Debatte auf dem Offenburger Marktplatz

»Rotes Sofa«: Bundestagskandidaten beantworten Schülerfragen

Autor: 
Tanja Proisl
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
15. September 2017

Nahmen auf dem »Roten Sofa« Platz und stellten sich den Fragen der Jugendlichen (von links): Kordula Kovac (CDU), Elvira Drobinski-Weiß (SPD), Norbert Großklaus (Grüne), Karin Binder ­(Linke), Trutz-Ulrich Stephani (FDP) und Taras Maygutiak (AfD). ©Ulrich Marx

Sechs Bundestagskandidaten nahmen gestern auf dem »Roten Sofa« Platz. Bei dem Projekt stellten sich die Kandidaten den Fragen von Schülern der Erich-Kästner-Realschule. Viele Themen wurden angesprochen, besonders Europa und Flüchtlinge interessierten die Jugendlichen. 

Der Name ist Programm: Beim »Roten Sofa« stellen Schüler vor einer Wahl den kandidierenden Politikern Fragen, und auf eben jenem Möbelstück nehmen die Kandidaten dafür Platz. Gestern Nachmittag gab es das siebte »Rote Sofa«, das vom Kinder- und Jugendtreff Buntes Haus organisiert wird. 

Aufgrund des schlechten Wetters fand die Fragestunde nicht wie geplant unter den Pagoden, sondern in einem Zelt auf dem Marktplatz statt. Dort stellten Zehntklässler der Erich-Kästner-Realschule den Bundestagskandidaten Kordula Kovac (CDU), Elvira Drobinski-Weiß (SPD), Norbert Großklaus (Grüne), Karin Binder (Linke), Trutz-Ulrich Stephani (FDP) und Taras Maygutiak (AfD) die zuvor von den rund 70 Schülern in Workshops erarbeiteten Fragen. 

Die Regeln: Ein Kandidat hatte für eine Antwort eine Minute Zeit. Jeder Politiker hatte  zwei Joker für zusätzliche Redezeit. Die ersten Fragen richtete Schülerin Julia Schäfer an Maygutiak: »Warum ist die EU gescheitert? Welche Vorteile bringt ein EU-Austritt?« 
»Wir wurden nie gefragt, ob wir Kompetenzen nach Brüssel abgeben wollen«, antwortete Maygutiak. Er verwies auf Länder wie Großbritannien und fragte: »Warum können nicht auch wir darüber abstimmen, ob wir in der EU bleiben wollen?« Maygutiaks Antwort hatte zur Folge, dass Großklaus, Elvira Drobinski-Weiß, Kovac und Binder jeweils einen ihrer Joker zückten, um sich für die EU starkzumachen. Sie sei wichtig für den Frieden, betonte Kovac. Drobinski-Weiß erinnerte an die Freiheit, sich innerhalb der EU zu bewegen. 

»Das Parlament hat zu wenig Rechte. Wir wollen eine Demokratisierung der EU und ein soziales Europa«, sagte Binder. Durch die Einwände seiner Kontrahenten nutzte auch Maygutiak einen Joker, um das Gesagte als »schöne Sprachveranstaltung« zu kommentieren. »Für Frieden brauchen wir kein Diktat aus der EU«, entgegnete er. 

Geschlossene Grenzen

- Anzeige -

Die Schüler wollten von Binder und Maygutiak deren Meinung zu geschlossenen Grenzen für »wirtschaftlich ungeeignete Flüchtlinge« wissen. Binder erklärte, dass offene Grenzen nicht von der Qualifikation der Menschen abhängen dürften. 
»Ein Land kann offene Grenzen haben, ein Land kann ein Sozialstaat sein, beides zusammen geht nicht«, sagte Maygutiak. Kovac und Großklaus mischten sich per Joker ein. Kovac verwies auf die vielen unbesetzten Stellen in Industrie, Handel und Handwerk. »Wir brauchen ein Einwanderungsgesetz«, sagte Großklaus. 

Beim Thema erneuerbare Energien erklärte Stephani: »Ich sehe die Zukunft in erneuerbaren Energien. Wir müssen dem Markt mehr Raum geben.« Obwohl bis zu ihrem Renteneintritt noch viele Jahre vergehen werden, interessierten sich die Schüler für das Thema.  Drobinski-Weiß nannte den Mindestlohn, der dafür sorge, dass Menschen einen bestimmten Lohn bekommen. Der Übergang von Teilzeit in Vollzeit, der vor allem viele Frauen betreffe, müsse ermöglicht werden, so Drobinski-Weiß. 

»Ist es Wahlkalkül?«

Auch die innere Sicherheit beschäftigte die Schüler der Erich-Kästner-Realschule. »Ist es Wahlkalkül, dass die Aufstockung der Polizei wieder so im Fokus steht?«, wollten sie wissen. Es sei wichtig, dass die Polizei gut aufgestellt ist, sagte Kovac. »Die Aufgaben sind vielfältiger und das Sicherheitsbedürfnis ist größer geworden«, erklärte Drobinski-Weiß. Ihrer Aussage stimmte Großklaus zu. Bei der Polizei, aber auch in der Pflege, brauche es mehr Personal, so Großklaus. Binders Tenor war ein anderer: »Die innere Sicherheit lenkt nur von anderen Problemen, beispielsweise von sozialen, ab.« Sie verwies auf die Armut in Deutschland. 

