Perfekt inszenierte Zeitreise

Premiere von »Gertrud von Ortenberg – Fast eine Heilige«

Autor: 
Volker Gegg
Lesezeit 3 Minuten
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23. Oktober 2017
Volles Haus herrschte am Samstag bei der Premiere des Theaterstücks über Gertrud von Ortenberg, gespielt von Regina Heilig (links).

Volles Haus herrschte am Samstag bei der Premiere des Theaterstücks über Gertrud von Ortenberg, gespielt von Regina Heilig (links). ©Volker Gegg

Die Uraufführung von »Gertrud von Ortenberg – Fast eine Heilige« am Samstagabend ist mit minutenlangem Applaus belohnt worden. Eine leicht verständliche Lebensbeschreibung der Ortenberger Begine wurde von den Akteuren zeitgemäß und exzellent umgesetzt.

Ja, es waren nur Laiendarsteller, die am Samstagabend allesamt etwas ganz Großes auf die Bühne der Schlossberghalle brachten:  »Gertrud von Ortenberg – Fast eine Heilige«, ein Lebensbild in vier Akten, unterteilt in 45 Szenen. Was den Besuchern allerdings während der Gesamtspielzeit von über 150 Minuten in der ausverkauften Uraufführung geboten wurde, war eine perfekt inszenierte Zeitreise ins ausgehende Mittelalter, das Bühnenprofis nicht viel besser in Szene setzen könnten. Einziger Profi im über 50-köpfigen Ensemble: Regisseur Christopher Kern. 

Nach dem zeitgemäß verfassten Lebensbild der auch heutzutage nicht in Vergessenheit geratenen Begine Gertrud von Ortenberg schrieb der pensionierte evangelische Pfarrer Wilhelm von Ascheraden ein Bühnenwerk, das, umrahmt von zeitgenössischer Musik, mit verständlichen Texten und einem durchgehenden roten Faden eine beeindruckende Inszenierung bot. 

Träume geben ihr Kraft

Schauplatz des ersten Akts: Gertruds Kinder- und Jugendzeit auf Schloss Ortenberg bei dem bösen Stiefbrüdern Gerwulf und Reginbert (Joachim Lang und Norbert Vollmer). Die junge Gertrud (Friederike Vollmer als Sechs- und Viktoria Vollmer als Neunjährige) wird nach dem Tod der Eltern dort als Magd gehalten und von ihren Stiefgeschwistern gehänselt. Gertruds verstorbene Mutter (Martina Bäck), die ihr in ihren Träumen erscheint, und ihre noch lebende Tante geben dem Mädchen Kraft und führen sie zum Glauben. 

Als Gertrud im Jahr 1295 ins heiratsfährige Alter kommt, wird sie von ihren Brüdern verschachert und dem greisen Henrich von Riceldey (Wilhelm von Ascheraden) zugesprochen. Auf dessen Stammsitz, der Ullenburg, fühlt sich Gertrud (mittlerweile von Regina Heilig verkörpert) nicht wohl. Als er stirbt, flüchtet Gertrud zur Schauenburg und beginnt nach dem Tod ihrer drei Kinder 1301 ihr Leben als Begine in Offenburg. 

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Mit ihrer Busenfreundin Heilke von Staufenberg (Bianca Kiefer) wird in der Stadt das Beginenhaus aufgebaut. Während der Fasnacht 1308 verteilt sie Faentküchle, übrigens der erste schriftliche Nachweis fasnächtlichen Treibens in der Ortenau. Die Ortenberger »Rotweinsingers« umrahmen die fasnächtliche Szene mit einem eigens geschriebenen Rotweinlied, bevor im zweiten Akt Gertrud und ihre Beginen im Andreas-Stift in der Krankenpflege tätig werden. 

Verfolgung droht

Den edlen Offenburgerinnen (Birgit Riehle, Roswitha Vallendor) geht im Beginenhaus der Gesprächsstoff nicht aus. Trotz tatkräftiger und geistiger Unterstützung durch die heimischen Franziskaner treibt es Gertrud und Heilke in die Bischofstadt Straßburg. Ihre Wohltätigkeit und das streben nach Armut sind nicht nur dem Bischof (Jürgen Collmann) ein Dorn im Auge, sondern auch dem Prediger und Dominkanermönch Angelus (Klaus Morath). Als den Beginen die Verfolgung droht, zieht es die beiden Beginen 1327 wieder zurück nach Offenburg, wo Gertrud nach wenigen Monaten auch stirbt. 

Die Hauptdarstellerinnen überzeugten nicht nur durch Mimik und Textsicherheit, sie machten auch die Mystik und Glaubenszweifel deutlich. Stets musikalisch durch eine Flötengruppe mit zeitgemäßen Klängen untermalt wurden die häufigen Szenenwechsel. Die zwei verschiebbaren Bühnenteile zauberten stets für die Zuschauer den perfekten Eindruck in den jeweiligen Spielort, sei es der Schlosshof der Schauenburg oder die Kanzel des Münsters zu Straßburg. 

Auch die kleineren Nebenrollen waren perfekt besetzt, und so wurde den Zuschauern eine exzellente, teilweise auch amüsante und stets unterhaltende Vorführung geboten.  Die fast einjährige Vorbereitungszeit war zu spüren – es war bestens investierte Freizeit. 

HINWEIS: Zu den beiden folgenden Aufführungen am Samstag, 28. Oktober (19 Uhr), und Sonntag, 29. Oktober, 16 Uhr, gibt es nur noch wenige Karten in der Ortenberger Postfiliale. 

Hintergrund

Die Mitwirkenden

Hauptrollen: Gertrud von Ortenberg: Regina Heilig; Heilke von Staufenberg: Bianca Kiefer; Gertruds Mutter: Martina Bäck. In weiteren Rollen: Sascha Malik, Friedericke Vollmer, Victoria Vollmer, Julian Decker, Viktoria Baum, Annika Herp, Katarina Decker, Milena Vollmer, Joachim Lang, Norbert Vollmer, Markus Riehle, Christel Kummerlöwe-Kist, Wilhelm von Ascheraden, Martha Wußler, Roswitha Vallendor, Claudia Seufert, Dieter Seitz, Ursula Stampfer, Angelika Riehle, Ulrike von Ascheraden, Birgit Riehle, Ann-Marie Heinzelmann, Franziska Siegenführ, Jürgen Collmann, Klaus Morath, Hugo Brinkkötter, Claudia Seufert, Knut Schilde, Peter Wiermann und Jutta Collmann. Buch: Wilhelm von Ascheraden; Regie: Christopher Kern; Soufleuse: Ingeborg Thiemann, Musik: Angela Müller, Annelie Foige-Menzel, Adelheid Wiedemer, Margit Stoll, Adrian Sieferle, Rotweinsingers und Josef Braun; Maske: Marianne und Olaf Kruse, Sabine Glattfelder; Kostüme: Ulrike von Ascheraden; Bühnenbild: Gregor von St. André, Karl Henneböhl, Udo Kist, Thomas Stampfer. 

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