Konzept 2035

Offenburger Verkehrschef stellt Senioren Zukunftspläne vor

Autor: 
Stephanie Baumbach
Lesezeit 5 Minuten
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12. Juni 2021
„Radschutzstreifen sind unbeliebt“, erklärte Thilo Becker, Verkehrschef der Stadt Offenburg. Doch es gebe eine Debatte unter allen Verkehrsteilnehmern, wer wie viele Zentimeter des begrenzten Raumes bekommt.

(Bild 1/2) „Radschutzstreifen sind unbeliebt“, erklärte Thilo Becker, Verkehrschef der Stadt Offenburg. Doch es gebe eine Debatte unter allen Verkehrsteilnehmern, wer wie viele Zentimeter des begrenzten Raumes bekommt. ©Stadt Offenburg

Wie sieht der Verkehr im Jahr 2035 in Offenburg aus und was kann sofort verbessert werden? Diese Fragen beantwortete Thilo Becker, Verkehrschef der Stadt Offenburg, vor.

In der Reithalle stellte der Verkehrschef Thilo Becker am vergangenen Mittwoch die Verkehrskonzepte der Stadt Offenburg dem Seniorenbeirat vor. Dabei ging es in erster Linie darum, den zeitlichen Fahrplan und die Ziele des „Masterplans Verkehr 2035“ darzustellen. Im zweiten Teil wurde über die aktuellen Ergebnisse des Aktionsplans
ÖPNV informiert.

Becker betonte, dass es sich beim Masterplan um ein langfristiges Verkehrskonzept handelt. Das aktuelle stammt aus dem Jahr 1994. Becker und Bürgermeister Hans-Peter Kopp bekräftigten, dass es höchste Zeit für eine Fortschreibung sei.

Laut Kopp fände ein Paradigmenwechsel statt: „Das Auto hat nicht mehr erste Priorität.“ Dennoch werde der Verkehr noch immer „stark vom Auto gemacht“. Zusätzlich sei der Straßenraum nicht beliebig ausbaubar. Heute teilten sich Auto, Bus, Fußgänger, Fahrradfahrer, E-Roller und Pedelec diesen Raum. Daneben fordern der demografische Wandel und der Klimaschutz ein Neudenken der Verkehrplanung.

Der Masterplan befände sich in der Phase I, in der es um das Leitbild und die Ziele gehe. Im März habe eine Gemeinderatsklausur online stattgefunden, in der konstruktiv diskutiert worden sei. Der Masterplanbeirat habe dazu aufgefordert, „die Ziele noch mutiger zu formulieren“. Zudem habe ein Onlinebeteiligung stattgefunden, an der sich 210 Offenburger beteiligt hätten.

Chancen und Mängel

Für Juli sei eine weitere zum Thema Chancen und Mängel im Stadtverkehr geplant. Um Bürger zu erreichen, die keine Möglichkeit zur Online-Beteiligung hätten, sei ein Angebot vor Ort an sechs Standorten angedacht. Nach der Sommerpause treffe sich der Masterplan-Beirat, der unter anderem aus Vertretern des ADAC Südbaden, des ADFC Offenburg, der IHK Oberrhein und dem Seniorenbeirat besteht.

Angelika Wald erkundigte sich, inwieweit die Bedürfnisse der Senioren und die Ergebnisse des Berichts „Älterwerden in Offenburg“ berücksichtigt werden. Becker und Kopp erklärten, dass Berichte immer wieder in die Bewertung einfließen. Allerdings könne die Planung zehn bis 15 Jahre dauern.

Angelika Wald erkundigte sich darüber hinaus, ob die Ampelzeit an der Wilhelmstraße/Unionbrücke verkürzt wurde. Das bejahte Becker, und zwar von 120 auf 90 Sekunden und betonte: „Solange man bei Grün geht, ist die Sicherheit gewährleistet.“ Die Sorge, das Gehschwächere nicht die Überquerung schaffen, sei unbegründet.

Irene Hildebrand fragte, ob die Anbringung von einem speziellen Knopf, beispielsweise der „Mit Kinderwagen“-Knopf in Freiburger Verkehrsmitteln, eine denkbare Lösung sei. Kopp erwiderte, dass „Ampeln sehr komplexe und miteinander vernetzte Systeme“ sind. Eine Taktung lasse sich nicht einfach ändern.

