Schnurren und Schnaigen hat Tradition

Pinguine in Griesheim gestrandet

Autor: 
Herbert Gabriel
Lesezeit 3 Minuten
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12. Februar 2018

(Bild 1/2) Im Ortvorsteher »i.R.« Werner Maier fanden die Pinguine einen Mann, der ihnen Unterschlupf gewährte. ©Herbert Gabriel

Bräuche zu pflegen ist in Griesheim eine der Aufgaben der Narrenzunft. Wie dies praktiziert wird, ist immer am Fasentsamstag zu erleben, wenn Gruppen zum Schnurren und Schnaigen ausrücken.
 

Klimawandel und das Schmelzen der Polkappen sind ein Thema und um dem schwindenden Eis in der Antarktis zu entgehen, haben sich mittlerweile Scharen von Pinguinen auf den Weg nach Norden gemacht. Eine siebenköpfige Gruppe ist am Samstag in Griesheim gestrandet.

Nein, es war nicht dem Alkoholeinfluss geschuldet, dass am Samstagabend in der Eichwaldstraße sieben weibliche Pinguine gesichtet wurden. Watschelnd und frohgelaunt waren sie unterwegs, um den Familien ein fröhliches »Narri, Narro« zu überbringen und sich verköstigen zu lassen.

Nicht unvorbereitet, nachdem sich Familien gemeldet hatten und mit ihrer Einladung zum Schnurren und Schnaigen diesen Brauch unterstützen und am Leben erhalten wollen. Wohl wissend, dass durch das Verschwinden von Gaststätten, in Griesheim gibt es aktuell noch zwei, ein Fortbestehen nur dann gewährleistet ist, wenn sich die Besuche in den Privatbereich verlagern.

Dies haben örtliche Vereine und Gruppierungen verstanden und setzen es seit Jahren um. Mit den »Pinguin-Frauen der Narrenzunft« war eine Gruppe unterwegs, die sich an Anmut und Sexappeal in einer besonderen Liga bewegte, was den Verzehr des Angebotenen betrifft, weniger. Denn es gilt für umherziehende Gruppen in Griese als unhöflich, ja, es gleicht fast einer Todsünde, offerierte Speisen – und vor allem Getränke – abzulehnen. Was zur Folge hat, dass die Schritte im Laufe einer mitunter langen Gehstrecke schwerer werden und man sich nach einer stärkenden Unterlage sehnt.

»Pinguin-Pups« verteilt

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Die gab es für die Pinguine schon zum Start bei Maria Maier in der Eichwaldstraße, die sich mit beiderlei Nahrungsmitteln auf den Besuch vorbereitet hatte. Um als Dank und als Erste auch von dem »Pinguin-Pups« zu kosten, der mitgebracht worden war, und dessen köstlichen Geschmack alle an sämtlichen Stationen Angetroffenen erleben durften.

Die Temperaturen an der nächsten Station waren für die Frackträger eher ungewohnt, denn Rolf Joggerst hatte im Hof ein Feuer entzündet und im Kessel Würste aufbereitet. Selbstverständlich kann man diese nicht »trocken« essen, was der Gastgeber wusste und entsprechend vorgesorgt hatte. 

Weiter ging es eine lange Strecke in Richtung Bühl, wo bei Brauns bewiesen wurde: Raum ist in der kleinsten Hütte, denn »Narrenzunft-Brückenpoller« hatten dort Station gemacht und die Faustballer waren kurze Zeit später zum Päpern eingefallen. 
Geschlagene 45 Minuten dauerte der Pinguinen-Boxenstopp, ehe sie in die »Sonne« einfielen. Dort warteten schon eine Runde Ramazotti und gefüllte Sektgläser. Weiter zum »Adler«, wo gerade die Gruppe »MoZiG« (Musiker ohne Zunkunft in Griesheim) Abschied nahm, die »Schwarzwaldmarie« in den abendlichen Himmel schallte und die dort weilenden Gäste in den Genuss heimischen Brauchs kamen und sich überrascht zeigten über das bunte – und äußerst gesittete – Treiben der Damen und der anderen Gruppen.

Die Uhrzeiger näherten sich der 22-Uhr-Grenze, Zeit zum Ende der Tour zu kommen. Denn im »Griesheimer Hof« findet dieses Treiben traditionell sein Ende, wenn sich alle Gruppen zum Finale treffen, bei dem wiederum von »MoZiG« die Hymne an die heimliche Schwarzwälder Schutzpatronin intoniert wurde.

Ein Kulturgut

So endete ein auch für den Begleiter ereignisreicher Abend, an dem bewiesen wurde, dass Bräuche nicht sterben dürfen und allen ein großes Lob geschuldet ist, die sie am Leben halten und so einen Beitrag zum Erhalt eines Kulturguts generationenübergreifend leisten. Und für den Pinguin-Begleiter hat das Wort »Klimawandel« seit Samstag eine ganz neue Bedeutung.

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