Offenburg

OT-Leser zu Gast bei Huber Kältemaschinenbau in Elgersweier

Autor: 
Florian Pflüger
Lesezeit 4 Minuten
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13. September 2017

©Peter Heck

Wie sich ein Offenburger Familienunternehmen mit Spezialprodukten auf dem Weltmarkt behauptet, wurde einmal mehr beim »Offenen Werkstor« sichtbar. 20 OT-Leser haben im Rahmen der Sommeraktion hinter die Kulissen von Huber Kältemaschinenbau geschaut.
 

Frieren mussten die 20 OT-Leser nicht, als sie am vergangenen Donnerstag im Rahmen der Sommeraktion »Offenes Werkstor« zu Gast am »kühlsten Ort der Ortenau« waren. Zwar werden bei Huber Kältemaschinenbau in Elgersweier Temperaturen bis minus 125 Grad Celsius erzeugt (und bis plus 425). Aber die Geräte, die das mehrfach mit Preisen ausgezeichnete, 1968 von Peter Huber gegründete Unternehmen herstellt, werden ja nicht für die Raumluft, sondern für die Temperierung von Flüssigkeiten genutzt – beim Kunden.

Und diese Kunden sind vor allem in der Chemie- und Pharmaziebranche zu Hause. Aber auch im Bereich Automotive und für die Raumfahrt stellt das Unternehmen aus Elgersweier Lösungen bereit. Die Herausforderungen, die es zu meistern gilt, erläuterte Firmenchef Daniel Huber an einem Beispiel: »Sie sitzen im Flugzeug, starten in der Wüste und fliegen dann rauf auf 10 000 Meter.« Von 40 Grad plus auf 50 Grad minus – das seien »riesige Temperaturunterschiede«. Werden solche Prozesse getestet, kommt die Technik von »Kälte-Huber« ins Spiel. 

Seit der Tüftler und Autodidakt Peter Huber, damals einer der ersten Kälteanlagenbauer überhaupt, seine ersten Schritte machte, hat sich einiges getan: 1976 wurde der kleinste Kältethermostat der Welt entwickelt, 1980 kam der »Plug-and-play«-Regler auf den Markt, ein austauschbarer digitaler Regler für sämtliche Laborthermostate. Huber lieferte seine Geräte längst nicht mehr an regionale Destillationsfabriken, sondern an Großunternehmen wie BASF, Novartis oder Roche. Sein Vater sei immer jemand gewesen, »der schaut, wo man etwas verbessern kann«, sagte Daniel Huber, der zusammen mit seinem Bruder Joachim das Unternehmen führt; mit den Schwestern Beatrice (Finanzbuchhaltung) und Bärbel (Export) sind insgesamt vier der fünf Kinder von Peter Huber im Familienunternehmen beschäftigt.

Es begann mit »Tango«

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Als »richtige Revolution« in der Kältetechnik bezeichnete Daniel Huber die Erfindung des »Tango« Ende der 80er-Jahre, der längst zum Klassiker geworden ist. Mit dem Gerät, der die Komponenten Thermodynamik und Elektrotechnik vereint, ist es möglich, in rascher Folge sehr hohe und sehr niedrige Temperaturen zu erzeugen. Die abrupten Bewegungen erinnerten den Firmengründer an den berühmten Tanz – daher der Name. 
»Der Tango ist ein bisschen älter geworden, aber er funktioniert noch immer«, betonte Daniel Huber. Und das passiert in Zeiten von Industrie 4.0 ganz unkompliziert: Wird irgendwo auf der Welt ein Huber-Gerät in Betrieb genommen, kann es von Offenburg aus angesteuert werden.

Eine Besonderheit: Produktion und Entwicklung von Huber Kältemaschinenbau mit seinen derzeit 300 Mitarbeitern, davon rund 40 Auszubildende, sind ausschließlich in Offenburg angesiedelt. Niederlassungen gibt es aber auch in der Schweiz, in Italien, in Indien und den USA. Auch in Brasilien und Russland sitzen Mitarbeiter. Im nächsten Jahr wolle man noch verstärkt in Großbritannien und China vertreten sein, kündigte Daniel Huber an. Mit einer eigenen Firma in Großbritannien wolle man auch dem Brexit entgegenwirken. 

Was China betrifft, hatte der Firmenchef eine Anekdote parat. Auf einer Messe habe ihm ein Chinese stolz ein Gerät gezeigt, das aussah wie das aus dem Hause Huber. Damit, dass in Fernost kopiert werde, müsse man leben. Der Vorteil sei nach wie vor die eigene Qualität – und dass man sehr schnell reagieren könne, sobald ein Kunde einen Auftrag gebe. 

Gegen Ende der Führung bekamen die OT-Leser übrigens doch noch einen Eindruck davon, wie kühl es mithilfe der Huber-Geräte werden kann. An einer Maschine war ein riesengroßer Eisklumpen zu sehen, den jeder einmal anfassen durfte. Hier werde ein neues Kältemittel getestet, erläuterte Daniel Huber. »Was hier gefriert, ist die Luftfeuchtigkeit.«

NÄCHSTE FOLGE: »Film ab!« hieß es gestern für 50 Leser im »Forum«-Kino.

Hintergrund

Historie

  1968: Gründung der Firma von Peter und Elisabeth Huber als Meisterbetrieb im Kälteanlagenbauer-Handwerk in der Ortsmitte von Elgersweier.
  1982: Erste Kältethermostate (Kryostate) mit automatischer Kälteleistungsanpassung und wassersparendem Energiemanagement.
  1984: Eintritt aller fünf Kinder von Peter und Elisabeth Huber (1981 verstorben) als Gesellschafter.
  1993: Umstellung auf FCKW-freie Kältemaschinen.
  1997: Umzug des Firmengebäudes ins Industriegebiet Offenburg-Elgersweier (Hauptsitz).
  Seit 2005: Produktion mit natürlichen Kältemitteln, die die Vorgaben der globalen Greenhousepolitik (K6 Direktive) der Hoffmann-La Roche AG erfüllen, außerdem umweltverträgliche Kälteerzeugung durch Entwicklung von Systemen mit Prozesswärmekopplung. Primärenergien wie Dampf, Kühlwasser oder Flüssigstickstoff werden zur Temperierung genutzt. 
  Zuletzt 2017: Auszeichnung der Firma als »Innovator des Jahres« in der Größenklasse für Unternehmen über 200 Mitarbeiter.
  2017/2018 geplant: Vergrößerung des Verwaltungsbereichs und Verdopplung der Produktionsfläche in Elgersweier mit einer 2000 Quadratmeter großen Logistikhalle.

Info

Wussten Sie, ...

  ...dass Huber Kältemaschinenbau das erste Unternehmen in der Branche war, das natürliche Kältemittel genutzt hat?
  ...dass bei »Kälte-Huber« 1400 bestückte Europaletten im Hochregallager gestapelt sind und es sich um ein sogenanntes chaotisches Lager handelt?
  ...dass das Unternehmen für das kommende Jahr mit einem Wachstum von fünf bis zehn Prozent rechnet und zum 50. Geburtstag 2018 das Ziel von 50 Millionen Euro ausgegeben hat (aktuell: 42 Millionen Euro)?
  ...dass bei Huber nur im Ein-Schicht-Betrieb gearbeitet wird?

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