Kritik aus Oberharmersbach

Rektorin Gäthje: »So ist die Inklusion gescheitert«

Autor: 
Karl-August Lehmann
Lesezeit 3 Minuten
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27. Juli 2018

Thomas Marwein, Landtagsabgeordneter der Grünen, beobachtet Matti und Bennett im Beisein von Schulleiterin Swenja Gäthje und Patricia Breig (rechts). ©Lehmann-Archiv

Bei seinem Gemeindebesuch besuchte Thomas Marwein von Bündnis 90/Die Grünen die  Brandenkopf-Schule in Oberharmersbach. Schulleiterin Swenja  Gäthje und ihr Kollegium gaben dabei Einblicke in die sehr engagierte Arbeit und wachsenden Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Inklusion.

Die Werkrealschule, die für ihren guten Leistungsstand bekannt war, ist seit dem Schuljahr 2017/18 Vergangenheit. 80 Schülerinnen und Schüler besuchen derzeit die Klassen 1 bis 4 der Grundschule und werden von sechs Lehrkräften und einer Religionslehrkraft unterrichtet. Die dritte Klasse ist als Inklusionsklasse eingerichtet, für die stundenweise zwei Sonderpädagogen und zwei Schulbegleiterinnen eingesetzt werden.

Die jüngst als Schulleiterin bestellte Swenja Gäthje führt mit Bürgermeister Richard Weith den Stuttgarter Abgeordneten der Grünen durch die Schule. Aufmerksamkeit findet die gute Schulkindbetreuung mit der Frühbetreung, deren Zeiten an die des Kindergartens angepasst werden.

Mit dem neuen IT-Konzept und der Umstellung auf Tablets befindet sich die Brandenkopf-Schule auf dem neuesten Stand. Probleme gäbe es, so berichtete Bürgermeister Richard Weith, bei der Schul­bauförderung und der Schülerbeförderung, bei der die Gemeinde erstmals ein Defizit habe übernehmen müssen.

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Dann findet sich Thomas Marwein inmitten einer lebendigen Klasse mit 27 Schülerinnen und Schülern wieder. Musiklehrerin Manuela Isaak übt mit den Kindern das Lied »Ferienzeit« ein. Matti und Bennett werden von den beiden Lernbegleiterinnen Patricia Breig und Adelheid Legath betreut. Aufmerksam verfolgt der Stuttgarter Abgeordnete in der Inklusionsklasse die Arbeit der Pädagogen, die ihn überzeugt.

»Zu wenig Personal«

»Was sie hier als reibungslosen Ablauf verfolgen können, ist dem zeit- und arbeitsintensiven Engagement des Kollegiums geschuldet«, lobte Swenja Gäthje ihr Team. Nur weil jeder und jede sich außerhalb des Unterrichtsdeputats und der damit verbundenen Alltagsarbeit zusätzlich engagiere, sei dies zu leisten, schließlich sei die Brandenkopf-Schule für die Inklusion Hospitationsschule.Aber dann spricht sie mehr als deutlich die Probleme an, die das Kollegium mit zusätzlicher Arbeit auffangen müsse. »So ist die Inklusion gescheitert«, verweist sie auf die Klassengröße und den Fakt, dass alle Unterrichtsstunden mit den Sonderpädagogen von ursprünglich 18 auf 10 Stunden zusammengestrichen seien. Es fehle hinten und vorne an Personal und Ressourcen. Dass hier ständig an Zeit und Personal gespart werde, sei nicht im Sinne der Inklusion.

Dabei bemängelte sie auch, dass das für die wachsende Verwaltungsarbeit angesetzte Zeitmaß längst nicht mehr ausreiche und somit auch die Schulentwicklung auf der Strecke bleibe. »Wir haben auch keine Stunden für Arbeitsgemeinschaften zur Verfügung«, beklagt sie das restriktive Zusammenstreichen.

Thomas Marwein zeigte Verständnis für die Anliegen der Brandenkopf-Schule. Er räumte auch Probleme beim Thema Inklusion ein und dass die Schulverwaltung und deren Informationspolitik nicht immer reibungslos laufe. Allerdings müsse man sich um den Bestand Brandenkopf-Schule  keine Sorgen machen. »Das Ministerium wird keine Schule schließen«, wischte Thomas Marwein auf Nachfrage mögliche Bedenken vom Tisch.

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