Offenburg

Pfarrer Norbert Großklaus predigt auf Alemannisch

Autor: 
Daniel Wunsch
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
14. Februar 2017

©Archiv

Bereits seit Mitte der 90er-Jahre hat es Tradition, dass der evangelische Pfarrer Norbert Großklaus (Foto) in der närrischen Zeit einen Teil seiner Predigt auf Alemannisch hält. So auch am Sonntag, 19. Februar, ab 10 Uhr in der evangelischen Stadtkirche, wenn sich Großklaus mit dem Thema »Wie wächst eine Frucht« närrisch-alemannisch beschäftigt. Im Interview mit dem Offenburger Tageblatt steht er Rede und Antwort rund um seine liebgewonnene »geistliche Büttenrede«.

Herr Großklaus, wie ist denn die Idee zu dieser außergewöhnlichen Form der Predigt entstanden?
Norbert Großklaus: Die Idee ist schon etwas älter und zu einer Zeit entstanden, als es noch die Kapuziner in Offenburg gab. Wir haben viel zusammengearbeitet. Mitte der 90er-Jahre – ich war gerade ein paar Jahre in der Ortenau – kam Pater Christopherus auf mich zu und meinte, wir müssten zur Fasentszeit etwas Besonderes machen. Und so entstand die Uridee, gemeinsam mit der Guggenmusikgruppe »Wierer Knallfroschcombo« eine Predigt auf Alemannisch zu halten. 

Wieso aber ausgerechnet Alemannisch?
Grossklaus: Ich bin in Ihringen am Kaiserstuhl aufgewachsen, deshalb ist alemannisch natürlich meine Muadasproch (lacht). 

Und Sie waren sofort Feuer und Flamme?
Grossklaus: Zunächst habe ich etwas gezögert, dann fand ich die Vorstellung aber super, und so hat sich eine Tradition entwickelt, die ihre Premiere in der katholischen Kirche in Weier hatte, und sich vor ungefähr sieben bis acht Jahren in die evangelische Stadtkirche verlagert hat. 

- Anzeige -

Somit predigen Sie schon seit Jahren in der Fasentzeit auf Alemannisch. Fällt Ihnen immer wieder etwas Neues ein?
Grossklaus: Ja, denn in jedem Jahr liegt meiner Predigt immer wieder eine andere Bibelstelle zugrunde. In diesem Jahr handelt es sich um ein landwirtschaftliches Thema: »Wie kann eine Frucht entstehen«, beziehungsweise »Wie wächst eine Frucht«. Der Gottesdienst ist dabei aber auch  auf hochdeutsch, hat aber immer wieder alemannische Einschübe. Wichtig ist, dass diese gereimt sind.

Was kann der Dialekt denn besser als Hochdeutsch?
Grossklaus: Der Dialekt ist bildreicher, konkreter und benutzt viel weniger Substantive. Ich würde nicht sagen, »das ist ein zweischneidiges Schwert«, sondern:  »Des schniedet uff beide Sidde«. Oder statt »Im Zentrum steht der Mensch« sage ich dann: »Es dreit sich alles um de Mensch.« Der Dialekt wiederholt auch sehr gerne: »Ihr liabe Litt« zum Beispiel wird ständig gesagt.

Bekommen Sie positive Rückmeldungen auf ihre »besondere Predigt«?
Grossklaus: Auf jeden Fall. Die Leute kommen, wie sie sagen, sehr gerne in den närrischen Gottesdienst zur liebgewonnenen »geistlichen Büttenrede« und fragen schon weit vor Fasent, wann ich denn das nächste Mal wieder alemannisch predige. Doch einmal im Jahr reicht vollkommen, sonst ist es ja nichts Besonderes mehr (lacht). 

Sind Sie selbst närrisch beziehungsweise in einer Zunft aktiv? 
Grossklaus: In einer Zunft bin ich selbst nicht, dafür bin ich aber sehr gerne mit einer kleinen Männerrunde in der närrischen Zeit unterwegs. 

Zitat

Mundartgschwätz

»Am Sunndig schwätz ich uff dr Kanzl in dr Schdatkirch wia jedes Johr an dr Fasnet wia mr dr Schnabl gwachsa isch. Uff kaisrschdialr-ihringr-alemannischi Mundart.
Det mich freia, wann dia Dama un Herra vu dr schriebende Zunft uff des hiewiesa deta. 
Narra kenna nedierlich eu vrkleidt kumma. Im Häs odr so. Fier a Indrfjuh schdand ich parat –bin zua alla Schandtata berait, damits d’Litt erfahar dian.«
Norbert Großklaus spricht auch in seiner offiziellen Information an die Pressevertreter alemannisch. 

