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Debatte auf dem Offenburger Marktplatz

»Rotes Sofa«: Bundestagskandidaten beantworten Schülerfragen

15. September 2017
&copy Ulrich Marx

Sechs Bundestagskandidaten nahmen gestern auf dem »Roten Sofa« Platz. Bei dem Projekt stellten sich die Kandidaten den Fragen von Schülern der Erich-Kästner-Realschule. Viele Themen wurden angesprochen, besonders Europa und Flüchtlinge interessierten die Jugendlichen. 

Der Name ist Programm: Beim »Roten Sofa« stellen Schüler vor einer Wahl den kandidierenden Politikern Fragen, und auf eben jenem Möbelstück nehmen die Kandidaten dafür Platz. Gestern Nachmittag gab es das siebte »Rote Sofa«, das vom Kinder- und Jugendtreff Buntes Haus organisiert wird. 

Aufgrund des schlechten Wetters fand die Fragestunde nicht wie geplant unter den Pagoden, sondern in einem Zelt auf dem Marktplatz statt. Dort stellten Zehntklässler der Erich-Kästner-Realschule den Bundestagskandidaten Kordula Kovac (CDU), Elvira Drobinski-Weiß (SPD), Norbert Großklaus (Grüne), Karin Binder (Linke), Trutz-Ulrich Stephani (FDP) und Taras Maygutiak (AfD) die zuvor von den rund 70 Schülern in Workshops erarbeiteten Fragen. 

Die Regeln: Ein Kandidat hatte für eine Antwort eine Minute Zeit. Jeder Politiker hatte  zwei Joker für zusätzliche Redezeit. Die ersten Fragen richtete Schülerin Julia Schäfer an Maygutiak: »Warum ist die EU gescheitert? Welche Vorteile bringt ein EU-Austritt?« 
»Wir wurden nie gefragt, ob wir Kompetenzen nach Brüssel abgeben wollen«, antwortete Maygutiak. Er verwies auf Länder wie Großbritannien und fragte: »Warum können nicht auch wir darüber abstimmen, ob wir in der EU bleiben wollen?« Maygutiaks Antwort hatte zur Folge, dass Großklaus, Elvira Drobinski-Weiß, Kovac und Binder jeweils einen ihrer Joker zückten, um sich für die EU starkzumachen. Sie sei wichtig für den Frieden, betonte Kovac. Drobinski-Weiß erinnerte an die Freiheit, sich innerhalb der EU zu bewegen. 

»Das Parlament hat zu wenig Rechte. Wir wollen eine Demokratisierung der EU und ein soziales Europa«, sagte Binder. Durch die Einwände seiner Kontrahenten nutzte auch Maygutiak einen Joker, um das Gesagte als »schöne Sprachveranstaltung« zu kommentieren. »Für Frieden brauchen wir kein Diktat aus der EU«, entgegnete er. 

Geschlossene Grenzen

Die Schüler wollten von Binder und Maygutiak deren Meinung zu geschlossenen Grenzen für »wirtschaftlich ungeeignete Flüchtlinge« wissen. Binder erklärte, dass offene Grenzen nicht von der Qualifikation der Menschen abhängen dürften. 
»Ein Land kann offene Grenzen haben, ein Land kann ein Sozialstaat sein, beides zusammen geht nicht«, sagte Maygutiak. Kovac und Großklaus mischten sich per Joker ein. Kovac verwies auf die vielen unbesetzten Stellen in Industrie, Handel und Handwerk. »Wir brauchen ein Einwanderungsgesetz«, sagte Großklaus. 

Beim Thema erneuerbare Energien erklärte Stephani: »Ich sehe die Zukunft in erneuerbaren Energien. Wir müssen dem Markt mehr Raum geben.« Obwohl bis zu ihrem Renteneintritt noch viele Jahre vergehen werden, interessierten sich die Schüler für das Thema.  Drobinski-Weiß nannte den Mindestlohn, der dafür sorge, dass Menschen einen bestimmten Lohn bekommen. Der Übergang von Teilzeit in Vollzeit, der vor allem viele Frauen betreffe, müsse ermöglicht werden, so Drobinski-Weiß. 

»Ist es Wahlkalkül?«

Auch die innere Sicherheit beschäftigte die Schüler der Erich-Kästner-Realschule. »Ist es Wahlkalkül, dass die Aufstockung der Polizei wieder so im Fokus steht?«, wollten sie wissen. Es sei wichtig, dass die Polizei gut aufgestellt ist, sagte Kovac. »Die Aufgaben sind vielfältiger und das Sicherheitsbedürfnis ist größer geworden«, erklärte Drobinski-Weiß. Ihrer Aussage stimmte Großklaus zu. Bei der Polizei, aber auch in der Pflege, brauche es mehr Personal, so Großklaus. Binders Tenor war ein anderer: »Die innere Sicherheit lenkt nur von anderen Problemen, beispielsweise von sozialen, ab.« Sie verwies auf die Armut in Deutschland. 

Da es keine Frage dazu gegeben hatte, nutzte Großklaus am Ende der Stunde seine Schlussworte für ein ureigenes, grünes Thema – den Klimawandel. »Es gab keine Frage dazu, dabei betrifft es euch. Ihr müsst in dieser Welt weiterleben.« 

Autor:
Tanja Proisl

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Weitere Fragen gab es zur Bekämpfung von Fluchtursachen, zur Legalisierung von Cannabis, zum Mindestlohn von zwölf Euro die Stunde und zu den teils ausländischen Wurzeln (USA) von Maygutiak im Zusammenhang mit seiner AfD-Mitgliedschaft.

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