Offenburg

Pizzeria-Pächter wegen Hygieneverstoß vor Gericht 

Autor: 
Christian Wagner
Lesezeit 3 Minuten
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13. September 2017

Beispielfoto ©Landratsamt

Schimmel im Kühlschrank, Fett auf der Abzugshaube, Schmutz auf Schnittbrettern: Unappetitliche Feststellungen machte die Lebensmittelüberwachung des Kreises in einer Pizzeria im Kinzigtal. Der Pächter (26) musste sich am Montag vor dem Amtsgericht Offenburg verantworten, kam aber glimpflich davon, weil er offensichtlich nur auf dem Papier der Betreiber war.
 

»Wollten Sie essen gehen bei so einer Küche?« Die Frage von Richterin Eva Weckert beantwortete Verteidiger Ingo Hermann (Haslach) ehrlich: »Ich würde die Einladung ausschlagen.« In der Tat war es nicht appetitfördernd, was ein Mitarbeiter der Lebensmittelüberwachung des Ortenaukreises am Montag im Zeugenstand berichtete. Er hatte im Mai 2016 eine Pizzeria im Kinzigtal überprüft und bei seinem Besuch gleich eine ganze Latte von Verstößen notiert.

Für diese hatte sich vor dem Amtsgericht ein 26-Jähriger zu verantworten, der auch alle Vorwürfe einräumte: »Bestreiten kann ich das leider nicht.« Ob nun allerdings der Richtige auf der Anklagebank saß, daran hatte der Verteidiger seine Zweifel. Der Angeklagte habe im jugendlichen Leichtsinn die Betriebsführung der Gaststätte übernommen, um seiner Familie Arbeit und Wohnstätte zu sichern. Er sei dazu gedrängt worden, weil der Verpächter aufgrund einer Insolvenz die Unterschrift seines Onkels und seines Vaters nicht akzeptiert habe.

Er habe darauf vertraut, dass sein Gastronomie erfahrener Onkel alles richtig mache. Er selbst habe das Gefühl gehabt, dass die Küche immer sauber gehalten werde. »Im Detail fehlte mir aber die Erfahrung«, so der Angeklagte. »Unwissenheit schützt vor Strafe nicht!«, konterte Richterin Weckert. 

Und der Mitarbeiter der Lebensmittelüberwachung beantwortete die Frage des Verteidigers, ob die Hygieneverstöße auch für einen Laien erkennbar gewesen seien, mit einem klaren Ja: »Wenn Sie den Kühlschrank aufmachen und Ihnen der Schimmel entgegenblickt, merken Sie das.« Auch die Spülmaschine sei mit einem Belag versehen gewesen – »da kann man keinen sauberen Teller herausziehen«. Und wenn man sehe, dass die Dunstabzugshaube mit Fett vollhänge, könne man sich auch als Laie vorstellen, »dass es in die Pfanne tropft«.

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Fataler Irrtum

Eventuell fehle es dem Angeklagten an Fachwissen, so der Zeuge weiter. Das sei in der Gastronomie oft der Fall – mit gefährlichen Folgen: »Viele Menschen sind der Meinung, dass man mit gastronomischen Objekten viel Geld verdienen kann. Ich bin anderer Meinung: In der Regel verliert man sehr viel Geld«, wenn unprofessionell gearbeitet werde, plauderte der Kontrolleur aus dem Nähkästchen.

»Lebensmittel müssen sauber sein! Man möchte etwas essen, ohne dass man hinterher eine Krankheit bekommt«, las die Richterin dem Angeklagten die Leviten. Aufgrund der Umstände fiel das Urteil aber milde aus: Wegen fahrlässigen Verstoßes gegen die Hygiene­verordnung ordnete sie ein Bußgeld in Höhe von 250 Euro an.

Der Angeklagte arbeitet übrigens nicht mehr in der Gastronomie, und die beanstandete Pizzeria ist geschlossen.

Hintergrund

Über 2000 Verstöße

Das Amt für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung des Ortenaukreises hat 2015 bei 1868 Kontrollen Verstöße festgestellt, 2016 bei 2006 Fällen und 2017 bis dato 1096 Verstöße. Meist werden Mängel bei der Betriebsgrundhygiene festgestellt, so Amtsleiter Jan Loewer. Fehlende Kennzeichnung und Abweichungen von Temperaturanforderungen seien weitere Beanstandungsgründe.
Um zu erkennen, ob ein Betrieb sauber ist, empfiehlt Löwer den Kunden die Augen offen zu halten und auf den gesunden Menschenverstand zu vertrauen. Damit die Gastronomie in der Region auch weiterhin ihrem erstklassigen Ruf gerecht werde, sorge das Amt für Lebensmittelüberwachung mit seinen jährlich über 4000 Kontrollen dafür, »dass die Bestimmungen eingehalten werden«. 

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