Weitere Artikel aus der Kategorie: Offenburg

vor 43 Minuten
Günstigerer ÖPNV
Oberbürgermeister Marco Steffens  hat bei den 4. Offenburger Mobilitätstagen vor dem Rathaus die Einführung eines Ein-Euro-Tickets für das Stadtbus-Netz angekündigt.
vor 1 Stunde
In Zunsweier
In Zunsweier gibt es heute eine bemerkenswerte Feier – Herma Schug schaut auf 104 Lebensjahre zurück.
vor 2 Stunden
In Bühl
Bei zwei Ersatzpflanzungen von Bäumen in Bühl gab es Diskussionen im Ortschaftsrat. Dabei gab es unterschiedliche Meinungen zu zwei Baum­arten.
vor 2 Stunden
In Hohberg
Die Beliebtheit des Hohberger Ferienprogramms ist ungebrochen. Nur – ohne Helfer und Veranstalter geht es nicht. Deshalb würdigte die Gemeinde deren Einsatz bei eienm Fest.
vor 3 Stunden
Gericht warf 22-Jährigem auch Vergewaltigung vor
Körperliche Gewalt und psychischen Terror tat ein junger Mann im vergangenen Jahr seiner damaligen Freundin an. Der Fall beschäftigte kürzlich das Offenburger Amtsgericht. Angeklagt war der 22-Jährige auch wegen Vergewaltigung.
vor 4 Stunden
Festakt zu zehn Jahre soziales Netzwerk
Das Soziale Netzwerk Ortenberg (Sono) feierte mit einem Festakt in der Schlossberghalle im Beisein von Politprominenz den zehnten Geburtstag. Sozial-Staatssekretärin Bärbl Mielich lobte das Projekt als landesweites Vorzeigemodell, an dessen Beispiel neue Gesetze und Verordnungen angepasst wurden. 
vor 6 Stunden
Zwei neue Forstwirte in Oberharmersbach
Michel Gutsche aus Kappel-Grafenhausen und Manuel Neumaier aus Haslach-Schnellingen verstärken seit kurzem das Team der Oberharmersbacher Forstwirte. Zwei Abgänge aus den Waldarbeiterrotten machten die personelle Ergänzung dringen erforderlich.
vor 9 Stunden
Vororttermin in Zell-Weierbach
Im Kontext der in den kommenden Jahren bevorstehenden Entwicklung der Oststadtschulen wurde am Freitag bei einem Ortstermin das Thema Verkehrssicherheit rund um die Weingartenschule beleuchtet. Anwohner und Verwaltung tauschten sich dabei aus.
vor 17 Stunden
Was in Offenburgs Ausschüssen beraten wird
Die politische Sommerpause ist vorbei, am Montag startet Offenburg mit dem neuen Gemeinderat  in die Sitzungsperiode. Neben dem 40-köpfigen Rat tagen ab kommender Woche auch wieder die verschiedenen Ausschüsse. Als besonderen Service für unsere Leser präsentieren wir alle Ansprechpartner...
21.09.2019
Knapp 1000 Schüler vor Ort
Zum zwölften Mal hat die Sportveranstaltung »Badenova bewegt« im Bürgerpark stattgefunden. Knapp 1000 Schüler durften am Freitag an 20 Stationen verschiedene Sportarten ausüben. Besonders beliebt war Bubble-Soccer.
21.09.2019
Weitere Bäume gepflanzt
Drei Naschbäume stehen seit Anfang April in der Waldbachsenke. Im November werden zehn weitere gepflanzt, die auch schon Paten haben. Die Initiatoren Thomas Bauknecht und Gerhard Schröder haben aber noch weit mehr Ideen, wie man das Angebot an Bürgerobst ausbauen kann. Interessenten sind zu einer...
21.09.2019
Paul-Gerhardt-Kirche
Anknüpfend an die Saxofonmatinee mit dem Bron-Quartett hat am vergangenen Sonntag die Offenburger Saxofonistin Esther Brüstle als Solistin und Sängerin in der Paul-Gerhardt-Kirche ihr Können gezeigt. Die Lehramtsanwärterin aus Detmold blickt mit ihren 23 Jahren schon auf eine beachtliche Zahl von...

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • 10.09.2019
    Feiern in Dirndl und Lederhose
    Fürs Oktoberfest nach München fahren? Das muss nicht sein! Denn die »Wunderbar« in Neuried-Altenheim holt das Event am 2. und 5. Oktober stilecht in die Ortenau – im beheizten Zelt mit Maßbier, Haxn und Live-Band.
  • 06.09.2019
    Die Edelbrennerei Wurth in Neuried-Altenheim feiert Mitte September ihr 100-jähriges Bestehen. 
  • Auch eine neue Brennerei wird am 14. September eingeweiht und vorgestellt.
    30.08.2019
    Am 14. und 15. September
    Die Edelbrennerei Wurth in Neuried-Altenheim feiert Mitte September ihr 100-jähriges Bestehen. Dafür öffnet Inhaber Markus Wurth ein Wochenende lang seine Tore und bietet außerdem exklusive Editionen seiner Kreationen an. 
  • 28.08.2019
    Relaxen und Genießen im Renchtal
    Das Ringhotel Sonnenhof in Lautenbach im Renchtal begrüßt seine Gäste mit einer einzigartigen Kulisse am Fuße des Schwarzwaldes. Ob im Restaurant, bei den Spa-Angeboten, für Tagungen oder Hochzeiten – der Sonnenhof ist die ideale Adresse zum Relaxen und Genießen.