Becker versprach, die Sachlage zu klären, wenn ihm Probleme an konkreten Ampeln mitgeteilt werden. Daraufhin verwies Anna-Luise Schwanen auf eine Ampel in der Schutterwälder Straße, deren Signalton ständig und dauerhaft ertöne. Christoph Schmidt fragte, ob das Konzept „Diagonaler Fußgängerüberweg“ wie auf der Kreuzung Weingarten-/Moltkestraße ausgeweitet werden soll. Becker erklärte, dass er nicht versichern könne, dass sich das Konzept so beibehalten ließe. Als Nachteil nannte er lange Wartezeiten. Eine Ausweitung sei nicht geplant.

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Schutzstreifen unbeliebt

Wald wollte wissen, ob weitere Radschutzstreifen in Planung sind. Susanne Ripke wies darauf hin, dass in Rammersweier auf der Durbacher Straße der Fahrradschutzstreifen nicht genutzt werde, da er als nicht sicher empfunden werde.

„Radschutzstreifen sind unbeliebt,“ erklärte Becker. Er verstehe das Bedürfnis der Radfahrer, abgetrennt vom Kfz-Bereich zu sein. Große Diskussionen gebe es immer wieder um die Frage „Wer bekommt wie viele Zentimeter“ des Verkehrsbereichs. Kopp erklärte, dass um 1960 die Verkehrsplanung ausschließlich dem Auto untergeordnet worden sei. Heute gebe es aber mehr Akteure und Interessen.

Busfahren soll attraktiver werden

Thilo Becker bestätigte , dass in der Startphase des Offenburger Stadtbusses 2017 nicht alles rund gelaufen ist. Die Nutzerzahlen hätten sich zudem durch Corona verringert. Oberste Priorität sei die „Steigerung der Attraktivität“. Der Gemeinderat habe daher 152 000 zusätzliche Fahrkilometer beschlossen. Das bedeute Fahrten bis spät in den Abend und am Wochenende.

In allen Stadtbussen gebe es nun WLAN, und auch die Fahrradmitnahme soll möglich gemacht werden. Das Regionalbusangebot soll ausgeweitet und die Linienführung vereinheitlicht werden. Dazu kämen neue Haltestellen, wie beispielsweise An der Tagmess. Neben den zusätzlichen Kilometern soll auch ein neues Ticket-Angebot ab dem 1. August besonderen Anreiz schaffen: Eine einfache Fahrt im Stadtgebiet wird 1,50 Euro kosten. Wird ein Viererticket gekauft, zahlt man nur einen Euro pro Fahrt.

Das Ticket gelte werktags ab 9 Uhr, damit soll verhindert werden, dass Monatskarten gekündigt werden. Die Finanzierung soll aus der Anpassung der Parkgebühren erfolgen. Die letzte habe es zuletzt vor rund 20 Jahren gegeben, während die Fahrtarife jährlich angepasst wurden. Nicht denkbar ist der Einsatz von Minibussen, erklärte  ürgermeister Hans-Peter Kopp, da die Betriebskosten und Personalkosten gleich blieben. Die Busse entsprächen den Abgasstandards, ergänzte Becker.

Anna-Luise Schwanen wollte wissen, ob eine kostenlose Buskarte Senioren motivieren könne, auf ihr Auto zu verzichten. Kopp gab zu bedenken, dass dies nur als ein „einmaliges Angebot“ gedacht werden könne, und verwies auf die günstigen Ein-Euro-Tickets. Das bestehende Anrufsammeltaxi-Konzept habe überarbeitet werden müssen, teilte Becker mit. Ab Dezember dieses Jahres soll das Anruf-Linien-Taxi starten. Die Fahrten sollen per App oder telefonisch gebucht werden können. Der Fahrplan gehe bis weit in die Nacht auf acht Linien. Der Takt sei stündlich.

Taxis auf Buslinien

Die Taxis werden den Buslinien folgen, erläutert Becker: „Es wird keine Haustürbedienung geben, dafür darf aber zwischen zwei Haltestellen gehalten werden.“ Die Nachbargemeinden seien mit eingebunden, die Preise entsprächen dem Tarifverbund Ortenau-Tarif. Die Taxis seien normale PkWs oder Kleinbusse. Für den Bereich sei ein Rollstuhl- und Großraumtaxi eingeplant. Kopp gab an, dass der Stadtbus bis 22 Uhr fahre, danach könne ein Anruf-Linien-Taxi bestellt werden.

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