Weinguide erläutert Weine

Offenburger Weinwandertag: Das sind die Besonderheiten

Autor: 
Torsten Sälinger
Lesezeit 3 Minuten
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01. September 2019
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An sieben Ständen können sich die Besucher des Weinwandertags durch die Weine der örtlichen Betriebe probieren. Es gibt einige Besonderheiten zu entdecken.

(Bild 1/2) An sieben Ständen können sich die Besucher des Weinwandertags durch die Weine der örtlichen Betriebe probieren. Es gibt einige Besonderheiten zu entdecken. ©Archivfoto: Stephan Hund

Der Offenburger Weinwandertag am Sonntag, 1. September, ist nicht nur die ideale Verbindung von Landschaft und Weingenuss, er ist auch eine Weinprobe, die sich auf 8,2 Kilometern erstreckt. Weinguide Torsten Sälinger hat sich bei den Weinbaubetrieben umgehört und stellt die Besonderheiten vor.

Wer in Rammersweier startet, hat die »Glücksgefühle«, welche die Wanderung hervorrufen wird, noch vor sich, oder gleich im Glas. Der gleichnamige Wein der Winzergenossenschaft Rammersweier vereint die weiße Leitsorte der Ortenau, den seit Jahrhunderten angebauten Riesling, den 1882 gezüchteten Müller-Thurgau mit der Neuzüchtung Muscaris, einer Kreuzung aus Solaris und gelbem Muskateller, in einer feinherben Cuvée.

Muscaris ist, dank seiner Mutter Solaris, eine pilzwiderstandsfähige Sorte (PIWI), die 1987 in Freiburg gezüchtet wurde. Durch Kreuzungen von asiatischen, amerikanischen und europäischen Reben ist es in den vergangenen Jahrzehnten gelungen, Rebsorten zu züchten, die gegen die gefürchteten Pilzkrankheiten Mehltau, Peronospora und Botryris widerstandsfähig sind. Sie brauchen weniger Pflanzenschutzmittel. Wer sich mit Aromen von Muskat und Zitrus auf den Weg machen will, greift zu dieser Cuvée aus deutscher Weintradition und ökologischem Fortschritt.

Ein seltener Wein

Das 2015 gegründete Weingut Pieper Basler ist erstmals beim Weinwandertag dabei. Hier gibt es Viognier, eine seltene Rebsorte aus dem Rhône-Tal. Der Weißwein beeindruckt mit komplexen Aromen von gelbfleischigen Früchten und Orangenschale. Da die Rebe ertragsarm und arbeitsaufwendig ist, war sie vor 50 Jahren fast verschwunden. Nur noch 14 Hektar, das entspricht einer Fläche von 20 Fußballfeldern, waren mit ihr bestockt. Auch wenn sich die Anbaufläche heute weltweit auf 12 000 Hektar erhöht hat, ist Viognier noch immer ein seltener und teurer Wein.

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Jochen Basler hat die Sorte nach Zell-Weierbach gebracht. Er baut seinen Viognier trocken im Eichenfass aus. Die Rebsorte kommt mit trockenen Sommern gut zurecht. Die Weinwanderung ist eine gute Gelegenheit, den 2018er-Jahrgang kennenzulernen.

Wer süßeren Wein bevorzugt, findet bei Pieper Basler sogar einen echten Franzosen, einen Gewürztraminer, der aus Trauben von über 50 Jahre alten Reben geerntet wird. Basler baut ihn, entsprechend den Anforderungen für ökologischen Wein, im 80 Kilometer entfernten elsässischen Riquewihr aus. 

Nach der Wolfsgrube befindet sich der nächste Weinstand direkt oberhalb des ältesten Weinberges des VDP-Weingutes Freiherr von und zu Franckenstein: der Zell-Weierbacher Einzellage »Neugesetz«. »Neu gesetzt« wurden dort erstmals Reben vor über 500 Jahren. Aus dieser Lage gibt es am Weinstand des Weingutes, das seit 2013 komplett auf organische Düngung umgestellt hat, als VDP-Ortsweine Traminer, Riesling und Spätburgunder vom Granit. Besonders der Riesling Granit lässt mit seiner Mineralität den Boden sprechen.

Mit dem 2018er »Monarch Rosé« gibt es hier einen Wein, der seine kräftige Farbe der Freiburger Neuzüchtung Monarch verdankt. 1988 wurde die neue Rotweinsorte aus dem roten Dornfelder und dem weißen Solaris gekreuzt. Durch die Kreuzung mit der PIWI-Sorte ist auch Monarch pilzwiderstandsfähig.

  • Welche Besonderheiten es am Sonntag an den Ständen der Weinmanufaktur Gengenbach-Offenburg, des Familienweinguts Renner und des Weinguts Schloss Ortenberg gibt, folgt in einem weiteren Artikel.
Info

Weinwandertag

Der Offenburger Weinwandertag mit sieben Stationen am Sonntag, 1. September, findet von 11 bis maximal 20 Uhr (an den Endstationen) statt. Führungen mit Weinguides beginnen um 11.30 Uhr und um 12 Uhr an den Ständen der WG Rammersweier und des Weinguts Schloss Ortenberg. Es gibt einen Shuttleservice.

Hintergrund

Der Autor und die Weinguides

Der Ortenberger Torsten Sälinger (50) ist frisch gebackener Absolvent einer Weinguide-Ausbildung, die das Weinparadies Ortenau und die VHS Ortenau gemeinsam anbieten. Er selbst wird am Sonntag, 1. September, beim Weinwandertag nicht als offizieller Weinguide aktiv sein, aber eine Gruppe privat durch die Reben führen.

Die Ausbildung zum Weinguide beginnt jeweils im Oktober, dauert zehn Monate und endet mit einer schriftlichen und mündlichen Prüfung. Die Teilnehmer bekämen »eine 360-Grad-Sicht« auf das Thema Wein, schwärmt Sälinger. »Es hat mich schwer begeistert«, sagt er. 
Inhalte der Ausbildung sind die verschiedenen Rebsorten, die Arbeit im Keller, die Organisationsformen von Winzern und Weinbaubetrieben, die geschichtliche Entwicklung des Weinbaus, aber auch der Vergleich Baden/Elsass, »Weinfehler« oder der Wein als »Essenspartner«.

Weitere Infos gibt es bei der VHS Ortenau per E-Mail an info@vhs-ortenau.de oder beim Weinparadies Ortenau e.V., E-Mail info@weinparadies-ortenau.de

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