"Sagenhafte Wanderung" in Nordrach

Schnell heim, bevor der „Moospfaff“ kommt

Autor: 
Herbert Vollmer
Lesezeit 3 Minuten
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14. Oktober 2019

Zum Ausklang sangen die Wanderer Heimatlieder, begleitet von Antonia Haas auf ihrem diatonischen Knopfgriffakkordeon. ©Herbert Vollmer

Am Mittwochnachmittag trafen sich rund 30 Wanderer auf dem Kirchplatz in Nordrach, um an der von Josef Laifer geführten Moospfaff-Wanderung zum Haashof teilzunehmen. Die Wanderung war eine der insgesamt dreizehn Veranstaltungen, die im Monat Oktober in Nordrach der Sagengestalt “Moospfaff“ gewidmet sind.
 

Josef Laifer führte die Gruppe. Unterwegs gab Laifer immer wieder Hinweise zu Land und Leuten. So erfuhren die Wanderer auch, dass die Bezeichnung Störgeis kein Ausdruck für eine störrische Geiß sei. Stör sei eine alte Bezeichnung für die Arbeit eines Handwerkers im Haus des Kunden. Geis(s) sei ein alter Name für eine Stelle, an der die Landschaft einen Sattel abbilde.

Der angekündigte Regen setzte erst ein, als die Wanderer bereits am Haashof im Gewann Kohlberg ankamen. Hier hieß sie die Bäuerin Antonia Haas mit einem „Moospfafflikör“ willkommen. Zum Kaffee wurde – natürlich – eine „Moospfaff-Torte“ gereicht. 
Plötzlich stand Michaela Neuberger alias „Bäuerin Zetzel“ unter der Tür. Sie sei gekommen, um Eier bei Antonia zu kaufen, verriet sie, ein Eierlikör tat es dann auch. 

Die „Zetzel“ berichtete, warum im Moosgebiet der „Moospaffgeist“ sein Unwesen treiben muss: Der Abt des Klosters Gengenbach war einst vor das Waldgericht geladen, denn es sollte vor Ort über Nutzungsrechte und Waldgrenzen verhandelt werden. Diesmal ging es um ein besonders schönes Stück Wald, das der Abt unbedingt für sein Kloster haben wollte. 

Klostererde im Stiefel

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Vor dem Gerichtstermin hatte der Abt in seine Stiefel Gengenbacher Klostererde gelegt und konnte deshalb den Eid ablegen, „ich schwöre vor Gott, dem Allwissenden, dass ich auf Grund und Boden des Gengenbacher Klosters stehe“. Das Gericht sprach daraufhin dem Gengenbacher Kloster das umstrittene Waldstück zu. Der Abt aber wurde nach seinem Tod dazu verdammt, als ruheloser Geist auf der Moos umherzuziehen.

„Bis heute noch könne man sein hämisches Lachen hören, wenn er nächtliche Wanderer in die Irre führt“, warnte die „Zetzel“. Sie beschrieb den Moospfaff als großen, schwarz gekleideten Mann, mit einem schwarzen Hut, der aber kein Gesicht habe, stattdessen blicke man nur in ein dunkles und schwarzes Loch“. 

Sie riet der Wandergruppe dringend, vor dem „Betzittlitte“ nach Hause zu gehen. Sie belegte dies mit mehreren Vorkommnissen, bei denen Wanderer in der Dunkelheit irregeleite worden seien, so dass sie, obwohl die ganze Nacht unterwegs, morgens wieder am selben Ort angekommen seien. 

Die Wanderer bewährten sich auch als ausgezeichnete Sänger von Volksliedern. Antonia Haas begleitete sie auf ihrem diatonischen Knopfgriffakkordeon. 
Bei der Rückkehr hörten die Wanderer noch im Wald  schon das „Betzittlitte“ der Nordracher Dorfkirche. Glücklicherweise ließ sich der Moospfaff aber nicht blicken und die Wanderer gelangten wohlbehalten zum Kirchplatz zurück.

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