Offenburg

Offenburgs größtes Konzert aller Zeiten

Ursula Groß
Lesezeit 4 Minuten
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03. Juni 2016

(Bild 1/3) ©Stadtarchiv

Als Offenburg einmal Woodstock war, das war am 6. Juni vor genau 40 Jahren. Rund 20 000 Fans feierten auf den Messewiesen das »Sunrise-Festival« mit Bob Marley und vielen weiteren Größen. Friedlich und sanft, ganz entgegen der Befürchtungen der Leute, die das Spektakel verhindern wollten. Noch heute ist dieses Spektakel unzähligen Offenburgern unvergessen. 
 

Im Frühjahr 1976 ging ein Riss quer durch die Stadt. Das geplante »Sunrise-Festival« an Pfingsten löste im Vorfeld heftiges Pro und Kontra aus. »Wie super ist das denn, dass die größten Rockstars aller Zeiten nach Offenburg kommen!«, freuten sich die einen. Den anderen erschien es, als ob der ruhigen Stadt die Invasion der Außerirdischen bevorstand. Was war am 6. Juni 1976 wirklich los? 

Tatsächlich, es kamen die ganz Großen der Rock-Band-Szene. Die da hießen: Van der Graaf-Generator, The Kinks, Wishbone Ash, War, Man, Stephen Stills und fast unglaublich, auch Bob Marley & The Wailers gaben sich die Ehre. Rund 20 000 lagerten auf den Messewiesen und machten friedlich Party. Deutschlandweit hatte die Ankündigung des Festivals die jungen Fans elektrisiert, also auf nach Offenburg, wo immer das auch liege. Obwohl: Berühmte Bands wie Jethro Tull, Led Zeppelin, Procol Harum und Santana, die auch schon da waren, hatten die badische Stadt längst zum Mekka der Rockmusik hochgepowert. Der großen Messehalle wegen. Alles noch »indoor« – ja, diesen Begriff kannte man schon. 

Doch an Pfingsten 1976 sollte sich ein Konzert zum ersten Mal »outdoor« abspielen, und das über drei Tage. Sofort hatte sich massiver Protest geregt. »Die Ankündigung einer dreitägigen Open-Air-Veranstaltung hat in den benachbarten Wohngebieten, Uffhofen, Albersbösch und Hildboltsweier, große Ablehnung und Empörung ausgelöst«, hieß es in einem von unserer Zeitung dokumentierten Schreiben. »Die bis zu zehntausend erwarteten Besucher könnten dann in unserem Wäldchen oder im Gifizbereich übernachten«, wilde Musik, Langhaarige, Drogen und überhaupt. Lärm, Dreck und Chaos direkt vor der eigenen Haustür, nicht auszudenken, was die Rocker-Horde sonst noch anstellen könnte, folgten unzählige Kommentare. 

Die damalige FDP-Fraktion hatte im Stadtrat einstimmig gegen die Veranstaltung gestimmt. Doch der damali­ge­­ Messe-Chef Max Elble hatte mit dem Veranstalter Sunrise bereits den Vertrag unterzeichnet. Er und SPD-Oberbürgermeister Martin Grüber, der bekanntlich aus der Großstadt Frankfurt gekommen war, sahen das Ganze als lösbar an. Nach Sitzungen, Besprechungen, Leserbriefen und zähen Abwägungen gab zudem Offenburgs legendärer Bauunternehmer Louis Fischer die Parole aus: »Jetzt machen wir halt das Beste aus dem Festival.«  

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Immerhin: Die drei geplanten Tage wurden auf einen eingedampft. Auf Pfingstsonntag, 6. Juni 1976, bis 22 Uhr. »Ausgerechnet an einem christlichen Festtag«, traten etliche Kirchgänger nach. Doch dann kamen sie. Zu Hunderten, mit Rucksack, Zelt, Liegematte. Bereits am Vortag wurde der Messeplatz von den Musikfans geflutet. Die Polizei bekam Urlaubssperre. »Für die Rockfans müssen alle Polizisten strammstehen«, hatte die Zeitung getitelt. Bereits ab 5 Uhr am besagten Tag versuchten die Fans, die zu aller Überraschung Frühaufsteher waren, den besten Platz vor der neuartigen Doppelbühne zu ergattern. Schilfmatten rund um das Messegelände sollten Sichtschutz auf die Menge bieten, allein der Anblick der »merkwürdig gekleideten Leutchen« sollte dem braven Bürger wohl erspart bleiben.  

Geduldig harrten die Fans stundenlang vor Konzertbeginn auf den Wiesen aus. »Ja, doch, manche zarte Kifferwolke waberte gen Himmel«, erinnert sich Gottfried Dittrich, der einen Platz ganz nah an seinen Idolen erwischt hatte. Anders als heute, saß man bei diesen Konzerten auf dem Boden. Archiv-­Bilder vermitteln den Eindruck einer entspannt lagernden Masse. Die Anwohner hätten die extra aufgestellten Dezibel-Messer auf den Balkonen gar nicht gebraucht. Echte Hingabe an die Musik, ganz ohne Tanzen, Schreien und Hüpfen, war stilmäßig angesagt. Es gab auch kaum »Vorfälle«, alsbald zog der Polizeichef 200 von insgesamt 500 Polizisten ab. 

Die Sonne glühte, die Bands wechselten fliegend. »Abgeliefert« hätten Marley und Konsorten voll und ganz. So lange, bis um Mitternacht ein Spielverderber den Hauptstecker gezogen hat. Das Gerücht, dass es die Uffhofener gewesen seien, hält sich hartnäckig. Noch lange hockten die begeisterten Fans auf den Messewiesen beisammen, Getränke waren irgendwo zu bekommen, erinnert sich Dittrich. Hautnah war man bei einem gefühlten Jahrhundert-Event dabei gewesen, dieser Spirit schweißte die Fans zusammen. Unglaublich habe das »Gitarrenwunder« der Band »Wishbone Ash« die Sache gerockt. 

Am nächsten Morgen war aus dem Festivalgelände eine einzige Müllhalde geworden, die sich bis in die Stadt hineinzog. 81 Personen hatte die Polizei wegen Verstoßes gegen das Rauschmittelgesetz »behandelt«, drei Diebstähle hatte es gegeben sowie einen Haftbefehl. »A-La-La-La-La-Long«, hatte Bob Marley mit inbrünstigem Soul zelebriert. »Wie cool war das denn?«, wundern sich die heute Jungen über ihre einst so wilden »Alten«.

Info

Bilder gesucht!

AUFRUF: Wer Fotos von dem Sunset-Festival 1976 in Offenburg hat, kann diese gerne an lokales.offenburg@reiff.de mailen, per Post an die OT-Lokalredaktion, Hauptstraße 83a, 77652 Offenburg, schicken oder in der OT-Geschäftsstelle am Stadtbuckel abgeben. Bitte schreiben Sie Ihren Namen und Telefonnummer und eine kurze Beschreibung des Fotos dazu. Vielen Dank!

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