Da es keine Frage dazu gegeben hatte, nutzte Großklaus am Ende der Stunde seine Schlussworte für ein ureigenes, grünes Thema – den Klimawandel. »Es gab keine Frage dazu, dabei betrifft es euch. Ihr müsst in dieser Welt weiterleben.« 

Hintergrund

Weitere Themen

Weitere Fragen gab es zur Bekämpfung von Fluchtursachen, zur Legalisierung von Cannabis, zum Mindestlohn von zwölf Euro die Stunde und zu den teils ausländischen Wurzeln (USA) von Maygutiak im Zusammenhang mit seiner AfD-Mitgliedschaft.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Offenburg

Auf Einladung des Gesang- und Kulturvereins
vor 4 Stunden
Die »Irish Boys« aus Oberschopfheim waren am Samstagabend zu Gast auf dem Schutterzeller Rathausplatz und heizten dem Publikum zum Herbstanfang kräftig ein. Es war der Höhepunkt im Jahresprogramm des Gesang- und Kulturvereins.
Ralf Özkara.
Nach umstrittener Äußerung zum »Kessel«
vor 7 Stunden
Nach dem Wirbel um eine Veröffentlichung des OB-Kandidaten Ralf Özkara (AfD) bei Facebook zum Jugendzentrum »Kessel« hat sich Jenny Haas, Sprecherin des Bündnisses Aufstehen gegen Rassismus, zu Wort gemeldet.
Täglich ein neuer Begriff
vor 7 Stunden
Von A wie Amtszeit bis Z wie Zeitbeamter – in unserem »Wahl-ABC« finden Sie alles Wichtige zur Offenburger Oberbürgermeisterwahl. Täglich kommt ein neuer Buchstabe dazu.
Wie kann Offenburg entlastet werden?
vor 7 Stunden
Immer dienstags und donnerstags fühlen wir in den nächsten drei Wochen den Kandidaten für die OB-Wahl auf den Zahn. In sechs Wahlprüfsteinen wollen wir von ihnen wissen, wie sie sich zu wichtigen Offenburger Themen positionieren. Heute: »Masterthema Verkehr: Wie kann Offenburg entlastet werden?«  
Besonders beliebt bei den jungen Teilnehmern von »Badenova bewegt« im Offenburger Bürgerpark war »Bubble Soccer«.
800 Teilnehmer bei "Badenova bewegt"
vor 9 Stunden
Etwa 800 Kinder wirbelten am Freitag durch den Offenburger Bürgerpark, als acht Grundschulen im Rahmen von »Badenova bewegt« um Punkte wetteiferten. Dabei konnten sie auch ganz neue Sportarten wie »Kidditch« ausprobieren.  
Alle Exemplare verkauft
vor 9 Stunden
Insgesamt 101 Exemplare sind am Freitag bei der Fundrad-Versteigerung am Offenburger Bahnhof unter den Hammer gekommen. »Es wurde wie immer alles verkauft«, konnte Bahn-Mitarbeiter Manfred Eckstein verkünden, der wie gewohnt als Auktionator tätig war.
Geschichtstag des Historischen Vereins Nordrach
vor 9 Stunden
Am Samstag hatte der Historische Verein Nordrach wieder zu einem Geschichtstag eingeladen. Diesmal ging es ums Thema »Kriegsende des Zweiten Weltkriegs in unserer Heimat«. Heinrich Schwendemann sprach über die Besetzung Südbadens durch die Franzosen, danach gab es Berichte, wie Zeitzeugen in...
Fessenbacher Weine
vor 9 Stunden
Die Vinothek für Fessenbacher Weine in Zell-Weierbach ist mit rund 500 Besuchern eröffnet worden. Bei dem Eröffnungsfest nach dem Umbau gab es Verkostungen von Fessenbacher und Zeller Weinen, Kellerführungen und Schlepperrundfahrten.
Ökumenischer Gottesdienst beim vierten Familienfest in Diersburg
vor 16 Stunden
Die evangelische und die katholische Kirche wachsen zusammen – zumindest Schritt für Schritt. Diersburg geht hier voran: Vertreter beider Kirchen unterzeichneten am Sonntag im Gottesdienst die »Ökumenische Partnerschaftsvereinbarung«.
Serie Ortsgespräche (15): Bühls Ortsvorsteher Georg Schrempp
vor 18 Stunden
Was macht Bühl lebens- und liebenswert? Wie beschreibt Ortsvorsteher Georg Schrempp seinen Heimatort? Wir wollten es für eine Serie wissen.  
Tourismusverein Durbach
vor 19 Stunden
Seniorengerecht, familientauglich, gut beschildert: Am Sonntag, 30. September, findet die offizielle Eröffnung der Ebersweierer Rundwege statt. Start- und Zielpunkt ist die Halle am Durbach. Die Veranstaltung beginnt um 11 Uhr. Entlang der Wege gibt es Versorgungsstationen, sodass der Rucksack...
Berghauptener Gewerbeausstellung
vor 21 Stunden
Das Gewerbeforum Berghaupten zieht eine positive Bilanz der 6. Gewerbeausstellung (Bega). Vorsitzender Gregor Peters lobte das »uneingeschränkte Engagement aller Beteiligten«. 53 Aussteller waren dabei.