ichenheimer Ortschaftsräten ist aber die maschinelle Bearbeitung lieber als die Büffel. Weitere Termine sind notwendig.
vor 9 Stunden
Interessante Erkenntnisse zur Corona-Zeit
Was macht die Corona-Pandemie mit den Frauen? Dieser Frage ist das Netzwerk „Frauen und Beruf“ in einer Online-Veranstaltung nachgegangen. Am Donnerstag wurden die Ergebnisse in Offenburg präsentiert.
vor 10 Stunden
Neue Corona-Verordnung
Restaurants und Bars in Offenburg müssen seit Samstag ihre Gäste wegen des Coronavirus um 23 Uhr nach Hause schicken. Ein Bar-Besitzer stöhnt: „Wir haben uns rangekämpft – und jetzt das!“
vor 11 Stunden
Kriege überstanden und Corona hoffentlich auch
Mit einem abwechslungsreichen Programm für jedes Alter gastiert der traditionsreiche 1824 gegründete Familiencircus ­Manuel Weisheit aus Neustadt an der Weinstraße noch bis zum Sonntag 1. November in Offenburg. 
vor 11 Stunden
Offenburg
Ein kleiner Igel verdankt aufmerksamen Anwohnern womöglich sein Leben: Das Tier war in der Offenburger Grabenallee in einem Loch eingeklemmt und musste von der Feuerwehr befreit werden.
vor 12 Stunden
Offenburg
Gleich zwei Frauen haben am Montag in Offenburg Anzeige gegen einen noch unbekannten Mann erstattet, der sich vor ihnen entblößt haben soll. Eine der Frauen habe der Mann verfolgt.
vor 14 Stunden
Freigabe Laubenweg fürs Baugebiet "Unteres Ahfeld"
Mit der Freigabe des „Laubenwegs“ wurde das innerörtliche Baugebiet „Unteres Ahfeld“ seiner Bestimmung übergeben. Am Ortsrand ist Platz für elf Bauwillige.
vor 14 Stunden
Neuried - Altenheim
Der Ortschaftsrat Altenheim sperrt mit Mehrheit einen Baggersee und erklärt ihn zur Ruhezone. Damit will man den starken Freizeitdruck von der Natur nehmen. 
vor 14 Stunden
Zumindest den Hunger gestillt
Das Bohnenfest in Sasbachried glänzt normalerweise durch beste Stimmung. In diesem Jahr waren die Rieder Dorfmusikanten froh, dass sie wenigstens viele Mahlzeiten verkaufen konnten.
vor 15 Stunden
Eingeschränkte Hallennutzung
Informationsrunde im Zunsweierer Ortschaftsrat: Das Bildungshaus und das Foyer in der Halle sind wegen Corona nur noch eingeschränkt nutzbar. Auch der Mehrgenerationenplatz war Thema.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Bei Möbel Seifert in Achern werden fünf Jahre lang Serviceleistungen bei Polstermöbeln garantiert.
    21.10.2020
    Große Herbstaktion bei Möbel Seifert: 5 Jahre Service für neue Polstermöbel
    Möbel Seifert in Achern ist dafür bekannt, dass Angebot und Service ständig optimiert werden. Nach der Sortimentserweiterung um die HOME-Kollektionen werden aktuell bis zum 14. November Herbst-Aktionswochen geboten. Sie beinhalten Sparpreis-Angebote in allen Sortimenten sowie Serviceleistungen bei...
  • Das Team der Postbank Finanzberatung und der Postbank Immobilien Ortenaukreis.
    20.10.2020
    Das Postbank Immobilien Team Ortenaukreis bietet Kompetenz rund um die eigenen vier Wände
    Ein neuer Job in einer anderen Stadt oder unerwarteter Nachwuchs - Gründe, die eigene Immobilie zu verkaufen oder sich eine Neue zu suchen, gibt es viele. Um die Ausschau nach geeigneten Interessenten oder Angeboten schneller voranzutreiben, ist es ratsam, auf die Unterstützung von Profis zu zählen...
  • Petra Brosemer ist Immobilienfachwirtin und Inhaberin von Brosemer Immobilien in Zell am Harmersbach.
    16.10.2020
    Fair, transparent und ehrlich: Brosemer Immobilien vermittelt Werte
    Wenn ein Haus oder eine Wohnung die Eigentümer wechseln, dann ist das sehr viel mehr als nur ein Gang zum Notar. Eine Immobilie zu vermitteln heißt auch immer, zwischen Menschen zu vermitteln. „Wir können beides“, sagt Petra Brosemer, Immobilienfachwirtin und Inhaberin von Brosemer Immobilien in...
  • Die App heyObi bietet viele Vorteile für die Kunden.
    12.10.2020
    Herunterladen und 10 % Rabatt kassieren – nur im Oktober / 7 Obi-Märkte in der Region sind dabei
    Die kostenlose heyObi-App ist der digitale Begleiter im Alltag und bietet Inspiration sowie zahlreiche Tipps und Tricks rund um Haus und Garten. Registrierte Nutzer der App genießen weitere attraktive Angebote, wie zum Beispiel die digitale Beratung von Fachberatern, zielgerichtete Navigation in...