Offenburgs Kommunalpolitiker zur Wahl

Reaktionen auf die Wahl: Von entsetzt bis sehr zufrieden

Autor: 
Kirsten Pieper, Bettina Kühne, Christian Wagner
Lesezeit 5 Minuten
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26. September 2017

Am Sonntagabend hieß es im Historischen Rathaus: Stimmen zählen. ©Christoph Breithaupt

Erdrutschartige Verluste bei den beiden Volksparteien CDU und SPD, stabile bis gute Ergebnisse bei den kleinen Parteien und ein großer Stimmen-Zuwachs für die AfD: Die Ergebnisse der Bundestagswahl haben auch in Offenburg zu vielen unterschiedlichen Reaktionen geführt. Wir haben uns bei Kommunalpolitikern aus Offenburg umgehört, wie sie die Wahl analysieren. Was für die Einen in dieser Deutlichkeit eine Überraschung war, haben die anderen vorausgesehen.
 

»Entsetzt über das Abschneiden der SPD«

Christoph Jopen, Bürgermeister a.D. (SPD): »Ich bin über den Wahlausgang traurig bis entsetzt. Entsetzt über das Abschneidend der SPD, traurig, weil ich den Eindruck habe, dass eine tatsächlich ordentliche Regierungsarbeit von den Wählern nicht ausreichend gewürdigt worden ist. Allerdings muss man auch zugeben, dass SPD und CDU in bestimmten Themen Teile der Bürgerschaft nicht erreicht haben. Damit meine ich in erster Linie das Flüchtlingsthema. Ich finde es konsequent, dass die SPD bei diesem Ergebnis nur in die Opposition gehen kann. 

»Das ist ein Erfolgserlebnis«

Ingo Eisenbeiß, Grünen-Fraktionssprecher: »Das Ergebnis für uns Grünen in Offenburg ist sehr gut. Wir sind ziemlich nah dran an der SPD – das ist ein Erfolgserlebnis und bestätigt den sehr engagierten und mit Herzblut geführten Wahlkampf von Norbert Großklaus. Auch der Trend im Land mit 14 Prozent ist sehr positiv und im Bund können wir ebenfalls zufrieden sein. Was allen in der Magengrube liegt, ist der hohe Anteil der AfD-Stimmen. Das kann aber eine Chance für Deutschland sein, zusammenzurücken und sich auf die wirklichen Werte unserer Gesellschaft zu besinnen.«     

»Erfreulich ist die hohe Wahlbeteiligung«

Frank Scherer, Landrat des  Ortenaukreises: »Erfreulich ist die hohe Wahlbeteiligung, die zeigt, dass die Bevölkerung sehr wohl politisch interessiert ist und sich mobilisieren lässt. Bei der dafür erforderlichen Themenbesetzung haben die großen Volkspartein aber offensichtlich ein Problem. Für die politische Stabilität bedeutet dies, dass immer mehr Partner gebraucht werden, um Regierungen zu bilden, da die Parlamente bunter werden und deshalb die Kunst des Kompromisses immer mehr gefragt sein wird. Das gilt gegebenenfalls auch auf Kreisebene.«                

»Das war eine Klatsche mit Ansage«

Dieter Eckert, Bürgermeister a.D. (CDU): »Das ist aus meiner Sicht eine Klatsche mit Ansage, denn dass die AfD erstarken würde und das auf Kosten der beiden großen Parteien, hat sich abgezeichnet. CDU und SPD sind gut beraten, dies als Schuss vor den Bug zu werten und sich jetzt zu überlegen, wie sie die Wähler zurückgewinnen können. Zuallererst muss bei den Themen Zuwanderung, Sicherheitspolitik und Europapolitik zu klaren Konzepten zurückgefunden werden, die man den Menschen vermitteln kann. Da haben beide großen Parteien die Situation strategisch nicht richtig eingeschätzt.«

»SPD kann sich in der Opposition wieder finden«

Hans Rottenecker, Freie-Wähler-Fraktionssprecher: »Ich war schon überrascht vom Ergebnis, die einzigen, die in der Erwartung geblieben sind, waren Grüne und Die Linke. Vielleicht können sich die Grünen jetzt beweisen und Einfluss auf die CDU ausüben: In der Dieselaffäre hat sich ja bisher nichts getan. Alleine kann die CDU jedenfalls nichts mehr machen, sie wird die anderen berücksichtigen müssen. Und die SPD kann sich in der Opposition vielleicht wieder finden. Aber auch dafür gilt wie für das Ergebnis der Wahl: Hinterher ist man immer schlauer.«

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»Der europäische Gedanke ist substanziell«

Cordelia Schulz, Mitglied von Pulse of Europe und Ärztin: »Das Ergebnis hat sich abgezeichnet und war auch ein Grund dafür, dass Pulse of Europe aktive wurde. Uns ist eine positives Miteinander wichtig. Wir werden also dranbleiben: Der europäische Gedanke ist substanziell, und auch wenn andere Lösungen angeführt werden, sind diese nicht langfristig in die Zukunft gedacht. Die Wahlbeteiligung war ja gut, umso notwendiger ist es, jetzt Verantwortung zu übernehmen. Wir von Pulse of Europe werden weiterhin sporadisch, aber mit Nachdruck auf das Thema aufmerksam machen. Unser Facebook-Account bleibt aktiv.«       

»Personen für Zeit nach Merkel aufbauen«

Albert Glatt, CDU-Fraktionssprecher: »Ich bin sehr enttäuscht über das Ergebnis der CDU, die Umfragen haben uns in anderen Höhen gesehen. Die Bindung an eine Partei wird schwieriger, die Leute wählen aus dem Bauch heraus. Viele wollten ihrem Protest Luft machen. Es wird jetzt auf eine Jamaika-Koalition hinauslaufen, wobei das ganz, ganz schwierig wird. Die CDU tut gut daran, Personen für die Zeit nach Merkel aufzubauen, damit der Übergang nicht so abrupt erfolgt wie nach der Kohl-Ära. Merkel sollte ihr Amt deshalb schon in der Legislaturperiode übergeben.«

»Das ist eine ganz harte Nummer«

Jochen Ficht, SPD-Fraktionssprecher: »Wir vertreten seit 1972 gemeinsam mit Wolfgang Schäuble den Wahlkreis Offenburg. Dass Elvira Drobinski-Weiß nun nicht mehr im Bundestag sitzt und es nach 45 Jahren im Wahlkreis von voll auf null geht, ist eine ganz harte Nummer. Davon müssen wir uns erst mal erholen. Von Berlin aus war es der schlechteste Wahlkampf, den ich je erlebt habe. Die SPD muss jetzt in die Opposition und inhaltlich wieder schärfer werden. Opposition ist Opposition und muss knallhart sein.«

»Das war eine reine Protestwahl«

Thomas Bauknecht, FDP-Fraktionschef: »Es freut mich, dass sich das bundesweit gute Ergebnis der FDP in Offenburg widerspiegelt. Ich wünsche mir aber, dass die FDP wieder konsequent die liberale Mitte besetzt. Und nicht wie bei der letzten Koalition zwecks Machterhalt ihr Programmm aufgibt, unglaubwürdig wird und dafür zurecht abgestraft wurde. Ich bin bitter enttäuscht, dass so viele Wähler aus Enttäuschung eine rechtspopulistische Partei gewählt haben. Das war eine reine Protestwahl und hat mit Inhalten nichts zu tun und wenn ja, wäre das sehr traurig.«  

 

 

 

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