Offenburg

Rosa Luxemburg der Ortenau

Autor: 
Andreas Moering
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15. August 2001
Sie war so etwas wie die Rosa Luxemburg der Ortenau, hat sich als junge Frau kompromisslos dem Kommunismus verschrieben und engagierte sich stark in der Frauenbewegung: Frieda Unger.
Im Mittelpunkt der Veröffentlichungen über Frieda Unger steht ihre politische Tätigkeit in den frühen Jahren der Weimarer Republik als Abgeordnete der KPD im Badischen Landtag, ihre Rolle bei den Herbst- und Hungerunruhen von 1923, deren Gerichtsverfahren und ihre Verurteilung wegen Hochverrats im Jahr 1926. Frieda Unger, geborene Eckert, erlebte die Monarchie nicht als die »gute alte Zeit«. Die kleinbürgerliche Familie der am 9. Juli 1888 in Schopfheim geborenen Unger war arm. Das Steinhauergewerbe des Vaters kam mit dem Aufkommen der Zementindustrie zum Erliegen. Mit drei Jahren Waise, wuchs Frieda Unger im Haushalt ihrer Großmutter auf. Als Kind erlebte sie, wie der Gerichtsvollzieher fast täglich ins Haus kam. Mit 14 Jahren musste sie sich ihren Lebensunterhalt selbst verdienen. Sie arbeitete als Dienstmädchen in Basler Patrizierfamilien. Dort lernte sie das Leben der Reichen kennen und machte sich ihre Gedanken darüber. Mit ihrem Mann, dem Maurer Karl Unger, zog sie 1914 nach Lahr. Mandat im Landtag Durch ihren Mann, der seit 1910 SPD-Mitglied war, wurde sie mit sozialistischen Schriften vertraut, wodurch ihr die krassen Gegensätze der Vorkriegsgesellschaft zu einem Problem wurden, gegen das man angehen musste. Auf einer Versammlung streikender Arbeiter entdeckte sie ihre Begabung als Rednerin und Agitatorin. 1911 trat sie in die SPD ein. Bei deren Spaltung 1917 stand sie auf der Seite der USPD und wechselte 1922 zur KPD. Ihr Vorbild war Rosa Luxemburg. Clara Zetkin kannte sie persönlich. 1921 erhielt sie eines der beiden Mandate der USPD im badischen Landtag. Von 1922 bis zum Ende der Legislaturperiode 1925 arbeitete sie mit den KPD-Abgeordneten zusammen. Frauen solidarisch Frieda Unger wurde im Mai 1926 vom Reichsgericht wegen Vorbereitung zum Hochverrat nach dem Gesetz »zum Schutz der Republik« vom Juli 1922 zu zweieinhalb Jahren Haft und einer Geldstrafe verurteilt. Der Grund: Im Inflationsjahr 1923 gab es Unruhen in den Städten Lahr, Lörrach und Schopfheim, an denen Frieda Unger maßgeblich beteiligt war. Sie und ihre Genossen setzten sich mit der Organisation von Streiks, Demonstrationen und öffentlichen Reden für die Errichtung einer deutschlandweiten Räterepublik ein. Sämtliche Frauen im badischen Landtag haben sich interfraktionell für Frieda Unger eingesetzt. Da sie als Abgeordnete Immunität genoss, wurde sie aus der Untersuchungshaft entlassen. Nach ihrem Mandat trat sie 1926 ihre Strafe in Bruchsal an. Dort heiratete sie 1927 in zweiter Ehe den Lahrer Max Haas, der ebenfalls an den Unruhen von 1923 beteiligt war. Bis 1931 lebten die beiden in Lahr, zogen dann nach Berlin. Während der NS-Zeit wurde sie mehrfach für mehrere Monate von der Gestapo inhaftiert. Nach 1945 stellte sich Frieda Unger dem Aufbau von Ostdeutschland zur Verfügung. Sie war Abteilungsleiterin der Zentralverwaltung Landwirtschaft und Forst für die sowjetische Besatzungszone. Als 70-Jährige zog sie sich aus gesundheitlichen Gründen aus dem öffentlichen Leben zurück. Frieda Unger starb am 12. April 1975 in Ost-Berlin. Michael Haß

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